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In Regnitzlosau setzt der Biber der Flussperlmuschel zu | BR24

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In Regnitzlosau, wo die selten gewordene Flussperlmuschel überlebt hat, setzt ihr der Biber zu. Seine Bauten und aufgetautes Wasser bringen die Flussperlmuschel in Gefahr.

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In Regnitzlosau setzt der Biber der Flussperlmuschel zu

Biber und Flussperlmuschel sind zwei gefährdete Tierarten. Beide stehen auf der Roten Liste. Doch in Regnitzlosau werden immer mehr Biberbauten zur tödlichen Gefahr für die Flussperlmuschel. Naturschützer stehen vor einem Dilemma.

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Normalerweise freut sich Martin Mörtl, wenn er Spuren von Bibern in Oberfranken findet. Doch wenn die Biber Bäche und Flüsse bei Regnitzlosau (Lkr. Hof) aufstauen, ist der Biologe weniger begeistert. Denn hier werden die Biberdämme zur Gefahr. Ungewollt könnten die Nagetiere nämlich eine der letzten Populationen der seltenen Flussperlmuschel töten.

"Die Flussperlmuschel braucht kalte, fließende Gewässerabschnitte. Im Staubereich erwärmt sich jedoch das Wasser. Und das vertragen die Perlmuscheln möglicherweise nicht. Und es lagert sich viel Schlamm ab, und das schädigt die Tiere." Biologe Martin Mörtl, Wasserwirtschaftsamt Hof

Unter dem Schlamm ersticken die jungen Muscheln, die nicht die Kraft haben, sich aus dem Sediment herauszubuddeln.

Immer mehr Biber machen sich breit

Es ist gerade einmal anderthalb Jahren her, seit sich eine Biberfamilie im idyllischen Dreiländereck zwischen Bayern, Böhmen und Sachsen breit gemacht hat. Seitdem bauen die Tiere fleißig Tag für Tag an neuen Dämmen, stauen die Gewässer an und bringen die Muscheln damit in Lebensgefahr.

Mit Baggern gegen die Biberdämme

Abhilfe kommt vom Wasserwirtschaftsamt Hof. Schon Dutzende Male rückten Arbeiter mit Baggern an und rissen die Biberdämme ein. Die fleißigen Tiere kratzt das offenbar wenig. Sie bauen ihre Bollwerke immer wieder neu. Der Flussmeister des Wasserwirtschaftsamts, Hagen Rothemund, nimmt dabei viel Geld in die Hand, um die stark gefährdeten Muscheln vor der Bauwut des Bibers zu schützen.

"Ein Tag kostet uns 1.000 Euro. Momentan sind wir bei 15.000 bis 20.000 Euro, die hier schon ausgegeben wurden. Aber das darf man nicht aufrechnen. Diese Art gibt es nur hier, und wir sind die letzte Generation, die die Chance haben, diese Lebewesen hier zu halten." Flussmeister Hagen Rothemund, Wasserwirtschaftsamt Hof

Schon viele Biberdämme wurden eingerissen. Vertreiben konnte man den Biber damit aber nicht.

Biber nach Polen umsiedeln?

Sollte die Vergrämung weiterhin scheitern, müsste man die Biber einfangen und umsiedeln. Zum Beispiel nach Polen. Doch das ist nicht ganz einfach. Wegen Corona sind die Grenzen derzeit geschlossen.

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