BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

In Regensburg werden künftig Borna-Viren erforscht | BR24

© BR

Eine Gehirnentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben. Ausgelöst werden kann sie auch durch das Borna-Virus. Meist endet die Infektion tödlich. Das Bayerische Gesundheitsministerium will jetzt eine Anlaufstelle in Regensburg einrichten.

3
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

In Regensburg werden künftig Borna-Viren erforscht

Das bayerische Gesundheitsministerium richtet in Regensburg eine zentrale Stelle zur Erforschung sogenannter Borna-Viren ein. Das Virus kann zu tödlichen Gehirnentzündungen führen. Besonders hoch könnte das Risiko für Katzenhalter sein.

3
Per Mail sharen
Teilen

Das bayerische Gesundheitsministerium richtet eine zentrale Stelle zur Erforschung sogenannter Borna-Viren ein. Das Projekt "Borna Focal Point Bayern" soll voraussichtlich im Sommer 2020 starten, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch auf Anfrage mitteilte. Universität und Gesundheitsamt Regensburg sollen dafür mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zusammenarbeiten. Das Projekt wurde bei einer Ausschreibung vom Bundesministerium für Forschung ausgewählt.

Experte gesucht

Ab voraussichtlich Juni soll zu den Übertragungswegen des Virus geforscht und anhand von Proben überprüft werden, ob sogar noch mehr Menschen an dem Virus verstorben sind. Das Uniklinikum Regensburg will dafür eine Stelle ausschreiben und einen Arzt suchen, der ein Netzwerk von Borna-Viren-Forschern bilden soll.

Ministerium will Ärzte sensibilisieren

Das Ministerium beobachte "das Infektionsgeschehen bei Borna-Viren sehr aufmerksam", sagte die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). "Zwar handelt es sich bisher nur um eine vergleichsweise geringe Zahl an nachgewiesenen Infektionen. Wir sensibilisieren aber weiter die Ärzteschaft für dieses Thema."

Viele Betroffene aus Bayern

Zuvor war eine Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und der Universität Regensburg bekannt geworden, wonach seit 1995 mindestens 14 Menschen an einer Gehirnentzündung starben, die durch eine Infektion mit sogenannten Borna-Viren ausgelöst worden war. Die Erreger wurde in aufbewahrten Hirnproben nachgewiesen. Alle diese Fälle traten in Bayern auf und wurden nach Angaben von Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, an der Uniklinik Regensburg, in Erlangen oder im Raum München diagnostiziert. Den jüngsten bekannten Borna-Fall datieren die Wissenschaftler auf Ende 2019. Dabei starb ein elfjähriges Mädchen.

Überträger: Feldspitzmaus

Überträger des Virus' ist die Feldspitzmaus. Die Mäuse scheiden das Virus in Urin, Kot und Speichel aus - darüber können sich dann andere Tiere und in seltenen Fällen auch der Mensch anstecken. Wie genau sich die Patienten in Bayern mit dem Virus infizierten, ist unklar. Viele hätten engen Kontakt zu Katzen gehabt - die möglicherweise eine Spitzmaus gefangen und mit nach Hause gebracht haben könnten. Das sei aber nur eine Hypothese.

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder auch von Pferd zu Mensch sei auf natürlichem Wege ausgeschlossen, erklärte Beer. Viele der bekannten Patienten litten laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin zu Beginn an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Es folgen neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen, im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen oft Koma und Tod.