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Früher hieß es Volkszählung, heute ist es der Zensus. Im kommenden Jahr werden wieder die Bevölkerungs-Daten erhoben. Um sie zu verarbeiten, baut das Landesamt in Fürth eine Statistik-Fabrik auf. Einblicke sind nur in die leeren Hallen erlaubt.

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In Fürth entsteht Bayerns Statistik-Fabrik für die Zensus-Daten

Früher hieß es Volkszählung, heute ist es der Zensus. Im kommenden Jahr werden wieder die Bevölkerungs-Daten erhoben. Um sie zu verarbeiten, baut das Landesamt in Fürth eine Statistik-Fabrik auf. Einblicke sind nur in die leeren Hallen erlaubt.

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Von
  • Michael Reiner

In der leeren Fabrikhalle erinnert nur ein Förderband an die frühere Nutzung. Die Firma Siemens hat hier in einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Fürth Gepäck-Transportsysteme für Flughäfen entwickelt. Seit einigen Monaten baut das bayerische Landesamt für Statistik die Hallen für seine Zwecke um. Hier wird eine "Statistik-Fabrik" entstehen, sagt Behördenleiter Thomas Gößl. Die großen Flächen sind notwendig, um den Zensus 2022 gut über die Bühne bringen zu können.

Schutz der Daten hat höchste Priorität

Mehr als zwei Millionen Fragebögen müssen bearbeitet werden. Und dafür wird die entsprechende Infrastruktur benötigt. Denn viele der Daten kommen per Post. Die ersten Brieföffnungsmaschinen und Scanner für die Fragebögen stehen schon bereit. Bisher sind sie noch verpackt. Ansonsten sind die Hallen noch leer. In den kommenden Wochen wird das Gebäude dann komplett abgeschirmt, damit die Daten der Bürger optimal geschützt werden können, so Gößl. Dann darf außer den Beschäftigten niemand mehr rein.

Papierberge müsse bearbeitet werden

Im Herbst wird die erste Welle von Fragebögen erwartet, sagt Michael Fürnrohr beim Rundgang durch die Hallen. Er ist im Landesamt für Statistik für den Zensus zuständig. 500.000 bis 600.000 Bögen werden es im Herbst sein. In der heißen Phase des Zensus im kommenden Jahr rechnet er aus der Haushalts- und Wohnungsbefragung mit mehr als zwei Millionen Sendungen. Dann werden in den Hallen rund 40 bis 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alleine mit dem Transport der Briefe, dem Öffnen und Scannen beschäftigt sein. Insgesamt sind rund um den Zensus 2022 rund 250 Beschäftigte tätig.

Daten bringen Geld

Ähnlich wie ein Kaufmann müsse auch ein Staat in regelmäßigen Abständen Inventur machen, sagt Behördenleiter Gößl. "Der Zensus 2022 ist die große Datensammlung über die Bevölkerung in Deutschland. Wie die Menschen wohnen, wie sie arbeiten, wie sie ausgebildet sind, woher sie kommen und wie alt sie sind." Diese Daten sind wichtige Grundlagen für viele politische Entscheidungen. Kommunen benötigen sie zum Beispiel für den Bau von Kindergärten, Schulen und Alteneinrichtungen. Die Bevölkerungszahl ist aber auch maßgeblich für das Geld, das Städte und Gemeinden aus dem Finanzausgleich bekommen. Selbst die Größe des Gemeinderats und das Gehalt des hauptamtlichen Bürgermeisters hängen von der Bevölkerungszahl ab.

Erstmals wird die Miethöhe abgefragt

Die Zahlen aus dem Zensus haben auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Zuschnitt der Bundestagswahl, sagt Gößl. "Jedes Mal wird aufs Neue nach dem Bevölkerungszuwachs oder dem Rückgang über die Einteilung der Wahlkreise entschieden." Beim Zensus 2022 werden erstmals auch Daten zur Miethöhe erhoben. Bislang gab es dazu nur relativ ungenaue Schätzungen, so Gößl. Abgefragt werden zudem auch die Gebäudegröße, die Art der Heizung und die ökologische Ausstattung der Wohngebäude.

2,3 Millionen Bayern in der Stichprobe

Beim Zensus im kommenden Jahr wird nicht die gesamte Bevölkerung Bayerns gezählt, erläutert Chef-Statistiker Fürnrohr. Die Statistiker bilden eine Stichprobe, die einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden soll. Das hat zur Folge, dass nur rund 2,3 Millionen Menschen in Bayern die Fragebogen online oder auf Papier ausfüllen müssen. "Die Größe der Stichprobe ist so bemessen, dass die Bevölkerungszahl mit einer Genauigkeit von plus/minus einem halben Prozent ermittelt werden kann", sagt Fürnrohr. Auch bei einer kompletten Volkszählung, bei der tausende von Mitarbeitern ausschwärmen müssen und die entsprechend teuer ist, sei mit entsprechenden Fehlern zu rechnen.

Auch Wissenschaftler warten auf die Zahlen

Die Daten aus dem Zensus werden Ende 2023 offiziell vorgestellt. Die Arbeit in der Fürther Statistik-Fabrik ist dann aber noch lange nicht vorbei. "Ein Zensus ist eine Großerhebung, bei dem Millionen von Daten auf verschiedensten Wegen gewonnen werden", sagt Fürnrohr. "Die müssen dann wissenschaftlich aufbereitet und interpretiert werden und wir werden sie Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Verfügung stellen." Und dann gelte es noch, Lehren für die nächsten Befragungen zu ziehen. Denn ein Zensus wird im Schnitt alle zehn Jahre durchgeführt.

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