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Plakat vor dem Friedberger Krankenhaus

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    In Friedberger Klinik infiziert? 15 Todesfälle laut Ministerium

    Im Zuge des Corona-Ausbruchs im Friedberger Krankenhaus sind deutlich mehr Menschen verstorben als bislang bekannt. Gesundheitsminister Holetschek schreibt nun von 15 Personen, die sich womöglich in der Klinik infizierten und daran starben.

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    Von
    • Andreas Herz

    Die Zahl der Menschen, die sich womöglich im Friedberger Krankenhaus mit dem Coronavirus infiziert haben und in der Folge verstorben sind, ist höher als bislang bekannt. Inzwischen geht das bayerische Gesundheitsministerium nach dem Corona-Ausbruch in der Klinik zwischen November und Januar von 15 Todesfällen aus.

    Fall Friedberg beschäftigt Minister Holetschek

    Das geht aus einem Schreiben von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hervor. Darin antwortet er auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordnete Christina Haubrich zu den Vorfällen im Friedberger Krankenhaus - einem Krankenhaus, das eigentlich gar keine Corona-Patienten behandelt. Das Schreiben liegt dem BR exklusiv vor.

    Wörtlich heißt es darin: "Nach Sichtung der Krankenakten der positiv getesteten Patienten sowie der Listen der positiv getesteten Mitarbeiter wurde eine Fallliste erstellt. Demnach waren bis zum 22.02.2021 im Rahmen des Ausbruchsgeschehens insgesamt 63 Mitarbeiter und 54 Patienten positiv getestet. 15 Patienten sind verstorben, wobei noch nicht abschließend geklärt ist, ob die Patienten mit oder an SARS-CoV-2 verstorben sind."

    "Es wurde Monate unter den Teppich gekehrt"

    "Wahnsinn, aber es ist nicht verwunderlich", sagt Annerose Greisl. Ihr Vater verstarb, nachdem er im Friedberger Krankenhaus zu einem schwer hustenden Mann ins Zimmer gelegt worden sei. Wie sich herausstellte, hatte der hustende Mann Corona und steckte den Vater von Annerose Greisl an. "Das Ganze wurde Monate unter den Teppich gekehrt. Die Aufklärung hat ja erst spät begonnen. Es ist einfach ein Schock", so Greisl. Mit dem Fall ihres Vaters beschäftigt sich auch die Augsburger Staatsanwaltschaft.

    Das sagt das Landratsamt

    Das Landratsamt Aichach-Friedberg erklärte als Träger, dass die Klinik von 15 Fällen ausgeht, in denen es gesichert zu einer Infektion von Patienten in der Klinik gekommen sei. "Vier dieser Patienten sind im weiteren Verlauf verstorben, wobei in diesen Fällen therapielimitierende Maßnahmen verfügt waren", so der Sprecher des Landratsamts. Zu anderen Zahlen, woher diese auch immer kommen mögen, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Stellung beziehen, insbesondere im Hinblick auf ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren." Es sei außerdem noch zu klären, wie viele sich wirklich im Krankenhaus angesteckt haben.

    In einem internen Zwischenbericht des Landesamts für Gesundheit, über den der BR exklusiv berichtet hatte, war noch von sieben Toten die Rede, die sich wohl in der Klinik infiziert hatten. In dem internen Schreiben werden gegenüber der Klinik schwere Vorwürfe erhoben. Vor allem seien nosokomiale Infektionen – also Fälle, in denen sich Patienten oder Mitarbeiter in der Klinik infiziert haben – nicht gesetzeskonform überwacht worden.

    Auch die Rolle des Gesundheitsamts wird nun geprüft

    Eigentlich sollte inzwischen schon der Abschlussbericht des Landesamts vorliegen. Da nun aber auch die Regierung von Schwaben eingeschaltet wurde, um das Handeln des zuständigen Gesundheitsamts in der Causa zu prüfen, verzögert sich der Abschlussbericht. Der Leiterin des Gesundheitsamts des Landkreises Aichach-Friedberg wird vorgeworfen, ein Ausbruchsgeschehen erst Wochen nach den ersten Corona-Fällen gemeldet zu haben.

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