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"In die Jauchegrube getunkt": Politiker-Stimmen zum Nockherberg | BR24

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Die Reaktionen auf das diesjährige Spektakel während der Fastenrede fielen überwiegend positiv aus.

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"In die Jauchegrube getunkt": Politiker-Stimmen zum Nockherberg

"Cooler Auftritt", "Kabarett auf höchstem Niveau", "Schulnote 1" – Maximilian Schafroth bekommt von den Spitzenpolitikern viel Lob für seine Fastenrede. Und so mancher lässt an diesem Abend Ambitionen auf höhere Ämter erkennen.

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Von
  • Magdalena Latz
  • Petr Jerabek

Der Zuschauer aus dem Norden, Vizekanzler Olaf Scholz, hatte offenbar keine Verständnisprobleme mit den Passagen im bayerischen Dialekt. "So kompliziert war das nun nicht," sagte der SPD-Politiker unmittelbar nach der Fastenrede auf dem Nockherberg im BR-Fernsehen - und ließ ein knappes Urteil folgen: "Es war auch lustig."

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will dagegen beobachtet haben, dass seinem Parteikollegen Olaf Scholz in der Fastenrede die komplette Politikstrategie von Ministerpräsident Markus Söder aufgezeigt wurde. Kabarettist Maximilian Schafroth habe "schonungslos offengelegt, wie Söder seine Highlights erreicht hat," sagte Reiter.

Söder zeigt sich begeistert von Fastenrede

Etwas wortreicher und überschwänglicher fiel das Lob von Markus Söder selbst aus: "Ich fand's ehrlich gesagt super", betonte er. Es sei ein "echt cooler Auftritt" gewesen, der ihm wirklich Freude gemacht habe.

Insbesondere, dass die Spitzenpolitiker - wegen der Corona-Pandemie - digital im Festsaal anwesend waren, gefiel dem Ministerpräsidenten offenbar besonders gut. "Ich fand die Art und Weise super, wie es gemacht wurde. Die Idee mit den Bildschirmen einblenden, fand ich in diesen schwierigen Zeiten sehr clever. Auch künstlerisch super," sagte der CSU-Politiker. "Seit einem Jahr warten wir auf etwas, was wieder mal unsere Herzen erfreut." In der Fastenrede Schafroths sei so "mancher Volltreffer" dabei gewesen. "Mein ganz großes Kompliment und Respekt."

Auf die Bemerkung von CDU-Chef Armin Laschet zu Beginn des Abends, Söder sei in Bayern am besten aufgehoben, reagierte der Ministerpräsident nach der Fastenrede scherzhaft. Was nächstes Jahr sei, "das schau mer mal," wie ein "großer bayerischer Philosoph" mal gesagt habe.

Schulze: "Gänsehaut bei Chorgesängen"

Auch die Fraktionsvorsitzende der bayerischen Grünen, Katharina Schulze, fand vieles "ziemlich mega", wie sie nach der Fastenrede im Gespräch mit den BR-Moderatoren Christoph Deumling und Ursula Heller sagte. Vor allem bei den Chorgesängen habe sie "Gänsehaut bekommen", so Schulze, weil sie "Chöre liebe". Aber es seien auch die Schwachstellen von Söders Corona-Politik aufgezeigt worden. Besonders gefallen habe ihr zudem der "Wirecard-Song".

Es sei "Kabarett auf höchstem Niveau gewesen," fand auch CDU-Chef Armin Laschet. "Was wir heute hier gesehen haben, das war wirklich stark. Es ist nicht einfach, wenn man nicht auf dem Nockherberg sitzt, die Atmosphäre hat, die Bierkrüge, die Menschen hat, die beieinandersitzen, trotzdem eine solche Predigt zu halten."

Aiwanger und Piazolo angesichts des Abends "uneins"

Und dem bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), hat die Fastenrede "großen Spaß" gemacht, wie er zugibt - obwohl gerade Piazolo, wegen der Schwierigkeiten angesichts des digitalen Homeschoolings in Bayern, besonders heftig von Kabarettist Maxi Schafroth "derbleckt" wurde. Trotzdem gibt es von ihm für den "Spaßfaktor" des Abends "die Schulnote 1, 1 plus sogar."

Sein Parteikollege, der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, zeigte sich dagegen nach der Fastenrede etwas zurückhaltender als die übrigen Politiker in der Runde und nickte nur hin und wieder - was BR-Moderator Christoph Deumling als "niederbayerisches Klatschen" interpretierte. Auf die Frage, ob ihm Schafroths Dionysos-Vergleich gefallen habe, erwiderte Aiwanger nur knapp: "Na ja, lass ma so stehen."

Aiwanger hat Mitgefühl mit Scheuer

Doch tatsächlich fühlte sich Aiwanger in der Fastenrede "ganz anständig" behandelt - zeigte aber Mitgefühl mit dem CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der wegen des Pkw-Maut-Debakels auf dem Nockherberg kräftig Kritik einstecken musste. Der "Andi Scheuer" habe ihm "ein bissl leidgetan", bekannte der Freie-Wähler-Chef im BR24-Clubhouse-Talk nach dem Nockherberg. Den Minister habe Schafroth "schon g’scheid in die Jauchengrube getunkt".

Aiwanger verwies darauf, dass die Pkw-Maut ja nicht Scheuers Idee gewesen sei: "Er hat den Käse ja übernommen, den Wahlkampf-Gag der CSU". Über Scheuers Reaktion sagte Aiwanger: "Er hat schon sehr betreten geschaut, der liebe Andi, hat ihm schon wehgetan." Insgesamt aber zeigte sich der Wirtschaftsminister zufrieden mit der digitalen Version des Nockherbergs: "Unterm Strich war es besser als ich mir es vorher erhofft habe."

Aiwanger will in Berlin Wildschweine schießen

Aiwanger plauderte anschließend noch munter über die Politik im Allgemeinen und seine politischen Ambitionen im Speziellen. "Ein bisschen Wahnsinn braucht man in der Politik", verkündete er. Sollte Söder im Herbst Bundeskanzler werden, dann könnte er als Koalitionspartner mit Ilse Aigner als neuer Ministerpräsidentin "gut leben", verrät der Freie-Wähler-Chef. Aigner sei eine bodenständige Bayerin, "mit der kann ich schon umgehen, ich glaube, sie mit mir auch".

Aber eigentlich zieht es Aiwanger nach Berlin: Eine Kandidatur für den Bundestag im Herbst schließe er zumindest nicht aus, bekannte der Politiker. Er habe ja schon mal kandidiert, "da habt ihr's nur noch nicht gemerkt". Und wenn es dem Vaterland diene, dann mache er das. "In Berlin mitmischen würde ich schon gern."

Er wolle schon deshalb nach Berlin, weil dort "die Wildschweine in der Stadt rumlaufen", verriet Aiwanger. Da müsse durchgegriffen werden, da müsse ein Jäger ran: "Die Wildschweine müssen gejagt werden in Berlin", betonte der passionierte Jäger Aiwanger.

Der "Oberschlumpf" Scholz

CSU-Generalsekretär Markus Blume dagegen antwortete ausweichend auf die Frage von BR-Landtagskorrespondentin Evi Lell, ob er für den Bundestag kandieren wolle: "Wie heißt es bei uns: Mein Platz ist in Bayern." Und er sprach von einer "ziemlich genialen Umsetzung" eines Traditionsformats. "Mit viel Charme und Technik" sei eine "sehr gut gelungene digitale Premiere" auf die Beine gestellt worden.

SPD-Landeschefin Natascha Kohnen schwärmte wiederum für den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, der während der Live-Sendung einen Schlumpf in die Kamera gehalten hatte – eine Anspielung auf den Söder-Satz, er lache so schlumpfig. "Ich finde den Scholz den Knaller, der hat super viel Humor," meint Kohnen. Man dürfe den "Oberschlumpf" nicht unterschätzen.

Viel Lob für technische Umsetzung

FDP-Fraktionschef Martin Hagen schwärmte: "Technisch war’s grandios, ich fand auch, dass Stimmung aufgekommen ist." Katharina Schulze fand es "super cool umgesetzt". Es habe sich sogar ein bisschen so angefühlt, "als wären wir in einem Raum gesessen", sagte sie.

(Redaktioneller Hinweis: BR24 testet zur Zeit die neuen Live-Audio-Plattformen)

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Im Anschluss diskutierten Politiker und BR-Journalisten bei Clubhouse über den diesjährigen Nockherberg.

Aigner macht große Andeutung

Für die Überraschung des Abends sorgte jedoch eine andere: Ilse Aigner (CSU), die Präsidentin des bayerischen Landtags deutete an, dass sie sich vorstellen könnte, Markus Söder in die Staatskanzlei und damit in das Amt des Ministerpräsidenten nachzufolgen - sollte dieser ins Kanzleramt wechseln.

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Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) machte nach dem Derblecken auf dem Nockherberg große Andeutungen.

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