BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

In Bayern fallen bald rund 200 Windräder aus der EEG-Förderung | BR24

© BR/Dirk Vilsmeier

In zwei Jahren werden die ersten Windräder in Deutschland und Bayern keine Förderung mehr erhalten. Sie fallen nach 20 Jahren aus der EEG-Umlage heraus. Die Betreiber stellt das vor schwierige wirtschaftliche Entscheidungen. Etlichen droht das Aus.

23
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

In Bayern fallen bald rund 200 Windräder aus der EEG-Förderung

In zwei Jahren werden die ersten Windräder in Deutschland und Bayern keine Förderung mehr erhalten. Sie fallen nach 20 Jahren aus der EEG-Umlage heraus. Die Betreiber stellt das vor schwierige wirtschaftliche Entscheidungen. Etlichen droht das Aus.

23
Per Mail sharen
Teilen

Seit mittlerweile fast 20 Jahren gibt es in Deutschland die Förderung nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz – das im Jahr 2000 in Kraft trat. Genauso lang werden Windräder, Photovoltaikanlagen oder auch Biogaskraftwerke darüber finanziell unterstützt.

Doch bald fallen die ersten Anlagen aus der Förderung heraus. Sie stehen dann vor größeren wirtschaftlichen Herausforderungen. Das betrifft natürlich auch Windräder in Bayern.

Bis 2025 sind 200 Windräder in Bayern bedroht

Noch erhalten die Windräder der ersten Generation rund neun Cent für jede Kilowattstunde Strom, die sie erzeugen. 2021 wird aber für die ersten Schluss sein, mit der finanziellen Unterstützung durch das Erneuerbare Energien Gesetz.

Und in den darauffolgenden Jahren werden zahlreiche weitere dazukommen, so der Bundesverband Windenergie.

“Wir rechnen deutschlandweit bis 2025 mit ungefähr 8000 Anlagen, die aus der Förderung fallen. Runtergebrochen auf Bayern bedeutet es 208 Anlagen.“ Ariane Lubberger, Leiterin der BWE-Geschäftsstelle Bayern

Ein Kraftakt für die Windrad-Betreiber

Deutschlandweit gibt es derzeit rund 30.000 Windräder. Gut ein Viertel muss also bis 2025 finanziell auf eigenen Beinen stehen. Ihre Betreiber gehen davon aus, dass das ein Kraftakt wird.

“Das erste Windrad, des rausfällt haben wir im September 2002 in der Gemeinde Jengen aufgestellt - das ist bei Buchloe. Das hat zwei Megawatt Leistung.“ Wolfgang Michalke, Chef der Windstrom Süd GmbH

Sein Windrad erzeugt bislang rund drei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das reicht für etwa 1.000 Familien. Bis 2022 bekommt Michalke für diesen Strom etwa 270.000 Euro im Jahr. Das reicht, um das zwei Millionen Euro teure Kraftwerk zu kaufen und abzubezahlen, den Boden dafür zu pachten, es in Schuss zu halten und etwa sechs Prozent Rendite einzufahren.

Von neun Cent pro Kilowattstunde Strom auf drei Cent

Mit dem Auslaufen der Förderung – Ende 2021 - geht die Rechnung aber nicht mehr auf. Denn wenn Michalke seinen Strom dann zu aktuellen Großhandelspreisen verkaufen muss, derzeit rund 3,5 Cent, bleibt nichts mehr übrig. Michalke geht von etwa 60.000 bis 80.000 Euro Betriebskosten im Jahr aus.

“Und diese Summe, die muss jetzt über die Einspeisevergütung übers ganze Jahr erwirtschaftet werden. Und es muss auch noch ein bisschen was übrigbleiben, damit man es überhaupt machen kann. Bei den Strompreisen, die es jetzt gibt, ist das schwierig.“ Wolfgang Michalke

Strom in Wärme verwandeln oder direkt vermarkten

Offen ist deshalb noch, wie es für dieses Windrad in Jengen weitergeht. Ähnliches gilt für fünf weitere Anlagen, die Michalke in der Region betreibt, die aber etwas später ans Netz gingen. Das Ziel aber steht.

“Es gibt Modellversuche hier im Fuchstal, wo die versuchen, den Strom zu Wärme zum Beispiel zu machen. Und es gibt auch die Möglichkeit, hier Strom direkt an große Verbraucher zu verkaufen. Aber wie das genau funktioniert, ist noch schwierig zu sagen“ Wolfgang Michalke

Ariane Lubberger vom Bundesverband Windenergie geht davon aus, dass so ein Windrad nach 20 Jahren, wenn die Förderung ausläuft, noch etwa 10 bis 15 weitere Jahre Strom erzeugen kann. Es also vollständig abzubauen oder ein Neues hinzustellen, scheint in der Regel nicht besonders sinnvoll. Vor allem, da es meist nur um rund einen Cent pro Kilowattstunde Strom mehr gehe, als derzeit bezahlt wird.