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So genannte Impfdrängler haben zuletzt Schlagzeilen gemacht. Als Rechtfertigung hieß es mitunter, man habe übrig gebliebenen Impfstoff genutzt, statt ihn wegzuwerfen. Was ist mit solchen Impfdosen zu tun? Ein Beispiel aus Regensburg.

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Impfzentrum Regensburg: "Weggeschmissen wird nichts."

Im Impfzentrum des Landkreises Regensburg bleiben täglich Impfdosen übrig. Jeden Nachmittag müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BRK dann Nachrücker finden. Das oberste Ziel dabei: Die Impfreihenfolge soll eingehalten werden.

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  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

15 Uhr an einem Tag im Impfzentrum des Landkreises Regensburg: Ein mobiles Impfteam kommt gerade zurück. Sorgsam trägt einer aus dem Team eine Kühlbox mit übriggebliebenen Impfdosen ins Lager. Die überzähligen Dosen kommen sofort in einen Kühlschrank. Jetzt müsse es schnell gehen, sagt Andreas Bauer vom Bayerischen Roten Kreuz, das das Impfzentrum betreibt. Sind die Spritzen erst einmal aufgezogen, bleiben nur sechs Stunden: "Die Impfteams informieren uns, wann sie die Impfdosen aufgezogen haben und so bestellen wir dann die Impflinge ein", sagt Bauer.

Kurzfristiges Angebot für Nachrücker

Schon vor der Rückfahrt der mobilen Impfteams könnten Nachrücker eingeladen werden. Das geht dann so: Die Mitglieder des Impfteams rufen die Koordinierungsstelle an und teilen zum Beispiel mit, dass sie fünf Impfdosen übrig haben. Die Koordinierungsstelle greift dann auf eine Liste mit möglichen Nachrückern zurück und ruft diese nacheinander an. "Man erreicht ja nicht immer jeden sofort. Die ersten fünf, die rangehen und in einer Stunde hier sein können, haben dann das glückliche Los gezogen", sagt Bauer.

Vielerlei Gründe für freie Impfdosen

Die Gründe für übriggebliebene Impfdosen - an diesem Tag sind es insgesamt 14 - können vielschichtig sein. Termine werden kurzfristig abgesagt, manchmal ist eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich oder die Fläschchen mit jeweils sechs Impfdosen können vor Ort im Altenheim nicht komplett aufgebraucht werden. Zur Not mache man Überstunden, bis alles verimpft sei, sagt Andreas Bauer. "Weggeschmissen wird nichts."

Liste mit Impfkandidaten im Landkreis Regensburg

Während andere Landkreise in diesen Fällen oft Rettungskräfte, Polizisten oder medizinisches Personal verständigen, haben im Landkreis Regensburg Hausärzte eine Liste mit mobilen über 80-Jährigen zusammengestellt, die innerhalb einer Stunde kommen können.

An diesem Tag ist es zum Beispiel Josefine Schwank, die einen Anruf bekommen hat. Sie sei gerade vom Spazierengehen heimgekommen, sagt die 89-Jährige. Dann habe das Telefon geläutet. Schnell verständigt sie ihren Enkel, der sie von Wenzenbach nach Regensburg ins Impfzentrum fährt. "Ich möchte es gerne hinter mir haben. Ich glaube, dass es sicherer ist. Und wenn man etwas glaubt, ist das schon mal etwas wert", sagt die Rentnerin.

Sie selbst hätte es auch verstanden, wenn man alte Menschen, wie sie nicht mehr geimpft hätte, sondern jüngere, sagt die 89-Jährige, die stolz ist, keine Medikamente nehmen zu müssen, außer vielleicht gelegentlich eine Schmerztablette.

Appell der Landrätin, Impfreihenfolge einzuhalten

Im Landkreis Regensburg haben sich die Verantwortlichen bewusst dazu entschieden, bei den Nachrückern ebenfalls über 80-Jährige zuerst zum Zug kommen zulassen. Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) appelliert auch an die anderen Landkreise, die Impfreihenfolge einzuhalten und sich zu bemühen, dass Menschen wie Josefine Schwank vor anderen geimpft werden. "Solange wir viele über 80-Jährige haben die sehnsüchtig drauf warten und solange noch viele Ärzte nicht geimpft sind, die täglich mit Infizierten zu tun haben, solange sollte man die Logistik so aufstellen, dass man diese Menschen auch erreichen kann."

Bei Josefine Schwank ging die Impfung rasch vonstatten. "Viel Lärm um nichts", sagt sie beim Verlassen des Impfzimmers. Nach einer kurzen Beobachtungszeitraum wegen eventueller Nebenwirkungen kann sie zufrieden nach Hause. "Keine Klagen", sagt die 89-Jährige auf die Frage, wie es ihr gehe. "Pfenning-gut."

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Josefine Schwank im Impfzentrum

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Im Impfzentrum des Landkreises Regensburg bleiben täglich Impfdosen übrig. Jeden Nachmittag müssen die Mitarbeiter des BRK dann Nachrücker finden. Das oberste Ziel dabei: Die Impfreihenfolge soll eingehalten werden.

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