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Das Testzentrum Erlangen/Erlangen-Höchstadt wird von städtischen Angestellten von Kulturamt und Veranstaltungszentrum E-Werk geleitet.

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Impfzentrum in Erlangen in "kultureller" Hand

In vielen Kommunen organisieren externe Firmen die Impfzentren vor Ort. In Erlangen dachte der Oberbürgermeister pragmatischer: Städtische Angestellte von Kulturamt und Veranstaltungszentrum E-Werk leiten das Impfzentrum. Eine Win-Win Situation.

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Von
  • Tobias Burkert

7.30 Uhr am Morgen: Es herrscht bereits Hochbetrieb am Erlanger Impfzentrum. Dort, wo einst jahrzehntelang Sportartikel verkauft wurden, sollen heute 742 Menschen geimpft werden. Eine logistische Herausforderung. Die Stadt Erlangen hat entschieden, diese Mammutaufgabe nicht in fremde Hände zu geben, stattdessen organisieren vor allem städtische Kulturschaffende von Beginn an das Impfzentrum Erlangen/Höchstadt.

Das Kulturamt und das Veranstaltungszentrum E-Werk arbeiten zusammen mit dem Arbeiter-Samariterbund. Dadurch, dass viele kulturelle Events wegen der Corona-Pandemie entfallen oder kleiner geplant werden müssen, nutzt die Stadt diese freien Kapazitäten jetzt in der Sedanstraße für impfwillige Mitbürger.

Anmeldekabine im Impfzentrum statt Bartresen

Jonas Raake stand vor Corona hinterm Tresen im Erlanger E-Werk, hat Getränke ausgeschenkt, jetzt hilft er Impfwilligen bei ihrer Anmeldung im Foyer. Statt der Bar ist eine gläserne Anmeldekabine sein neues Betätigungsfeld. "So viel anders ist diese Aufgabe aber gar nicht", beteuert Raake, was gleich bliebe, sei der Servicecharakter in beiden Fällen. Auch wenn sein Stammpublikum nun meist wesentlich älter sei, Freundlichkeit werde noch immer großgeschrieben. Die Arbeit im Impfzentrum vermeide die Kurzarbeit. Er sei jeden Tag gerne hier.

Schauspielerin in der Telefonzentrale für Impf-Fragen

In der Telefonzentrale im Obergeschoss arbeitet Tanya Häringer. Sie ist Schauspielerin und Rhetoriktrainerin. Jetzt nimmt sie Impfregistrierungen entgegen, klärt auf, meldet an. Non Stopp klingelt das Telefon. Die Menschen seien sehr froh, einen direkten Ansprechpartner in dieser ohnehin schwierigen Thematik zu haben.

80 Prozent der Anrufer seien höflich und geduldig, andere ließen ihren Fust am Telefon ab. 150 Gespräche am Tag seien nicht nur mental eine Herausforderung, sondern auch körperlich. Ihre professionelle Stimmausbildung helfe ihr, so Tanya Häringer, die Stimmbänder nicht zu überfordern.

ASB spritzt

Medizinische Handlungen, wie das Impfen selbst, bleiben natürlich in der Verantwortung des Fach-Personals. In mehreren Kabinen setzt der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die Spritzen. Für den reibungslosen Durchlauf von Anmeldung bis zur Entlassung der zu impfenden Personen sorgen die Erlanger Kulturschaffenden.

Das klappe tipp topp, lobt Rentner Werner Hirmke das Prozedere. Er habe mit einer viel längeren Wartezeit gerechnet, aber binnen 35 Minuten sei er schon fertig, eine super Organisation sei das.

Statt Poetenfest: Drei neue Außenstellen in Planung

Täglich mobile Impfteams koordinieren und ausschicken, Impfstoff bestellen, neue Außenstellen des Impfzentrums aufbauen – auf den ersten Blick ungewohntes Terrain für die Mitarbeiter des Erlanger Kulturamtes, auf den zweiten nicht mehr so sehr. Die Parallelen seien schon durchaus vorhanden, sagt Bodo Birk. Er organisiert jedes Jahr verschiedene Festivals im Programm des Erlanger Kulturamtes wie das Poetenfest. Jahrelange Erfahrung beim Planen und Durchführen großer Veranstaltungen habe immens geholfen, das Impfzentrum für Erlangen und den Landkreis auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile sei man bereits einen Schritt weiter, besser gesagt drei. Derzeit würden drei neue Außenstellen hinzukommen, Impfzentren in Herzogenaurach, Höchstadt und Eckental.

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In vielen Kommunen organisieren externe Firmen die Impfzentren vor Ort. In Erlangen dachte der Oberbürgermeister pragmatischer: Städtische Angestellte von Kulturamt und Veranstaltungszentrum E-Werk leiten das Impfzentrum. Eine Win-Win Situation.

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