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Impfvordrängler? Gutachten entlastet Donau-Rieser Landrat | BR24

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Weil sich der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle bereits Anfang Januar impfen ließ, wurde ihm Drängelei vorgeworfen.

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    Impfvordrängler? Gutachten entlastet Donau-Rieser Landrat

    Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt: Hat sich der Donau-Rieser Landrat in der Impfreihenfolge vorgedrängelt? Jetzt legt er ein Gutachten im Kreisausschuss vor, das ihn entlastet.

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    Von
    • Judith Zacher
    • Anna Klein

    Seine vorgezogene Impfung Anfang Januar hatte für harsche Kritik gesorgt: Der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle (CSU) hatte deshalb die Bezirksregierung von Schwaben damit beauftragt, den Vorgang zu überprüfen, und zwar einmal aus der Perspektive der Fachaufsicht und einmal juristisch in puncto Disziplinarrecht.

    Gutachten: kein Fehlverhalten

    Das Gutachten attestiert dem Landrat jetzt "kein schuldhaftes dienstliches oder außerdienstliches Fehlverhalten". Die Regeln des Bayerischen Gesundheitsministeriums sehen vor, dass "der Verfall von Impfdosen unbedingt zu vermeiden ist." Die Entscheidung der Klinik, dem Landrat ein Impfangebot zu machen, stehe damit in Einklang und sei deshalb nachvollziehbar.

    Rößle weist Vorwürfe zurück

    Nach der Verlesung des Gutachtens im Kreisausschuss äußerte sich Rößle selbst. Durch die Impfung sei der Eindruck erweckt worden, dass er sich vorgedrängelt habe. "Aber: Es war nicht so", betonte der Landrat. Er und seine ebenfalls geimpfte Stellvertreterin Claudia Marb (CSU) hätten weder betrogen noch gedrängelt – "noch haben wir irgendjemanden eine Impfung weggenommen". Alle Beteiligten hätten hervorragend und verantwortungsbewusst gehandelt.

    Anspielung auf Rücktrittsgedanken

    Rößle deutete auch an, einen Rücktritt erwogen zu haben, ohne das Wort in den Mund zu nehmen. "Man denkt darüber nach, ob man es nicht auch gut sein lässt." Er sprach von einem enormen Druck, der auf ihm und auf seiner Familie gelastet habe. Ein Ziel, dass er bisher immer gehabt habe, gebe er auf, sagte der Donau-Rieser Landrat: "Ich wollte gerne Vorbild sein – das schafft man nicht." Eines habe er gelernt: "Der wichtigste Platz, den man hat, ist daheim in der Familie."

    Landrat: Impfstoff war "übrig"

    Rößle war eigenen Angaben zufolge am 4. Januar im Urlaub, als ihn Professor Alexander Wild angerufen hatte, der für die Impfungen im Donauwörther Krankenhaus zuständig ist. Der Arzt habe ihm mitgeteilt, dass noch zwei Impfdosen übrig seien, aber niemand mehr vor Ort, den man impfen könne. Er sei gefragt worden, ob er für die Impfung kommen wolle, sonst würde man die Dosis wegwerfen, so Rößle weiter. Mit ihm zusammen hatte sich auch seine Stellvertreterin Claudia Marb impfen lassen.

    Wie wird überschüssiger Impfstoff verteilt?

    Die Impfbereitschaft sei zu dieser Zeit noch nicht hoch gewesen, so der Landrat, er habe sogar im Krankenhaus noch eine Sekretärin gefragt, ob sie die Dosis wolle, die habe abgelehnt. Aus diesem Grund, damit die Impfdosis eben nicht weggeworfen werde, habe er sie angenommen. Seine Stellvertreterin Claudia Marb argumentiert ähnlich. Zum Zeitpunkt der Impfung habe es im Donau-Rieser Impfzentrum zwar einen Reserverplan mit Impfwilligen für übriggebliebenen Impfstoff gegeben. Das habe dort aber niemand den Verantwortlichen im Krankenhaus gesagt. Ohne dieses Wissen hätten die Verantwortlichen im Krankenhaus eine "durchaus nachvollziehbare Entscheidung" getroffen, indem sie den Landrat und dessen Stellvertreterin anriefen.

    Kritik an der Reihenfolge der ersten Impfungen

    Brisant ist, dass es wegen einiger Impfungen am 4. Januar im Donauwörther Krankenhaus bereits heftige Kritik gab. Der hausärztliche Impfkoordinator im Landkreis, Christian Völkl, und andere niedergelassene Ärzte hatten kritisiert, dass auch Verwaltungsangestellte und Putzkräfte an diesem Tag im Krankenhaus geimpft worden seien, während die Hausärzte selber, aber auch viele Senioren im Landkreis noch keine Impfung erhalten hätten.

    Zeitplan der Impfungen wirft Fragen auf

    Die Impfdosen waren demnach bereits am 31. Dezember geliefert worden. Verabreicht wurden sie allerdings erst am 4. Januar, einen Tag, bevor sie verfallen wären. Insgesamt 227 Dosen standen an diesem Tag zur Verfügung. Als bis zum Nachmittag alle impfwilligen und impffähigen Mitarbeiter geimpft waren, standen laut Mitteilung des zuständigen gKU (gemeinsamen Kommunalunternehmen) noch drei Impfdosen in aufgezogenen, damals nicht als transportfähig eingestuften Spritzen zur Verfügung. Daraufhin habe man entschieden, dem gKU-Verwaltungsratsvorsitzenden Rößle und der stellvertretenden Landrätin kurzfristig ein Impfangebot zu machen. Rund einen Monat später wurde bekannt, dass sich beide Amtsträger hatten impfen lassen.

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