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Impfungen starten: Kraftakt für Pflegeheime | BR24

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In Bayern haben heute Impfteams mit den ersten Impfungen begonnen. Vorrangig erhielten besonders gefährdete Menschen das Präparat, so zum Beispiel Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, wie beispielsweise in Lauf an der Pegnitz, im Nürnberger Land.

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Impfungen starten: Kraftakt für Pflegeheime

Gestern begannen die Impfungen in Bayern. Vor allem Pflegeeinrichtungen wurden als erstes von Impfmobilen angefahren. Die Heimleiter kämpften seit Tagen mit den Vorbereitungen, denn hinfahren, impfen und das wars - ganz so einfach ist es nicht.

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Von
  • Claudia Grimmer

Im Nürnberger Land wurden an diesem Sonntag rund 100 Impfungen durchgeführt. Ein Teil der Dosen kamen nach Lauf an der Pegnitz. Der Einsatz des Impfmobils galt hier als Testlauf. Hier soll ein "best practice" für alle anderen Einrichtungen erarbeitet werden.

Nervosität vor dem ersten Einsatz

Seit klar ist, dass im Laufer Seniorenheim "bei St. Otto" geimpft wird, hat die Leiterin, Kristine Lütke, schlaflose Nächte. Die Vorbereitungen sind schwierig, eine solche Impfsituation völlig neu. Die rechtlichen Vorgaben zum Teil unklar. Doch in den nächsten Stunden rollt das mobile Impfteam an und dann sollen die Impfungen in Bayern beginnen.

Kristine Lütke gehört zum "Expertengremium zur Pandemieeindämmung bei der Langzeitpflege". Sie vertritt bei Gesprächen mit dem Gesundheitsministerium, den Bezirksregierungen und medizinischen Räten die Seite der Heime. So gut es ging hat sie alles bei sich in der Einrichtung organisiert, auch wenn bis zum Schluss vieles noch nicht hundertprozentig geklärt werden konnte.

Die Situation vor Ort

In dem Laufer Altenheim gibt es insgesamt 60 Bewohner und 50 Mitarbeiter. Für 46 Senioren liegen bereits die Zustimmungen für eine Impfung vor. Acht weitere werden davon ausgeschlossen, da sie bereits die Covid-19-Erkrankung überstanden haben. Drei weitere wollen nicht geimpft werden. Vorgestern Abend musste ein Senior aufgrund seines schlechten Allgemeinzustandes in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Das ist der aktuelle Stand. Heute Morgen wird sie noch einmal mit den Pflegekräften alles durchgehen, ob Senioren Erkältungssymptome oder andere Beschwerden zeigen. Damit wären auch sie von der Impfung ausgeschlossen.

Von den Pflegekräften haben bereits 20 ihre Zustimmung zur Impfung erteilt, andere waren bereits ebenfalls an Corona erkrankt. Unklar ist jedoch bis jetzt, ob auch Mitarbeiter der Wäscherei und der Küche, die ebenfalls im Haus arbeiten, mitgeimpft werden oder nicht. Vorsichtshalber hat sie alle noch einmal informiert, dass sie kommen sollen.

Im Seniorenheim herrscht jetzt eine andere Stimmung als sonst. Viele Bewohner und Mitarbeiter sind aufgeregt, teils unsicher, was da auf sie zukommt.

Rechtliche Lösung kam am Weihnachtstag

Auch über die Weihnachtsfeiertage war Kristine Lütke in telefonischer Bereitschaft, versuchte noch die letzten Angehörigen oder Betreuer der Bewohner zu erreichen. Am 24.12. kam dann ein neuer Zusatz aus dem bayerischen Gesundheitsministerium, der nun eine rechtssichere Lösung für Betreuer anbietet, die jetzt nicht mehr persönlich vor Ort sein müssen. Erleichterung bei der Heimleiterin, denn das bedeutet, dass die telefonische Erreichbarkeit eines Betreuers für eine Impfung genügt. Bisher mussten diese zur Impfung noch persönlich vor Ort sein.

Viele Senioren, vor allem demente, ältere Menschen, werden rechtlich durch Betreuer vertreten. Manchmal sind das die Verwandten selbst, manchmal Berufsbetreuer wie Rechtsanwälte. Für Angehörige ist eine Anwesenheit aber oft nicht machbar, da sie zu weit entfernt wohnen oder zum Beispiel derzeit selbst in Quarantäne sind.

Berufsbetreuer, wie Anwälte, müssten dann gegebenenfalls beim richtigen Anlaufen der Impfaktion in mehreren Einrichtungen gleichzeitig sein, da sie oft mehrere Senioren oder Menschen mit Behinderungen gleichzeitig betreuen. Die neue Verordnung zu Weihnachten, drei Tage vor Impfbeginn, stellte nun klar: Neben der schriftlichen Einwilligung genügt die telefonische Erreichbarkeit.

Alles startklar für die Impfaktion im Haus

Die Leiterin des Seniorenheimes in Lauf an der Pegnitz inspiziert an diesem frühen Sonntag ein letztes Mal die Räume mit einigen Mitarbeitern. Die Speiseräume in jedem Stockwerk sind für die Impfung vorbereitet, Schutzkleidungen liegen bereit, der Personalplan dafür ist fertig und ausgegeben. Alle Bewohner wurden am Mittwoch und das Pflegepersonal am Donnerstag sowie am Samstag noch einmal komplett einer Schnelltestung unterzogen.

Dann geht Lütke die einzelnen Pläne durch. "Es ist nicht so, dass das Impfmobil einfach vorfährt, die Senioren und das Pflegepersonal geimpft wird und das war es", so Lütke. Niemand könne genau sagen, wie viele nun wirklich geimpft werden, denn auch Senioren, die durch einen Betreuer vertreten werden, können ihren Wunsch dazu äußern und am Ende selbst entscheiden, dass sie doch nicht geimpft werden wollen. Jeder Bewohner muss dazu gefragt werden.

Vor der Impfung: Beratung und Aufklärung

Dann war in den vergangenen Tagen noch zu klären, wie die Aufklärung über die Impfung erfolgt und wer diese übernimmt. Das darf jeweils rechtlich gesehen nur ein Arzt. Bevor ein Betreuer oder Bevollmächtigter in die Impfung eines Demenzkranken einwillige, müsse eine Beratung durch einen Arzt erfolgen, erklärt Kristine Lütke. Dabei hätten die Mediziner die Krankengeschichte, den Immunstatus und auch Allergien in den Blick zu nehmen. Ohne Zustimmung wäre eine Impfung rechtlich gesehen eine Körperverletzung. Darum liegen nun die Akten aller Bewohner bereit, die sich impfen lassen wollen.

In ein paar Stunden ist klar, ob der Test in Lauf erfolgreich war. Kristine Lütke wird ihre Erfahrungen dann sofort weitergeben, um so Verbesserungen für die nächsten Impfeinsätze zu bewirken. Dass der erste Einsatz nicht perfekt sein kann, ist auch ihr klar. "Es wird von Tag zu Tag besser werden und da können wir ein Stück mit beitragen."

Impfstofflieferungen bereits am Samstag abgeschlossen

Bereits gestern wurden bundesweit 27 Standorte mit mehreren zehntausend Dosen der Firma Biontech beliefert. Bayern erhielt 9.750 Einheiten, die an die Lagezentren in München und Erlangen verteilt wurden. Von dort wurden sie an Impfzentren und mobile Teams verteilt, die dann am Sonntag die ersten Impfungen verabreichen sollen. Zuerst sollen Menschen über 80 sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden.

"Deshalb haben wir uns entschieden, dass aus dieser ersten Impfstofflieferung jeweils 100 Impfdosen gleichmäßig auf die einzelnen Kreisverwaltungsbehörden verteilt werden. Einzig die Landeshauptstadt München erhält insgesamt 250 Impfdosen." Klaus Holetschek, Staatssekretär bayerisches Gesundheitsministerium

Insgesamt 550.000 Impfdosen für Bayern erwartet

Weitere Lieferungen für den Freistaat werden am 28. und am 30.12. erwartet. Damit sollen zum Jahresende insgesamt 215.000 Impfdosen in Bayern zur Verfügung stehen. Für die Bestellung und Verteilung wurde in Bayern eine Zentrale Koordinierende Stelle Impfstoff (KOST) eingerichtet.

"Etwa die Hälfte dieser rund 215.000 Impfdosen wird gemäß einem bundeseinheitlichen Verfahren zwischengelagert, um in jedem Fall die wichtige Zweitimpfung sicherstellen zu können, die nach 21 Tagen vorgeschrieben ist. Auf diese Weise können wir auch bei unvorhergesehener Impfstoffknappheit oder Lieferengpässen diese dringend erforderliche zweite Impfung gewährleisten. Ab Januar rechnen wir derzeit mit 107.250 Impfstoffdosen pro Woche." Melanie Huml, bayerische Gesundheitsministerin

Bis Ende März sollen 11 bis 12 Millionen Impfdosen deutschlandweit zur Verfügung stehen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6 Millionen Menschen reichen. Neben dem Impfstoff von Biontech und seines US-Partners Pfizer spielt derzeit auch das Mittel des US-Unternehmens Moderna eine Rolle, über dessen Zulassung die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in den kommenden Tagen entscheidet.

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Mobile Impfteams haben damit begonnen, die Bewohner in Seniorenheimen gegen das Corona-Virus zu impfen. Auch im Alten- und Pflegeheim in Lauf bekamen die ersten Seniorinnen und Senioren den Impfstoff.

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