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Für Jugendliche ab 12 Jahren ist ein Impfstoff freigegeben; allerdings empfiehlt die Impfkommission einen Einsatz nur bei jungen Risikopatienten.

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Impfung ab 12: Schlange stehen beim Neu-Ulmer "Impfluencer"

Kinder ab 12 Jahren können grundsätzlich gegen Covid-19 geimpft werden. Empfohlen ist der Impfstoff von Biontech allerdings nur für junge Risikopatienten. Ein Neu-Ulmer Allgemeinarzt impft dagegen alle Jugendlichen, die zu ihm kommen.

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Von
  • Peter Allgaier
  • Joseph Weidl

Zu Anfang der Impfkampagne gegen das Corona-Virus richtete sich alle Aufmerksamkeit auf die Alten: Sie sollten als erste vor schweren Erkrankungen geschützt werden. Inzwischen ist die Impfreihenfolge aufgehoben - aber ob und wann Jugendliche und Kinder geimpft werden können, ist eine offene Frage.

Der Hausarzt impft auf Wunsch alle Jugendlichen ab 12 Jahren

Für Aufsehen sorgt deshalb ein Hausarzt in Neu-Ulm, der auf Wunsch inzwischen alle Jugendlichen ab 12 Jahren impft.

Ein Mittwochnachmittag im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl: Vor der Praxis von Hausarzt Christian Kröner hat sich eine Menschenansammlung gebildet - mit gebührendem Corona-Abstand. Auffallend viele Eltern mit ihren Kindern sind gekommen. Sie haben einen Impftermin und warten, an die Reihe zu kommen.

Sie alle sind überzeugt von der Impfung für diese Altersgruppe, die gesetzlich erlaubt ist, obwohl die Ständige Impfkommission (StIKo) keine generelle Empfehlung für 12- bis 17-Jährige ausgesprochen hat – ausgenommen Risikopatienten, die bei einem schweren Verlauf der Infektion besonders gefährdet wären.

Corona-Impfung für 15-Jährige: "Keine leichte Entscheidung"

Eine Frau, die mit ihrer 15 Jahre alten Tochter vor der Praxis wartet, sagt: "Wir haben schon überlegt. Das war keine Entscheidung, die leichtfertig getroffen wurde. Wir haben uns viel informiert und recherchiert. Ich denke aber, die Vorteile überwiegen einfach."

So sieht das auch Christian Kröner: Der Hausarzt aus Neu-Ulm ist mittlerweile deutschlandweit bekannt durch seine Social-Media- und Fernsehauftritte. Im Netz wird er als "Impfluencer" gefeiert, erlebte aber auch Anfeindungen von Impfgegnern.

Geimpfte Kinder können Eltern schützen

Er sagt zwar, wie die STIKO, dass die schweren Verläufe bei Kindern sehr selten seien. "Andererseits haben wir auch Fälle gesehen, wo Kinder das von der Schule in die Familien getragen und die Eltern angesteckt haben. Das ist ein nicht zu unterschätzendes psychologisches Problem."

Auch Nebenwirkungen der Impfung bei dieser Altersgruppe hält er für extrem selten und verweist dabei auf die Impfungen von Kindern und Jugendlichen in den USA und Kanada. Dort war es nach einer Corona-Impfung mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech/Pfizer und Moderna bei jungen Menschen vereinzelt zu Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) gekommen. Gleichzeitig heißt es aber dort auch, die Vorteile der mRNA-Impfstoffe seien deutlich höher als die Risiken.

Kein Kinder-Impfboom in Schwaben 

Für Deutschland hat die STIKO keine generelle Empfehlung für 12- bis 17-Jährige ausgesprochen, weil es zu wenig Daten über die Auswirkung der Impfung für dieses Alter gebe. Außerdem nehme eine Covid-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen insgesamt eher selten einen schweren Verlauf.

© BR/Thomas Stottrop
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Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, im BR-Radiointerview.

Dass die Patienten in Neu-Ulm Schlange stehen, mag vielleicht auch der der Bekanntheit des Hausarztes geschuldet sein. Aber: Von einem "Impf-Boom" wollen weder der ärztliche Bezirksverband in Schwaben noch der schwäbische Hausärzteverband etwas wissen.

Man solle sich durchaus an die Empfehlung der STIKO halten, sagen die Ärztevertreter. Und das Bayerische Gesundheitsministerium nennt die Zahl von 1,8 Prozent: So gering ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen an den bisher Geimpften.

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