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Bildrechte: dpa-Bildfunk / Patrick Pleul

Die unterfränkischen Impfzentren bekommen offenbar nicht genügend Nachschub geliefert. Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann hat deshalb im Kreisausschuss zu einer Wutrede ausgeholt, aber auch in anderen Landkreisen besteht Mangel an Impfstoffen.

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Impfstoffmangel: Oft nur noch Zweitimpfungen in Unterfranken

Die unterfränkischen Impfzentren bekommen offenbar nicht genügend Nachschub geliefert. Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann hat deshalb im Kreisausschuss zu einer "Wutrede" ausgeholt. Aber auch in anderen Landkreisen besteht Mangel an Impfstoffen.

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Von
  • Alisa Wienand
  • Sylvia Schubart-Arand
  • Julia Dechet

Die legendäre "Wutrede" von Giovanni Trapattoni haben wohl auch heute noch viele im Kopf. Und sie scheint auch in Unterfranken noch präsent zu sein, zumindest nach der vergangenen Kreisausschuss-Sitzung im Landkreis Rhön-Grabfeld. Dem Landrat Thomas Habermann (CSU) wurden nämlich in einer flammenden Rede Parallelen zur "ich habe fertig"-Wutrede von Trapattoni nachgesagt. Doch ist der Inhalt von Habermanns Rede hochaktuell: fehlender Corona-Impfstoff und daraus die Folge, dass in Impfzentren derzeit oft nur Zweitimpfungen verabreicht werden können.

Landrat Rhön-Grabfeld: "Der Ärger ist natürlich riesig"

Im Impfzentrum in Bad Neustadt zum Beispiel wird es laut Landrat Habermann in den nächsten vier Wochen so gut wie keine Erstimpfungen geben. "Der Ärger ist natürlich riesig", sagt Habermann. Alle Impfdosen müssten verwendet werden, um die Zweitimpfungen abzudecken. Laut Habermann liegt das daran, dass die Versorgung mit Impfstoff nicht anwächst. "Wir haben einfach viel zu wenig Impfstoff. Das ist das einfache und zentrale Problem, das wir deutschlandweit, in Bayern und im Landkreis Rhön-Grabfeld haben", sagt Habermann dem BR. "Wir haben mit großer Mühe, unter großem Druck Mitte Dezember unsere Impfzentren eingerichtet. Bis heute, fünf Monate später, haben wir deutschlandweit zehn Prozent der Bevölkerung durchgeimpft. Das ist einfach lächerlich."

Impfstoff im Landkreis Main-Spessart fehlt

Auch im Landkreis Main-Spessart fehlt der Corona-Impfstoff. Landrätin Sabine Sitter (CSU) steht in engem Austausch mit ihrem Rhön-Grabfeld-Kollegen Habermann und ist dankbar für seine klaren Worte. Sie stimme den Schilderungen ihres Kollegen vollumfänglich zu, teilt sie auf Nachfrage des BR mit.

Derzeit ist das Impfzentrum in Lohr mit den Impfungen bei Priorisierungsgruppe 2. Diese werde voraussichtlich erst im Juni abgeschlossen werden können. Nachdem in den kommenden zwei Wochen voraussichtlich erneut zu wenig Impfstoff eintreffen wird und dieser fast ausschließlich für Zweitimpfungen genutzt werden muss, werden Erstimpfungen kaum möglich sein. Damit wird sich der Impffortschritt in der Priorisierungsgruppe 2 erneut verzögern, so die Landrätin. Voraussichtlich werde das Impfzentrum daher auch wieder tageweise schließen.

Landrat Bad Kissingen schreibt Brief an Ministerium

Ähnlich sieht die Situation im Landkreis Bad Kissingen aus. Auch hier können in den nächsten Wochen ausschließlich Zweitimpfungen durchgeführt werden. Die Versorgung mit Impfstoff soll zwar auf etwa gleichem Niveau bleiben. Allerdings warten laut Landratsamt aktuell so viele Menschen auf eine Zweitimpfung, dass der Impfstoff nur dafür ausreicht. Deshalb hat sich Landrat Thomas Bold (CSU) in einem Schreiben an den Bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) gewandt. Darin bittet er um eine "ausgleichende Mehrzuweisung" von Impfstoff. Eine Antwort liegt dem Landratsamt bisher noch nicht vor.

Schweinfurt verabreicht vorerst nur Zweitimpfungen

Auch Stadt und Landkreis Schweinfurt hatten das Gesundheitsministerium um mehr Impfstoff gebeten. Sie haben bereits ein Sonderkontingent von 3.200 Impfdosen erhalten. Trotzdem finden im Impfzentrum Schweinfurt momentan nur Zweitimpfungen statt. Für Erstimpfungen ist laut Landratsamt aktuell nicht genügend Impfstoff vorhanden. Wann wieder Erstimpfungen möglich sind, kann das Landratsamt derzeit nicht abschätzen.

Nur wenige Erstimpfungen in Würzburg

Im Impfzentrum für Stadt und Landkreis Würzburg werden noch Erstimpfungen durchgeführt – allerdings nur wenige. Vom Landratsamt heißt es: "Unsere Planungen lassen die Prognose zu, dass die Zweitimpfungen gesichert sind." Ob Impfstoff für Erstimpfungen zur Verfügung stehe, sei hingegen derzeit nicht gesichert.

Kitzingen: Impfstoff hauptsächlich für Zweitimpfungen

Die Impfquote im Landkreis Kitzingen liegt bei den Erstimpfungen aktuell bei 42 Prozent, bei den Zweitimpfungen bei 9,5 Prozent. Die Quote der Erstimpfung sei sehr erfreulich, allerdings stehen nun logischerweise bei vielen Bürgern die Zweitimpfungen an, so das Landratsamt. Da die vom Bayerischen Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellten Impfmengen allerdings nicht parallel ansteigen, muss auch in Kitzingen der zur Verfügung stehende Impfstoff nun auf nicht absehbare Zeit hauptsächlich für Zweitimpfungen verwendet werden, heißt es in der Mitteilung.

"Wir haben immer alle zur Verfügung stehenden Impfdosen bestellt, alle Impfungen erfasst und viele Bürger sind in Bayimco registriert, die noch auf ihre Erstimpfung warten", erklärt Matthias Heckelt, der Leiter des Impfzentrums. Auf dieser Basis lasse sich der Bedarf der Impfmengen für die Erst- und Zweitimpfungen eigentlich gut kalkulieren. "Aber auf die Impfmengen, die von Bund und Land bestellt und in die Regierungsbezirke geliefert werden, haben wir leider keinen Einfluss", so der Leiter des Impfzentrums. Bisher wurden im Impfzentrum alle Impfdosen bestellt, die zur Verfügung standen und alles auch verimpft, so das Amt.

Grafik: Der Impffortschritt in Bayern und Deutschland in Prozent

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