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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Tobias Hase

In mehreren bayerischen Impfzentren wurde heute noch nicht geimpft. Hintergrund ist ein Problem in der Kühlkette während der Auslieferung.

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Holpriger Impfstart: Pannen bei Kühlkette in Bayern

Die ersten Menschen in Bayern sind gegen das Coronavirus geimpft worden. Der Start verlief aber nicht reibungslos. In Schwaben kam es zu Verzögerungen, in weiten Teilen Oberfrankens musste der Impf-Beginn sogar komplett verschoben werden.

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Von
  • Esther Diestelmann

In einigen Gebieten Bayerns ist der für Sonntag geplante Beginn der Corona-Impfungen aus Sicherheitsgründen verschoben worden. Es gab Unsicherheiten, ob die erforderliche Kühlkette beim Transport des Impfstoffs eingehalten wurde. Betroffen waren die oberfränkischen Landkreise Forchheim, Bayreuth, Coburg, Lichtenfels, Kronach, Kulmbach, Hof und Wunsiedel.

Impfstart in Oberfranken verzögert sich in acht Landkreisen

Der Impfstoff sollte in Transportboxen aus den oberfränkischen Verteilzentren Bayreuth und Bamberg bei einer Temperatur zwischen zwei und acht Grad Celsius ausgeliefert werden. Ein Datenlogger überwachte die konstante Temperatur. Die Aufzeichnungen des Gerätes zeigten jedoch auch Temperaturen jenseits der Acht-Grad-Grenze an.

Die Landräte argumentierten, die Patientensicherheit gehe vor, es müsse zu 100 Prozent gewährleistet sein, dass der Impfstoff bedenkenlos verabreicht werden könne.

Entwarnung in Schwaben

Probleme gab es zunächst auch in einigen Regionen in Schwaben: So traten in den Landkreisen Augsburg und Dillingen Ungereimtheiten bei der Temperatur auf. Möglicherweise habe es eine Fehlfunktion der Kühlbox gegeben, erklärte der Augsburger Landrat Martin Sailer.

Nach Gesprächen mit dem Impfstoff-Hersteller Biontech konnte Entwarnung für die Impfstofflieferungen gegeben werden. Der betroffene Impfstoff könne problemlos verwendet, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Nach Angaben des Herstellers Biontech muss der Impfstoff für einen längeren Zeitraum bei minus 70 Grad gelagert werden. In den Impfzentren kann das Vakzin in den Lieferboxen oder in Kühlschränken bis zu fünf Tage bei zwei bis acht Grad aufgehoben werden. Die eigentliche Impfung könne bei Zimmertemperatur erfolgen, heißt es.

Tausende Menschen in Bayern geimpft

Mehrere Tausend Menschen bekamen am Sonntag in Bayern bereits den schützenden ersten Piks. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sprach in Germering (Landkreis Fürstenfeldbruck) von einem "sehr bewegenden" Tag. "Ich bin sehr froh und erleichtert, dass wir dieses für uns alle so herausfordernde und bewegte Jahr 2020 mit dieser guten Nachricht beenden können", sagte die Ministerin.

Der 83-jährigen Helga Klingseisen und ihrem 91-jährigen Ehemann Kurt wurde in der Seniorenresidenz in Germering vor Pressevertretern der Corona-Impfstoff injiziert. Ein symbolisches Startsignal.

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Bildrechte: Vera Cornette /BR

In Bayern hat heute das Impfen begonnen. Der Auftakt der Corona-Impfaktion fand in einer Seniorenresidenz in Germering statt.

Am Sonntagmorgen waren die ersten mobilen Impfteams ausgerückt. Zunächst soll weitestgehend in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern geimpft werden: Neben Bewohnern und Mitarbeitern der Heime soll medizinisches Personal in Intensivstationen und Notaufnahmen zuerst die Immunisierung erhalten.

Unterfranken: Erneute Einverständniserklärungen sorgten für Kritik

Für die Mitarbeiter in den Pflegeheimen in Unterfranken waren die vergangenen drei Tage nach Angaben des Würzburger Landrats Thomas Eberth sehr arbeitsintensiv. Wie er dem BR sagte, hatte das Bayerische Gesundheitsministerium an Heiligabend neue formale Regelungen für die Einverständniserklärung zur Impfung erlassen. Das bedeutete, dass kurzfristig noch Betreuer oder Angehörige erreicht werden mussten, die erneut für Menschen unter Betreuung ihr Einverständnis für die Impfung geben mussten.

Für das "Seniorenzentrum Bergtheim" sei das gelungen. Der Leiter des Pflegeheims "Haus der Familie" in Windheim im Landkreis Bad Kissingen, Peter Martin, sagte, dass sich der Impfstart in seinem Haus mit 52 Bewohnern wohl verzögern werde. Schließlich seien Berufsbetreuer zum Teil erst wieder im neuen Jahr nach ihrem Urlaub erreichbar.

Unmut über vorzeitigen Impfstart in Sachsen-Anhalt

Für Irritation sorgte auch der vorzeitige Beginn der Impfaktion in Sachsen-Anhalt. Gestern hatte dort eine 101-jährige Frau die erste Corona-Impfung in Deutschland erhalten, danach 40 weitere Bewohner eines Seniorenzentrums.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließ über einen Sprecher mitteilen, zwar freue er sich über die Impfungen in Halberstadt, allerdings habe man sowohl mit allen Partnerländern der EU als auch mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern, um dann ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen.

Bundesweit rund 150.000 Impfdosen bereitgestellt

Zum Auftakt der Impfkampagne bekam jedes Bundesland knapp 10.000 Dosen, in Bremen waren es knapp 5.000 – deutschlandweit sind das gut 150.000 Dosen. Bis Jahresende sollen insgesamt 1,3 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Ende März sollen es schon über zehn Millionen sein.

Damit die Impfung die volle Wirkung entfalten kann, muss sie nach etwa drei Wochen ein zweites Mal verabreicht werden – ideal ist laut Gesundheitsministerium ein Abstand zwischen 21 - 26 Tagen.

Politik zufrieden mit Impfstart

In Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden heute als erstes Impfdosen verabreicht. Anschließend folgten alle weiteren Bundesländer. Bundesgesundheitsminister Spahn twitterte, der Impfstart mache Hoffnung und gebe Zuversicht.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte der "Bild am Sonntag", es werde keine Sonderrechte für Geimpfte geben. Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften komme einer Impfpflicht gleich und er sei gegen einen Zwang, betonte Seehofer.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), die beim ersten Impftermin in der Hauptstadt dabei war, sprach von einem "guten Start" für Berlin. "Wir sind hier, um Menschenleben zu retten", sagte sie.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir sprach auf Twitter von einer "Hammer-Nachricht". Er werde sich impfen lassen, sobald er an der Reihe sei.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte, er sei sehr froh, dass bereits in diesem Jahr mit dem Impfen begonnen werden konnte. Dies sei ein großer Schritt zur Bekämpfung der Pandemie.

Maas: Blick auch über den deutschen Tellerrand

Außenminister Heiko Maas rief dazu auf, bei den Corona-Impfungen über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen. Zwar gehe es jetzt zunächst um eine gerechte Verteilung im eigenen Land, sagte der SPD-Politiker der dpa. Aber man müsse gleichzeitig darauf achten, dass nicht ganze Weltregionen von der Impfstoffversorgung abgeschnitten werden.

"Es wird erst jeder einzelne auch von uns sicher sein, wenn wir alle sicher sind auf der Welt vor diesem Virus", betonte der Minister. Er warnte, ohne eine flächendeckende Verteilung der Impfstoffe weltweit könne es passieren, dass das Virus zurückkomme.

Video: Umfrage zur Corona-Impfung

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Umfrage zur Corona-Impfung

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