Eine Pflegerin geht gemeinsam mit dem Bewohner eines Seniorenheims den Gang entlang. (Symbolbild)
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In Pflegeeinrichtungen sorgt die Corona-Impfpflicht für Personalmangel. Sozialverbände in Main-Rhön schlagen jetzt Alarm.

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    Impfpflicht: Kündigungen bei Pflegeeinrichtungen in Main-Rhön

    Impfpflicht: Kündigungen bei Pflegeeinrichtungen in Main-Rhön

    In Pflegeeinrichtungen im Raum Schweinfurt haben die ersten Mitarbeiter ihren Job gekündigt. Grund dafür ist die Corona-Impfpflicht im Gesundheitssektor. AWO, Caritas und Diakonie schlagen jetzt in einem offenen Brief Alarm.

    Die Corona-Impfpflicht, die nur auf den Gesundheitssektor beschränkt ist, habe "katastrophale" Auswirkungen auf die Altenpflege von Bad Kissingen bis Kitzingen. So heißt es in einem offenen Brief, in dem sich die Altenpflege-Einrichtungen von Arbeiterwohlfahrt (AWO), Caritas und Diakonie an die Landtags- und Bundestagsabgeordneten in der Region Main-Rhön wenden.

    Sie schlagen Alarm, "weil impfunwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Pflegeberuf aufgeben und sich eine Arbeit dort suchen wo keine Impfpflicht besteht", schreibt Jochen Keßler-Rosa, der Geschäftsführer der Diakonie in Schweinfurt in dem Brief.

    Kündigungen sorgen für Personalmangel in der Pflege

    Erste Kündigungen liegen laut dem Brief bereits vor. Bei der Diakonie hätten etwa zwei Mitarbeiter gekündigt. "Viele Mitarbeiter reden darüber, die Lage ist wirklich heikel", sagte Keßler-Rosa gegenüber BR24. Bereits an Weihnachten komme es zu Lücken im Dienstplan. "Bereits jetzt können Pflegeeinrichtungen auch bei freiwerdenden Betten und ausscheidenden Haushalten keine neuen Bewohner und Bewohnerinnen oder Patienten und Patientinnen mehr aufnehmen oder zu Hause pflegen", heißt es in dem Brief.

    Sozialverbände wollen Überlastungsanzeige stellen

    "In wenigen Tagen" könnten pflegebedürftige Menschen von den Einrichtungen nicht mehr "verantwortungsvoll und professionell" betreut werden. Eine allgemeine Impfpflicht würde diese Entwicklung laut Keßler-Rosa unterbinden. AWO, Caritas und Diakonie wollen noch in dieser Woche eine sogenannte Überlastungsanzeige an die Pflegekasse stellen, um sich nicht strafbar zu machen. Trotz eigener Impfangebote in den Einrichtungen gebe es in manchen Einrichtungen eine Impfquote von nur 70 Prozent bei den Pflegekräften.

    💡 Was ist die Überlastungsanzeige in der Pflege?

    Die Überlastungsanzeige in der Pflege wird auch Entlastungsanzeige oder Gefährdungsanzeige genannt. Sie kann von Arbeitnehmern oder Trägern gestellt werden und dokumentiert damit jeweils an die übergeordneten Ebenen, dass die gesetzlich geforderten Qualitätsstandards in der Pflege tatsächlich oder möglicherweise nicht mehr eingehalten werden können.

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