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Eine Pflegerin hilft einer Seniorin (Symbolbild)

Bildrechte: BR/Johanna Schlüter
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Impfpflicht für Pflegeberufe: Einrichtungen bereiten sich vor

Wegen der geplanten Impfpflicht hat es in Seniorenheimen in Niederbayern und der Oberpfalz schon vereinzelt Kündigungen gegeben. Allerdings verzeichnen Träger auch eine zunehmende Impfbereitschaft, wie eine stichprobenartige BR-Umfrage ergab.

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Meike FöckerspergerMeike FöckerspergerKatharina HäringerKatharina HäringerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Die allgemeine Impflicht wird heiß diskutiert, die Impfpflicht für Pflegeberufe ist bereits auf dem Weg. Das beschäftigt derzeit die gesamte Branche.

Caritas sieht offene Fragen

In Seniorenheimen der Caritas gebe es schon vereinzelt Kündigungen, allerdings sei die Stimmung insgesamt noch tragbar, betonte der Regensburger Caritas-Sprecher Harry Landauer auf BR-Nachfrage. Der Caritasverband Regensburg ist zuständig für etwa 50 Alten- und Pflegeheime sowie 60 ambulante Pflegedienste. Vor allem die Frage, wie es mit den ungeimpften Mitarbeitern ab März weitergeht, wenn die Impflicht greift, sei derzeit aber noch unbeantwortet, hieß es weiter. Hier fehle es noch an konkreten Vorgaben vom Staat.

Die gute Nachricht sei allerdings, dass die Impfbereitschaft seit Einführung der "Impfpflicht für Pflegeberufe" zunehme: Es scheine also ersten Erkenntnissen nach so, als ob Ungeimpfte nicht voll auf Konfrontation aus seien. Weil man nach Worten Landauers "nicht einfach so seinen Arbeitsplatz aufgeben möchte".

Planungsunsicherheit in Regensburger Klinik

In den Krankenhäusern ist die Impfquote meist höher: Im Klinikum St. Josef in Regensburg zum Beispiel sind über 90 Prozent der Pflegekräfte geimpft. Wie die ärztliche Direktorin Silvia Pemmerl dem BR sagte, bereite man sich auf die anstehende Impfpflicht vor, indem man probiert, niederschwellige Angebote für ungeimpfte Mitarbeitende zu machen. Man hoffe, dass sich jetzt noch Beschäftigte aufgrund der Pandemie-Lage und nicht der Impfpflicht wegen impfen lassen, so Pemmerl.

Herausfordernd sei allerdings aus Arbeitgebersicht die Planungsunsicherheit, es entstünden häufig Dienstpläne zwei Monate im Voraus und nachdem noch nicht ganz klar ist, wer dann noch einsatzfähig ist und bis dahin vielleicht doch noch geimpft, sei die Planung schwer. Auch wünsche man sich von den Behörden und schlussendlich von der Politik konkrete Ansagen, wie es ab Mitte März mit den Ungeimpften laufen soll.

Im Krankenhaus Barmherzige Brüder sind laut Geschäftsführer Andreas Kestler bereits nahezu alle Mitarbeitenden geimpft. Gleichzeitig stelle man weiterhin ein umfassendes Impfangebot zur Verfügung. "Sowohl für die wenigen Ungeimpften, als auch für die Boosterimpfung", so Kestler. Mit den noch ungeimpften Mitarbeitenden sei man in "intensiven Gesprächen" und baue darauf, dass sich mit dem Impfstoff Novavax ab Anfang Februar noch einige zur Impfung motivieren lassen.

Lakumed-Kliniken rechnen mit wenigen Kündigungen

Nachbesetzungen und eventuelle Lücken sind nach heutigem Stand bei den Pflegekräften in Landshut kein großes Problem. In den Lakumed-Kliniken ist die Impfquote im Bereich der Pflege und Ärzteschaft ebenfalls sehr hoch, weshalb man hier auch von wenigen Kündigungen wegen der Impfpflicht ausgeht. Laut dem geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden der Lakumed-Kliniken, Jakob Fuchs, ist es, wenn jemand kündigt, für Pflegekräfte schwierig, eine Arbeitsstelle außerhalb des Gesundheitswesens zu finden, da die Impfpflicht ja nicht nur die Kliniken, sondern auch andere Bereiche, in denen Pflegekräfte arbeiten, betreffe.

Ein größeres Problem sehen die Kliniken unter anderem im Bereich des Reinigungsdienstes und des Küchenpersonals, wo die Impfquote vergleichsweise niedriger ist. Da befürchte man, dass sich die Reinigungskräfte Einsatzstellen zur Gebäudereinigung außerhalb des Gesundheitswesens suchen könnten.

Klinikum Passau: 92 Prozent der Beschäftigten bereits geimpft

Am Klinikum Passau hofft man durch die Impfpflicht für Pflegekräfte, dass sich ungeimpfte Mitarbeiter noch zu einer Impfung entschließen. "Grundsätzlich würde ich eine allgemeine Impfpflicht sehr begrüßen", betont Klinikums-Werkleiter Stefan Nowack. "Denn meiner Ansicht nach ist es schwer zu vermitteln, dass Patienten in Gesundheitseinrichtungen geimpft sein müssen, dies jedoch nicht für die Mitarbeiter gilt, die sie versorgen müssen."

Ob es durch die Impfpflicht Kündigungen geben wird, sei im Moment noch nicht abzuschätzen. Aktuell läge die Impfquote unter den rund 2.500 Beschäftigten des Klinikums Passau bei 92 Prozent.

Pfleger verschicken anonyme Schreiben gegen Corona-Impfpflicht

Pfleger und Krankenschwestern aus dem Bayerischen Wald haben in anonymen Schreiben an Journalisten ihrem Ärger über die ab Mitte März geltende Impfpflicht in ihrer Berufsgruppe Luft gemacht. In dem Schreiben bekräftigen sie, sich nicht impfen lassen zu wollen. Tatsächlich gekündigt hat bei den "Kliniken am Goldenen Steig" in Freyung und Grafenau aber noch niemand, teilt die Klinik mit. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie viel Personal den Krankenhäusern tatsächlich wegfällt. Bis Mitte März müssten alle gegen das Coronavirus geimpft sein. Im Moment sind in Freyung und Grafenau 145 von 960 Mitarbeitern nicht geimpft. Das entspricht 13 Prozent der Belegschaft.

Protest gegen Impfpflicht und für Selbstbestimmung

Per Post haben 33 Altenpfleger und Krankenschwestern Kopien ihrer Ausbildungszertifikate an die Redaktionen der "Passauer Neuen Presse" und des Onlinemagazins "da Hog`n" geschickt. Die Personalien sind geschwärzt, die Botschaft aber ist eindeutig: "Ich bleibe impffrei" steht auf den Zeugnissen. Wie die "Passauer Neue Presse" berichtet, plädieren die Verfasser für Selbstbestimmung. "Wir, die pflegen, entscheiden selbst, was für uns richtig ist. Jeder Einzelne für sich. Wir lassen uns nicht spalten", heißt es in dem Schreiben. Die Zertifikate stammen laut Zeitung überwiegend aus Niederbayern und in großer Zahl aus dem Landkreis Freyung-Grafenau. Die "Kliniken am Goldenen Steig" haben die Schreiben nach eigenen Angaben nicht bekommen.

Die Klinikleitung macht sich keine Sorgen, wie es ab März weitergehen soll, heißt es auf BR-Nachfrage. Denn innerhalb der ersten Januar-Woche sei die Impfquote an den beiden Krankenhäusern um sechs Prozent nach oben gegangen. Dienstpläne werden demnach wie bisher aufgestellt.

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