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Schnelltest, Impfdosis, Warn-App (Symbolbilder).

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Impfen, Schnelltests, App: Die drängendsten Corona-Fragen

Weitreichende Lockerungen sind von der heutigen Bund-Länder-Konferenz nicht zu erwarten. Das liegt auch daran, dass es in drei Corona-Bereichen weiter zum Teil große Defizite gibt - bei Impfungen, Schnelltests und der digitalen Nachverfolgung.

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Von
  • Regina Kirschner
  • Julian von Löwis
  • Maximilian Heim

Mehr Normalität - wo immer möglich: Das dürften viele Menschen vom heutigen Corona-Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwarten. Laut einem kursierenden Beschlussentwurf von Montagabend sind leicht gelockerte Kontaktbeschränkungen denkbar, genau wie geöffnete Einzelhändler und Museen in Regionen mit einem Inzidenzwert stabil unter 35. Weitgehende Öffnungen von Schulen sind dagegen vorerst nicht zu erwarten.

Dieses vorsichtige Vorgehen hat mehrere Gründe. Zunächst liegt es an der stagnierenden Zahl der Neuinfektionen - und der zunehmenden Verbreitung von vermutlich ansteckenderen Corona-Mutationen. Aber auch politisch wurde längst nicht alles optimal vorangebracht. Drei prominente Beispiele sind die nur langsam eintrudelnden Schnelltests, schleppend vorangehende Impfungen und die mangelhafte digitale Nachverfolgung via Smartphone-App.

1. Warum läuft das Impfen immer noch so langsam?

In Bayern haben bis einschließlich 1. März rund 741.000 Menschen die erste Corona-Impfung erhalten. Davon haben rund 369.000 auch schon die zweite Impfdosis gekriegt, genießen also den vollständigen Impfschutz. Laut Robert Koch-Institut macht das bei den Erstimpfungen im Freistaat eine Quote von 5,6 Prozent - es gibt also viel Luft nach oben. Hauptgrund ist bisher der Impfstoffmangel: Die Europäische Union hat vergleichsweise zögerlich bestellt - und Deutschland hat auf die EU gesetzt.

Dennoch ist manches schwer begreiflich. So liegen trotz des Mangels derzeit bundesweit hunderttausende Dosen des Herstellers Astrazeneca auf Halde - offenbar auch, weil eigentlich Impfberechtigte diesen Impfstoff verweigern. Dazu kommt: Neue Lieferungen stehen bevor, laut dem Bundesgesundheitsministerium darf Bayern im März mit gut 1,5 Millionen weiteren Impfdosen der bisher zugelassenen Vakzine rechnen. Bundesweit stehen von April bis Juni laut Hersteller-Angaben weitere knapp 77 Millionen Impfdosen bereit - neue Zulassungen vorausgesetzt.

Wie das Impftempo bald erhöht werden kann, dazu gibt es verschiedene Vorschläge:

  • Nicht nur auf Impfzentren und mobile Teams, sondern auch auf Haus- und Betriebsärzte setzen. Zuletzt von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angeregt - und laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab Montag schrittweise und ab April endgültig geplant. Vom Bayerischen Hausärzteverband hieß es zuletzt: "Im Sommer sind wir durch mit dem Impfen, wenn das jetzt in die Praxen gehen würde." Was sich viele Hausärzte wünschen: verbindliche Liefermengen und weniger Bürokratie bei der Durchführung als in den Impfzentren.
  • Die strenge Impfreihenfolge aufheben - zumindest für Astrazeneca: Ob dieser Vorschlag von Söder und anderen Ministerpräsidenten Erfolg hat, ist offen. Man könne das nicht ohne den Bund machen, heißt es aus der Staatsregierung - die Bundesregierung will aber an der bisherigen Priorisierung festhalten. Eine kleine Hintertür gibt es schon jetzt: Von der Priorisierung kann laut Verordnung "in Einzelfällen abgewichen werden, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen und zur kurzfristigen Vermeidung des Verwurfs von Impfstoffen notwendig ist".
  • Neue Impfstoffe schneller zulassen: Auch das ist eine wiederkehrende Forderung, allerdings an die EU. Bisher gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass sich am Zulassungstempo der dort zuständigen Behörde etwas ändert. Auch der in den USA schon zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson darf in Europa noch nicht verwendet werden.
  • Die zweite Impfdosis später verabreichen - à la Großbritannien. Diese Variante ist aktuell für Deutschland unwahrscheinlich. Das Bundesgesundheitsministerium teilt mit: "Um die Effektivität der Impfstoffe zu gewährleisten, sollen die empfohlenen Zeiträume zwischen Erst- und Zweitimpfung eingehalten werden." Ein möglicher Zwischenweg: Die Intervalle zwischen den beiden Impfungen (aktuell zwischen drei und zwölf Wochen) könnten noch etwas gestreckt werden.

2. Wann kommen endlich mehr Schnelltests?

"Regelmäßige Corona-Tests stellen einen wichtigen Baustein dar, um mehr Normalität und sichere Kontakte zu ermöglichen", steht im Beschlussentwurf für die Bund-Länder-Gespräche. Klar ist: Längst gibt es Schnelltests - und die neuen selbst durchführbaren Tests werden das Angebot nochmal erhöhen. Das Problem: Noch immer fehlt ein System, das festhält, wer, wie oft und wo getestet wird.

Damit Schnelltests wie erhofft ein wichtiger Weg zur Normalität werden, bräuchte es ein umfassendes, einheitliches und am besten digitales Konzept. Das aber fehlt bisher. Es brauche die Möglichkeit, etwa in einer App personifizierte Corona-Tests digital vorzeigen zu können, betonte CSU-Chef Söder zuletzt. Im nächsten Satz machte er aber klar: Bis es so eine App gibt, wird es dauern.

Erst zum Discounter, dann ins Wirtshaus?

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) setzt große Hoffnungen in die Selbsttests. Sein Ansatz: weg von pauschalen Kontaktverboten, hin zu sicheren Kontakten - garantiert durch ein negatives Ergebnis. Das könnte so auch von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) stammen. Anders als Söder will Aiwanger nicht warten, bis es dafür eine digitale Lösung gibt. Sein Vorschlag: Bis Ostern sollen Hotels und Gastronomie öffnen - rein darf nur, wer unmittelbar davor negativ getestet wird. Vor allzu großen Hoffnungen auf rasche Lockerungen mit Selbsttests warnt dagegen Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und verweist auf den hohen organisatorischen Aufwand.

Losgehen soll es immerhin bald. Die Drogeriemärkte dm und Rossmann haben angekündigt, ab Dienstag Selbsttests anzubieten. Aldi Süd will den Verkauf "in Kürze" starten und auch Edeka sitzt an dem Vorhaben, macht hierbei aber keine Zeitangaben. Lidl, Rewe und Netto teilen mit, so eine Sortimentserweiterung zu prüfen. Der Preis für einen Selbsttest dürfte im einstelligen Eurobereich liegen, je nach Höhe könnte sich auch der Bund an den Kosten beteiligen. Wie viel am Ende jeder für einen solchen Test zahlen muss, dürfte entscheidend dafür sein, wie viele Selbsttests zum Einsatz kommen.

3. Warum gibt es keine effektive Corona-App?

Wer positiv auf Corona getestet wurde, kann schnell weitere Menschen anstecken. Damit das nicht passiert, müssen Kontaktpersonen rasch ermittelt und informiert werden. Die Gesundheitsämter können das bei hohen Inzidenzwerten allerdings nicht mehr leisten. Helfen könnte eine digitale Nachverfolgung anhand von Warn-Apps.

So steht es auch im Beschlussentwurf der heutigen Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie. Demnach soll sich jedes Bundesland um eine elektronische Kontaktnachverfolgung kümmern, die dem Gesundheitsamt die wichtigen Daten liefert. Das könne zum Beispiel in Form einer App passieren.

Das Scheitern der Corona-Warn-App

App, Corona, Kontaktnachverfolgung? War da nicht was? Aber ja: Die vom Bund zur Verfügung gestellte Corona-Warn-App sollte eigentlich genau das leisten: Kontakte nachvollziehbar machen und die Nutzer bei einer möglichen Ansteckung warnen. Doch die Hoffnungen wurden weitgehend enttäuscht. Als Hauptproblem gilt die Freiwilligkeit: Viele Nutzer haben einen positiven Test nicht gemeldet. Kritiker fordern daher eine automatische Kontakt-Nachverfolgung, ein sogenanntes Tracing. Schließlich würden die Menschen den Zugriff auf ihren Standort Google & Co auch ständig erlauben, so die Idee dahinter.

Warum es das bisher nicht gibt? Aus Datenschutzgründen? Nicht unbedingt, meint Bayerns oberster Datenschützer Thomas Petri. Fast alles sei unter Datenschutz-Kriterien machbar, oft eben nur etwas umständlicher. Für ihn liegt der Knackpunkt beim Thema Tracing woanders. Er ist sich sicher: Freiwillig lädt sich hierzulande niemand so eine App herunter. "Wenn es um eine Nachverfolgbarkeit durch den ganzen persönlichen Alltag hindurch geht, machen die Menschen in einem offenen Gesellschaftssystem nicht mit." Das zeige auch ein Blick nach Frankreich. Nur 2,6 Millionen Franzosen haben sich die App, die eine automatische Kontaktnachverfolgung bietet, heruntergeladen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es über 20 Millionen Menschen.

Versuch aus der Privatwirtschaft: Kommt nun "Luca"?

Nun kommt in Deutschland aus der Privatwirtschaft eine Idee: die App Luca. Sie wurde von der Rap-Gruppe "Die Fantastischen Vier" mitentwickelt und sorgt nicht nur deswegen für Aufmerksamkeit. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich mittlerweile für sie ausgesprochen. Sie könnte ein wesentlicher Bestandteil bei der Öffnung der Gastronomie sein, heißt es. Anstatt jedes Mal im Restaurant neu Namen, Adresse und Telefonnummer anzugeben, müsste der Gast nur die App installieren. Wer die Gaststätte betritt, scannt einen QR-Code, die Daten werden anonymisiert erfasst und können im Falle einer festgestellten Infektion mit den Gesundheitsämtern geteilt werden.

Damit die App wie gewünscht funktioniert, müssen allerdings die Gesundheitsämter mitmachen. Ob Bayern dabei sein wird, ist noch unklar. Der Weisheit letzter Schluss wird aber auch diese App nicht sein, ist sich Datenschützer Petri sicher. "Luca hat das gleiche Problem wie alle Covid-Apps: Sie beruhen auf Freiwilligkeit." Das heißt: Wer positiv getestet wird, muss das auch melden.

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