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Impfen, Rezepte, Arztbesuche: Flüchtlinge helfen Flüchtlingen | BR24

© BR/Judith Zacher

Wer neu nach Deutschland kommt, hat oft mit bürokratischen Hürden zu kämpfen - das gilt auch für Flüchtlinge und vor allem, wenn es um das deutsche Gesundheitssystem geht. Zwei Flüchtlinge aus Donauwörth wollen Abhilfe schaffen.

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Impfen, Rezepte, Arztbesuche: Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Das deutsche Gesundheitssystem ist schon für Einheimische oft ein bürokratischer Dschungel. Für Flüchtlinge muss das System also erst recht schwer zu verstehen sein. Zwei Syrer wollen nun in Donauwörth helfen.

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Was zahlt die Krankenkasse? Wohin muss man erst – zum Arzt oder ins Krankenhaus? Was bedeutet ein rotes, was ein hellblaues Rezept? Das deutsche Gesundheitssystem ist bürokratisch und für Migranten schwer zu durchschauen.

Noori und Basel helfen in Donauwörth

Die beiden Syrer Basel, ein angehender Apotheker, und Noori, der Elektriker wird, haben deshalb in München eine Fortbildung für Migranten zum Thema Gesundheitswesen gemacht. Nun geben sie ihr Wissen an andere Flüchtlinge weiter, bei regelmäßigen Kursen in der VHS Donauwörth.

Damit der Arzt nicht bei Null anfangen muss

Die Schlüsselworte sagt Noori auf deutsch: Familienplanung, Impfung, Impfschutz. Bei diesen Worten sollen sie beim Arzt wissen, um was es geht, erklärt Basel: "Wenn die Frau beim Kinderarzt ist und er sagt Milchpumpe – dann muss er nicht bei Null anfangen. Dann sagt die Frau: Aha, kenne ich."

Thema Impfung

Den Rest aber erklären die beiden Syrer auf arabisch. Bei diesem Kurs geht es mal nicht ums Deutsch lernen: Wichtiger ist, dass alle wirklich alles genau verstehen. Heute ist das Thema Kindergesundheit dran. Bei anderen Terminen ging es um Diabetes, Impfungen – und das deutsche Gesundheitssystem allgemein.

Kulturunterschiede in der medizinischen Versorgung

"Es gibt halt viele unterschiedliche kulturelle Sachen, die man in Syrien nicht macht, wo man hier in Deutschland aufpassen muss", sagt Noori. "Zum Beispiel, dass die Leute den Kinderarzt besuchen sollen. In Syrien wird das nicht oft gemacht."

Im arabischen Raum ist die Oma gefragt

Im in vielen arabischen Ländern üblichen Mehrgenerationenhaushalt ist meist eine Frau da, die schon mehrere Kinder großgezogen hat, zum Beispiel die Oma oder Uroma, die Bescheid weiß. Im Kurs lernen die Frauen: Sie können jederzeit mit ihrem Kind zum Kinderarzt gehen, sollen das sogar, im Rahmen der U-Untersuchungen, regelmäßig.

Erste Hilfe für die Seele

Nächstes Thema: Krankenkassen. "In Syrien gibt es nur Krankenkassen für Beamte", sagt Basel. Für die, die arbeiten, gebe es keine Kasse. Arztbesuche müsste diese Leute selbst bezahlen.

Jedes Mal besuchen etwa zehn bis fünfzehn Leute ihren wöchentlichen Kurs. Basel und Noori wollen aber noch mehr Themen aufnehmen und werden deshalb selbst noch weitere Fortbildungen besuchen, etwa zum Thema Sucht oder auch seelische Gesundheit, um zum Beispiel auch Menschen zu helfen, die ihre Erfahrungen aus Kriegs- und Krisengebieten mit nach Deutschland bringen.