BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR / Kontrovers 2021
Bildrechte: BR

Ministerpräsident Markus Söder erhöht im Interview mit dem Politikmagazin Kontrovers den Druck auf die Stiko, das Impfen ab 12 generell zu empfehlen. Denn sie arbeite - im Gegensatz zu den "Profis" der EMA - nur ehrenamtlich.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Impfung ab 12 Jahren: Söder erhöht Druck auf Stiko

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erhöht im Interview mit dem Politikmagazin Kontrovers den Druck auf die Stiko, das Impfen ab 12 generell zu empfehlen. Seine Kritik: Die Stiko arbeite - im Gegensatz zu den "Profis" der EMA - nur ehrenamtlich.

Per Mail sharen
Von
  • Anna Feininger

Sollen Kinder ab 12 Jahren gegen Corona geimpft werden, oder nicht? Vor dieser Entscheidung stehen derzeit viele Eltern. Besonders laut wird sie auf politischer Bühne diskutiert: Ein Duell zwischen Teilen der Wissenschaft und der Politik, so scheint es. Während die Ständige Impfkommission (Stiko) gegenwärtig noch keine Empfehlung für Kinder und Jugendliche ausspricht, fordern Markus Söder (CSU) und andere Politiker, auch Kindern ab 12 ein Impfangebot zu unterbreiten. Bayerns Ministerpräsident sieht im Interview mit dem Politikmagazin Kontrovers die Stiko unter Zugzwang. Denn, wenn sie weiter mit einer Empfehlung für das Impfen ab 12 warte, würde das zusätzlich verunsichern.

EMA "sind die Profis"

Söder betont, dass die Stiko eine ehrenamtliche Organisation ist – im Gegensatz zur Europäischen Arzneimittel-Agentur. Das seien die Profis, so Söder.

"Wir schätzen die Stiko, aber das ist eine ehrenamtliche Organisation. Die EMA – die Europäische Zulassungsbehörde - das sind die Profis. Die haben entschieden: Ja, der Impfstoff ist zugelassen." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Ungeduldig durch den Sommer

Man dürfe nicht abwarten, bis die Infektionszahlen nach dem Urlaub wieder steigen, sagt Markus Söder (CSU) im Interview mit dem Politikmagazin Kontrovers. Sie wollten ein Schuljahr, das tatsächlich stattfinden kann - und in "größerer Form impfen". So solle der Schulanfang gewährleistet werden:

"Der Unterschied zu Gastronomie, zu Handel ist: Dort muss ich nicht hinein, es gibt keine Verpflichtung. In der Schule gibt es die Schulpflicht. Und deswegen müssen wir alles tun, um die Schule zu ermöglichen." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Masken, mehr Tests und Luftreiniger würden die Situation laut dem CSU-Politiker verbessern. Solche Maßnahmen könnten aber mehr und mehr zurückgefahren werden, wenn mehr geimpft werden würde.

Bisherige Versäumnisse durch Impftempo wettmachen?

Für Markus Söder hängen die Ambitionen, möglichst schnell Kinder und Jugendliche impfen zu wollen, nicht damit zusammen, dass Luftfilter noch immer nicht an allen Schulen installiert wurden. Stattdessen betont er die "Gemeinschaftsleistung" von Bund, Land und Kommunen, die kurz vor dem Ferienbeginn in Bayern Unterstützung bei der Installation von festen und mobilen Luftreinigungsfiltern in Schulen und Kindergärten angeboten haben.

Mehr Impfstoff als Impfwillige

Während die Ständige Impfkommission bislang keine ausreichend fundierte Datenlage für eine Empfehlung der Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren sieht, will die Politik das Impfangebot für genau diese Schülerinnen und Schüler schneller und weiter ausbauen.

Mit Druckausübung auf die Wissenschaft habe das laut Söder aber nichts zu tun. Für den Politiker gibt es vielmehr ein ernsthaftes Problem: Es gäbe mehr Impfstoff als Impfwillige.

"Wir wären - wenn wir das Impftempo von Juni fortsetzen würden - in 90 Tagen durch, alle bis über 12 zu impfen in Bayern. Weil dann hätten wir die Herdenimmunität erreicht und dann könnten wir in den Herbst bzw. Winter doch relativ unbeschwert gehen. Fakt ist, dass das nicht stattfindet." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

Söder zieht Astrazeneca-Vergleich

Mehrfach betont der Ministerpräsident, dass er keine Vorwürfe gegen die Ständige Impfkommission formulieren, sondern Feststellungen treffen würde. So sei auch der Impfstoff Astrazeneca heute ein Ladenhüter, weil es auch hier ein Hin und Her gegeben habe, meint Söder: "Die Impfkommission hat auch hier unterschiedliche Empfehlungen abgegeben. Das ist kein Vorwurf, es ist aber eine Feststellung." Am Ende müsste so viel und so gut wie möglich geimpft werden, weswegen er im Kontrovers-Interview dafür plädiert, mehr Impfangebote zu machen: "Das hilft allen, das sichert die Schule, das hilft den Kindern und auch den Eltern."

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!