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Impfdrängler in Schwaben – jetzt auch Fälle bei der AWO | BR24

© BR/Alex Brutscher

Der Donau-Rieser Landrat, der Augsburger Bischof und nun auch die Chefs der Arbeiterwohlfahrt in Schwaben: Sie sollen ihre Position genutzt haben, um früher an eine Corona-Impfung zu kommen. Jetzt wird über strafrechtliche Konsequenzen nachgedacht.

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Impfdrängler in Schwaben – jetzt auch Fälle bei der AWO

Die Chefs der Arbeiterwohlfahrt in Schwaben sollen ihre Position genutzt haben, um früher an eine Corona-Impfung zu kommen. Jetzt wird über strafrechtliche Konsequenzen nachgedacht. Auch am Donau-Rieser Landrat und Augsburger Bischof gibt es Kritik.

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Von
  • René Kirsch
  • Alexander Brutscher
  • Beate Mangold
  • Roswitha Polaschek
  • Tobias Hildebrandt

Wenn sich im Supermarkt jemand vordrängelt, gilt das als schlechter Stil. Doch wenn es um eine Impfung gegen das Coronavirus geht, dann ist es eine Frechheit – so ist die Meinung vieler Menschen, die von den Fällen des Donau-Rieser Landrats oder des Augsburger Bischofs hören, die früher als von der Regierung gedacht eine Corona-Impfung bekommen haben.

AWO-Mitarbeiter sollen Lebenspartner auf Impfliste gesetzt haben

Nach Recherchen der Augsburger Allgemeinen soll es nun einen weiteren Fall geben: Zwei Leiter von Altenheimen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Schwaben sollen ihre Lebenspartner auf die Impfliste gesetzt und ihnen so zu einer früheren Impfung verholfen haben. Die betreffenden Personen sollen dabei als Personal der Altenheime aufgeführt worden sein.

AWO-Leitung verurteilt Erschleichung von Impfterminen

Thomas Beyer, der Chef der Arbeiterwohlfahrt Bayern, ist empört und missbilligt das Verhalten, wenn sich die Mitarbeiter tatsächlich auf diesem Weg Impftermine erschlichen haben sollten. Auch die Arbeiterwohlfahrt Schwaben verurteilt die bevorzugte Corona-Impfung von Angehörigen. In einer Pressemitteilung erklären die beiden Vorsitzenden, Brigitte Protschka und Dr. Heinz Münzenrieder:

"Die AWO Schwaben verurteilt jegliche Abweichung von der vom Bundesgesundheitsministerium in der Impfverordnung mit guten Gründen vorgesehenen Prioritätensetzung bei den derzeit noch laufenden Impfungen in unseren Häusern. Es wird bedauert, dass es insoweit offensichtlich zu nicht hinnehmbaren Veränderungen der vorgegebenen Reihung gekommen ist."

Im Impfzentrum Augsburg sind laut Stadt keine Impfungen erschlichen worden

Der Stadt Augsburg sind die AWO-Fälle ebenfalls bekannt. Wie Impfkoordinator Frank Plamboeck dem BR mitteilte, läuft die Aufklärung. Er sagt, zumindest im Impfzentrum der Stadt Augsburg seien nur diejenigen geimpft worden, die auch auf der Liste standen. Ausnahme sind lediglich 20 Polizisten, die seit dem 5. Januar kurzfristig eingesprungen sind und geimpft wurden. Warum bei der AWO möglicherweise anders vorgegangen wurde, muss noch geklärt werden.

Strafen für Impfdrängler?

Ob und inwiefern solche "Impf-Schummeleien" oder "Impf-Vordrängeleien" mit einem Ordnungs- oder Bußgeld belegt werden können, dazu gibt es laut Plamboeck noch keine Informationen aus München oder Berlin. Hier betrete man "Neuland" und warte auf "Ansagen" von Freistaat und Gesundheitsministerium des Bundes, so Plamboeck.

Bischof Bertram Meier ist bereits geimpft

Auch der Fall des Augsburger Bischofs Bertram Meier und seines Generalvikars Harald Heinrich sorgt weiter für Unmut, besonders aufgrund der Begründung des Bistums für die verfrühte Impfung. In einer Pressemitteilung gab das Bistum an, dass Meier und Heinrich als Seelsorger regelmäßig in Pflegeheimen unterwegs seien. Damit gehören sie, nach Ansicht des Bistums, zu denen, die vorrangig geimpft werden sollten, weil sie zum Beispiel Messen feiern oder Krankensalbungen spendeten. Vorgedrängelt habe sich der Bischof demnach nicht.

Stiftung Patientenschutz kritisiert Bistum Augsburg wegen früher Impfungen

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz überzeugt das laut Katholischer Nachrichtenagentur nicht. Gottesdienste in Pflegeeinrichtungen zu feiern, sei keine medizinische oder pflegerische Betreuung im Sinne der bundesweit geltenden Corona-Impfverordnung. Sonst müssten ja alle Seelsorgerinnen und Seelsorger mit höchster Priorität geimpft werden.

Auch die Begründung Bischof Meiers, er wolle keine Viren ins Zimmer bringen und den Menschen in den Heimen "die größtmögliche Sicherheit" bieten, findet Eugen Brysch irreführend. Denn bereits seit Monaten sei klar, dass auch Geimpfte das Coronavirus weitergäben und damit ansteckend sein könnten. Die anderen bayerischen Bischöfe warten laut Deutscher Presse Agentur noch auf ihre Impfung, bis sie regulär an der Reihe sind.

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