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Immobilienmarkt in Oberfranken könnte von Krise profitieren | BR24

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Mit Beginn der Corona-Krise lag auf einen Schlag auch der Handel mit Immobilien auf Eis. Doch der Immobilienmarkt in Oberfranken könnte von Krise profitieren.

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Immobilienmarkt in Oberfranken könnte von Krise profitieren

Mit Beginn der Corona-Krise lag auf einen Schlag auch der Handel mit Immobilien auf Eis. Vermieter mussten um ihre Einnahmen bangen, der Mieterschutz wurde ausgeweitet. In Oberfranken traf die Krise vor allem den Einzelhandel.

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Geschlossene Gaststätten, verschlossene Türen bei Bekleidungsläden und Fitness-Studios. Die Einnahmen der Unternehmer und Einzelhändler in Oberfranken lagen aufgrund der Corona-Krise wochenlang bei Null. Die Miete allerdings wurde weiter abgebucht. Viele konnten diese Phase der Pandemie nur mit der Soforthilfe der Regierung überstehen.

Vermieter sollen Handlungsspielraum ausschöpfen

"Der Gewerbeimmobilienmarkt ist das Feld mit den meisten Problemen", bestätigt auch Stephan Kippes vom Münchner IVD Institut Gesellschaft für Immobilienmarktforschung im Gespräch mit dem BR. Er empfiehlt den Vermietern von in Not geratenen Einzelhändlern und Gastronomen, ihren Handlungsspielraum auszuschöpfen: "Mieten stunden oder Ähnliches. Denn wer jetzt einen guten Mieter verliert, hat möglicherweise später mit der aufwändigen Suche nach einem neuen Mieter zu kämpfen und muss mit Leerstand rechnen." Ein bekanntes Phänomen in einigen Ecken Oberfrankens.

Immobiliengeschäft hat sich wieder erholt

Mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen im März 2020 kam auch das Geschäft mit Immobilien zum Erliegen. Bei Makler Andreas Übler in Hohenberg an der Eger (Lkr. Wunsiedel) ging für ein paar Wochen fast nichts mehr. "Wir hatten vier, sechs Wochen lang einen drastischen Rückgang. Jetzt ist es eigentlich wieder normal." Der Makler und sein Team bieten mittlerweile wieder Besichtigungen an. Dabei müssen sich alle Beteiligten an ein Hygienekonzept halten, was laut Übler aber kein Problem darstellt: "Die Menschen haben sich daran gewöhnt." Hoch im Kurs stehen virtuelle Besichtigungen im Internet und Verkaufsgespräche am Telefon. Auf die grundsätzliche Nachfrage nach Immobilien hat die Pandemie für den Hohenberger Makler zumindest bislang keinen spürbaren Einfluss.

Steigende Nachfrage nach Immobilien als "sicherer Hafen"

In Wunsiedel rechnet Uwe Heidel vom Kommunalunternehmen WUN Immobilien sogar damit, dass in der Zeit nach Corona mehr Menschen eine Immobilie kaufen werden. "Wir haben in Oberfranken zwar nicht die Renditen wie in München. Aber drei Prozent sind immer noch besser, als wenn man nichts bekommt auf dem Sparbuch, oder wenn man Negativzinsen zahlen muss." Ein Trend, der sich auch in Oberfranken schon vor der Pandemie angedeutet hat. Immobilienmarktforscher Stephan Kippes bestätigt, dass Wohnimmobilien vor dem Hintergrund einer wackeligen wirtschaftlichen Gesamtsituation stärker nachgefragt sind. Sie gelten als "sicherer Hafen", auch wenn die Renditen nicht überzeugend seien. Denn diese Nachfrage hat den Effekt zur Folge, dass die Preise für Wohneigentum stärker gestiegen sind als die Mieten. "Man mag es kaum glauben, aber es ist so", resümiert Kippes.

Oberfranken gut gerüstet

In einer Krise werden die Menschen vorsichtig, sie machen sich mehr Gedanken über Investitionen und über ihr Leben an sich. Der Bayreuther Professor für Volkswirtschaftslehre David Stadelmann vermutet, dass die Corona-Pandemie auch zum Nachdenken darüber anregt, wie sich jemand langfristig orientieren möchten: "Wenn das auch bedeutet, dass die Menschen die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellen, dann sehe ich für die Region Oberfranken große Chancen." Denn seit das Arbeiten auch im Home-Office viel stärker anerkannt wird und große Menschenansammlungen wie in U-Bahnen oder Konzerten gerne gemieden werden, gewinnt ein Leben im ländlichen Raum an Attraktivität. Dort gibt es Platz und deutlich günstigeren Wohnraum als in dicht besiedelten Städten oder Metropolen. Stadelmann vermutet, dass die Nachfrage nach Immobilien in Oberfranken steigen wird: "Ländliche Regionen, die eine insgesamt hohe Lebensqualität bieten, was Oberfranken ja tut, und gleichzeitig auch Arbeitsplätze in der Region anbieten, die sind gut gerüstet für die Zeit nach der Pandemie."

Boom bei Mini-Häusern – bis zu 50 Anfragen täglich

Eine unerwartete Folge der Corona-Pandemie hat der Hohenberger Makler Andreas Übler dann doch noch ausgemacht. Er bietet seit September 2019 auch sogenannte Tiny Houses an. Es sind eher Häuschen, die zwischen 25 und 52 Quadratmeter Wohnfläche bieten. Und ganz viel Luxus: Jedes der holzvertäfelten Häuser ist ein Smart Home, es ist also per App steuerbar, energetisch auf dem neuesten Stand und aus hochwertigen Materialien gebaut. "Seit Corona haben wir 40, 50 Anfragen pro Tag." Übler ist selbst erstaunt über die Nachfrage, die seine selbst entworfenen Tiny Houses in unterschiedlichen Größen und Ausführungen ausgelöst haben. Corona habe das Interesse noch verstärkt, meint der Makler: "Wir haben da Glück im Unglück. Es gibt viele Menschen, die in einem Hochhaus in einer Mietwohnung wohnen, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben, in Aufzügen, in Treppenhäusern und die sagen: Ich will da raus."

Tiny House als Alternative

Eine Tendenz, die zum von Professor Stadelmann prognostizierten Trend zur Stadtflucht passt. Wer kein Haus mit 150 und mehr Quadratmetern Wohnfläche braucht, für den könnte ein Tiny House in einer ländlichen Region wie Oberfranken mit günstigen Baugrundstücken eine Alternative sein. "Die Leute sagen, ich habe da eine freistehende Eigentumswohnung, habe keine direkten Nachbarn, kann kommen und gehen, wie ich will. Der Trend ist spürbar."

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