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Immer wieder Tierschutzskandale: Was Tierärzte ändern würden | BR24

© dpa-Bildfunk/Friso Gentsch

Schweine im Schweinestall.

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Immer wieder Tierschutzskandale: Was Tierärzte ändern würden

Im Stall gequälte Turbo-Kühe, zum Transport aus Ungarn nach Bayern geprügelte Puten – zuvor Skandale um BSE und Bayern-Ei: Was würden Bayerns Tierärzte gerne ändern?

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Die jüngst aufgedeckten Tierquälereien bewegen Bürger und Politiker gleichermaßen, letztens auch Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), der eine neue Qualität bei den Tierschutzkontrollen verlangt, und die Grünen-Umweltausschussvorsitzende Rosi Steinberger, die befürchtet, das sei "leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein". In die Kritik geraten sind nicht nur die verantwortungslosen Tierhalter sondern – oft pauschal - auch die in den Veterinärämtern zuständigen Tierärzte.

Konrad Renner war bis April für den Landkreis Weilheim zuständig. Für häufigere Kontrollen fordert er mehr Amtstierärzte. Schließlich müssen 4.500 Betriebe kontrolliert werden, so Konrad, doch mit 4,8 Stellen sei das nicht zu schaffen.

Verschwendung von Personal?

Von den rund 2.200 Milchviehbetrieben im Landkreis Weilheim-Schongau werden jährlich nur rund 100 ohne Anlass kontrolliert – und zwar im Rahmen der sogenannten Cross-Compliance, die prüft, ob EU-Zuschüsse zurecht bezahlt werden. Mit einer zusätzlichen Stelle wären pro Jahr bis zu 460 zusätzliche Kontrollen möglich, sagt Konrad Renner, der auch einmal Vorsitzender der bayerischen Amtstierärzte war.

Er hätte also lieber mehr Stellen in den 71 Landratsämtern als bei der von Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber jetzt personell aufgestockten zentralen Kontrollbehörde KBLV für Großbetriebe, "um dann insgesamt 87 Milchbetriebe und zwölf Schweinebetriebe zu kontrollieren mit 25 Personen. Denn das halte ich doch für eine ziemliche Verschwendung von Personalressourcen", so Konrad weiter.

Kontrollbehörde mit Geburtsfehler

Drei Millionen Euro will sich die Staatsregierung die 25 zusätzlichen KBLV-Tierärzte kosten lassen. Geld, das auch der grüne Ingolstädter Umweltreferent Rupert Ebner, selbst langjähriger selbstständiger Tierarzt, für schlecht angelegt hält: "Die KBLV hat ja den Geburtsfehler, dass sie zwar kontrolliert, aber durchsetzen muss alles das Veterinäramt vor Ort."

Veterinäre sollten rotieren

Ebner möchte vor allem die juristische Beratung der Amtsveterinäre durch Regierungsspezialisten verbessern. Er fordert Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften, die nach angezeigten Tierschutzverstößen auch harte Urteile gegen skrupellose Betriebe erreichen.

Außerdem warnt er vor zuviel Nähe zwischen Amtstierärzten vor Ort und den von ihnen kontrollierten Betrieben. "Kumpanei" sei zwar der falsche Ausdruck, aber da entstehe "schon mal menschliche Nähe", so Ebner. Ebner fordert deshalb eine regelmäßige Rotation der Veterinäramts-Chefs. Konrad Renner lehnt das ab: "Ich habe 36 Jahre unter vier Landräten gearbeitet", sagt er, und weiter: "Auf mich hat nie jemand versucht, Einfluss zu nehmen".

Weniger Turbo-Tierhaltung und höhere Ladenpreise

Auch härtere Strafen und höhere Bußgelder braucht es nach Ansicht von Konrad Renner nicht. In seiner Amtszeit konnte er mit bis zu 5.000 Euro Bußgeld und Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Missstände immer abstellen. Vollkommen einig sind sich Renner und Ebner aber darin, dass bessere Tierschutzkontrollen alleine das Problem nie lösen werden. Landwirtschaft und Verbraucherverhalten müssten sich radikal ändern. Nötig seien "weniger Turbo-Tierhaltung" und "höhere Preise im Laden".