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In Mittelfranken werden Füchse nun gezielt bejagt, um Wiesenbrüter im Wiesmet zu schützen.

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    Immer weniger Wiesenbrüter in Mittelfranken: Füchse im Verdacht

    Wer ist schuld, dass Wiesenbrüter bedroht sind? Meist stehen die Landwirte am Pranger, die mit ihren Landmaschinen die Gelege der Vögel zerstören. Doch im fränkischen Wiesmet ist der Fuchs das Problem und wird deshalb gezielt bejagt.

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    Von
    • Juliane Rummel
    • Christine Schneider

    Das Wiesmet in Mittelfranken ist ein riesiges Feuchtgebiet nördlich des Altmühlsees und ein bedeutendes Brutgebiet für Vögel. Jan Heikens betreut das über 1.000 Hektar große Gebiet für den Landesbund für Vogelschutz (LBV). Jetzt beginnt hier die Brutzeit der Wiesenbrüter, also von Vögeln, die ihre Nester am Boden bauen.

    Zahl der Wiesenbrüter geht drastisch zurück

    Für Jan Heikens ein schöner Anblick. Er hofft, dass sich möglichst viele Vogelpaare hier niederlassen, sich paaren und Jungvögel ausbrüten. Aber seit Jahren gehen die Bestände von Kiebitz, Großem Brachvogel und Uferschnepfe hier drastisch zurück. Sie alle sind bedroht, viele Jahre schon gab es keinen Nachwuchs mehr.

    "Man wird melancholisch, wenn man am Ende der Saison kaum Ergebnisse hat. Man hat das ganze Jahr gearbeitet und dann kommen am Ende zwei, drei Jungvögel hoch. Wenn es so weitergeht, dann verschwinden die Vögel in ein paar Jahren." Jan Heikens, Landesbund für Vogelschutz

    Bisherige Bemühungen waren erfolglos

    Seit Jahren versuchen deshalb Vogelschützer, das Wiesmet für Wiesenbrüter wieder attraktiv zu machen. Besonders wichtig: feuchte Wiesen, die brauchen die Vögel. Deshalb wurden hunderte Mulden ausgehoben, Wasser aufgestaut, Dämme gebaut. Das funktionierte nur, weil die Landwirte, denen die Flächen gehören, mitmachen. Doch das alles hatte bisher nur mäßig Erfolg. Denn eine große Bedrohung blieb: der Fuchs.

    Füchse fressen Eier und Küken

    Der Fuchs ist ein Allesfresser und Vogelnester am Boden sind eine leichte Beute. In den letzten Jahren haben Füchse im Wiesmet immer wieder Gelege angegriffen und Eier und Küken aufgefressen. Zwar haben die Gebietsbetreuer vom LBV versucht, die Nester aufwendig mit Zäunen zu schützen, vergeblich. Jan Heikens: "Es gibt Bereiche, die wir nicht einzäunen können oder Nester, die wir nicht finden. Dort schlägt der Fuchs ungehindert zu."

    Einzige Möglichkeit: Füchse töten

    Deshalb bleibt keine andere Möglichkeit: Die Füchse müssen getötet werden. Das ist ein Eingriff in die Natur und mag wie ein Dilemma erscheinen, sagen die Vogelschützer. Füchse töten zu müssen, um Vögel zu schützen. Doch auch laut Jägern und Behörden ist das notwendig. Alle sind sich einig: wenn die Wiesenbrüter hier überleben sollen, muss der Fuchs bejagt werden.

    Jäger stellen Fallen auf

    Erich Weißmann ist Jäger und Naturschutzwächter im Wiesmet. Er betreut einige der Fallen, die hier aufgestellt wurden, um die Füchse zu fangen. Die Lebendfallen sind lange Betonrohre. Läuft ein Fuchs hinein, wird ein Mechanismus ausgelöst und die Falle mit einem Deckel verschlossen. Und dann holt ihn Erich Weißmann heraus und erschießt ihn. Etwa 300 Füchse wurden im vergangenen Jahr im Wiesmet getötet.

    Muss man wirklich Füchse töten?

    Der Jäger und auch die Vogelschützer stehen für diese Vorgehensweise durchaus manchmal in der Kritik. Oft fehle das Verständnis dafür, dass das Töten der Füchse ein wichtiger Schritt sei, berichtet Erich Weißmann. Sein Argument: "Die Wiesenbrüter sind das schwächste Glied in der Kette im Wiesmet. Wenn wir sie schützen wollen, dann geht es nicht ohne die Entnahme des Raubwilds."

    Allerdings ist die Jagd auf Füchse erst wieder im Sommer erlaubt. Denn jetzt bekommen auch die Füchse ihre Jungen und haben Schonzeit. Deshalb ist es wichtig, dass die Bejagung vor und nach der Schonzeit intensiv ist.

    Hat die Fuchsjagd der letzten Monate Auswirkungen?

    Ob die radikale Schutzmaßnahme Erfolg hat, wird sich an den Brutzahlen der Vögel zeigen. Landwirte, Jäger und Vogelschützer hoffen, dass sich heuer möglichst viele Wiesenbrüter im Wiesmet niederlassen werden. "Ich bin sehr hoffnungsvoll für dieses Jahr", sagt Jan Heikens. "Hoffentlich erleben wir keine Enttäuschung, weil die wäre dann umso schlimmer."

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