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Immer weniger Kunden: Bayerns Apotheken unter Druck | BR24

© dpa/Wolfram Steinberg

Apotheken stehen zunehmend unter Druck, viele müssen schließen.

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Immer weniger Kunden: Bayerns Apotheken unter Druck

Jeden Monat schließen zwei bis drei Apotheken in Bayern. Sie sind wirtschaftlich einfach nicht mehr rentabel. Der Bayerische Apothekerverband schlägt Alarm: Der Versandhandel sei langfristig eine Gefährdung für die medizinische Versorgung in Bayern.

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Bayerns Apotheken stehen zunehmend unter Druck: Vor allem durch die Konkurrenz des Versandhandels bleiben immer mehr Kunden weg. Nun schlägt der Bayerische Apothekerverband Alarm. Die Situation gefährde auf lange Sicht die medizinische Versorgung im Freistaat, da jeden Monat Apotheken schließen müssten.

Weniger Kunden stellen Apotheken vor Probleme

Eine Apotheke versorgt heute rein statistisch 4.000 Menschen mit Arzneimitteln. Für einen wirtschaftlichen Betrieb sei diese Zahl auch nötig, so die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. Tatsächlich aber werden es immer weniger Kunden.

Die Folge: Die Zahl der Apotheken sinkt derzeit um ein bis zwei Prozent im Jahr. In den vergangenen zehn Jahren mussten allein in Bayern 300 Apotheken schließen. Besonders auf dem Land wird die Medikamenten-Versorgung für die Bevölkerung zunehmend schwieriger.

Ohne Landarzt keine Patienten - und keine Apotheke

Vor etwa 800 Jahren öffnete die erste Apotheke, wie wir sie heute kennen. Um 1240 erließ Kaiser Friedrich II die sogenannte Medizinalverordnung, eine tiefgreifende Reformation des damaligen Gesundheitswesens. Ein wichtiger Teil des Dekrets: Die scharfe Trennung zwischen Arzt und Apotheker. Ein und derselben Person war es von nun an verboten, beide Berufe auszuüben. Und doch sind sie bis heutzutage untrennbar miteinander verbunden. Gerade auf dem Land fehlen zunehmend Ärzte. Wo es aber keine Arztpraxis gibt, da fehlen auch Patienten mit Rezepten. Und das bekommen Landapotheker zunehmend zu spüren.

Apotheker leben von Rezepten

Wer heute den Weg in die nächst größere Stadt antreten muss, um an Rezepte zu gelangen, wird dann auch die Medikamente dort kaufen. Der Apotheker in der eigenen Gemeinde geht leer aus. 80 Prozent seines Gesamtumsatzes erwirtschaftet er aber mit verschreibungspflichtigen Arzneien. Wie Apotheker bezahlt werden, ist gesetzlich festgelegt, vor allem in der Arzneimittelpreisverordnung. Grundsätzlich gilt: Die Apotheke behält drei Prozent des Einkaufspreises eines Medikaments als Umsatz. Während eines Nacht- und Notdienstes gibt es einen kleinen Aufschlag von 16 Cent pro Packung. Allerdings müssen die Apotheken den gesetzlichen Krankenkassen auch einen Rabatt gewähren.

Viele Apotheker zieht es in die Stadt

Unterm Strich bleiben dem Apotheker etwa 7 Euro pro verkauftem Medikament. Davon bezahlt er sämtliche Betriebskosten. Darunter fallen auch die Mitarbeiter-Gehälter. Durchschnittlich dauert ein Pharmazie-Studium acht bis neun Semester. Die üppigen Gehälter der Industrie kann ein Landapotheker für qualifiziertes Personal kaum aufbringen. Dazu kommt: Nicht jeder angehende Apotheker möchte auf dem Land arbeiten. Viele ziehen in die nächst größere Stadt, oft in Einkaufszentren oder Ladenstraßen. Hier haben sie deutlich mehr Laufkundschaft und finden geeignetes Personal.

Ausländische Versandapotheken: Konkurrenz mit billigen Medikamenten

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat am 19. Oktober 2016 entschieden, dass ausländische Versandapotheken die Arzneimittelpreisverordnung nicht mehr beachten müssen, wenn sie rezeptpflichtige Medikamente zu Patienten nach Deutschland schicken. Zur Begründung hieß es: Die deutsche Preisbindung verstoße gegen EU-Recht , weil sie den freien Warenverkehr behindert.

Kunden sparen bei Versandapotheken oft viel Geld

Ab sofort durften ausländische Versandapotheken einen Nachlass geben und lockten deutsche Kunden mit Rabatten. Vor allem für Patienten mit teuren Medikamenten lohnt es sich seither, die Preise zu vergleichen. Oft sparen sie beim Einkauf in einer Online-Apotheke mehrere Hundert Euro im Jahr.

Handel mit rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet gefährdet Apotheken

Der Bayerische Apothekerverband schlägt jetzt Alarm. Beim bayerischen Apothekertag in Bamberg im Mai dieses Jahres forderte der Vorsitzende Hans-Peter Hubmann erneut ein Verbot des Handels mit rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet. Langfristig sieht er die medizinische Versorgung in Bayern gefährdet:

"Hier wird auf schnellen Absatz Wert gelegt und die Leistung der Apotheke vor Ort, der Nacht- und Notdienst, die persönliche Beratung vor Ort, die Rezeptur, die unmittelbare Versorgung, die fehlen. Vor allem die Versorgung aus einer Hand, die Beratung und Abgabe, die kommen nicht mehr zusammen." (Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes )

Mit den Preisen im Internet können und dürfen deutsche Apotheker nicht mithalten, so Hubmann. Ohne Verbot wird seiner Meinung nach das Apothekensterben weiter gehen.

Huml fürchtet Rabattschlacht

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, sich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln einzusetzen. Anfang Mai konnte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml beim Bayerischen Apothekertag in Bamberg auch den Bundesrat davon überzeugen. Auch sie befürchtet eine Rabattschlacht bei verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Spahn: Kein Verbot, aber Begrenzung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte Ende vergangenen Jahres allerdings erklärt: Ein Verbot wird es mit ihm nicht geben. Der Versandhandel sei eine gute Ergänzung zum stationären Handel. Er hatte aber eingeräumt, die Rabatte der ausländischen Versender begrenzen zu wollen, außerdem soll der Marktanteil gedeckelt werden. Obendrauf will er die Pauschalen für Nacht und Notdienste aufstocken. 360 Millionen Euro sollen dafür bereitgestellt werden. Klingt viel, für den einzelnen Apotheker wären das etwa 1.500 Euro im Monat. Noch aber werden die Pläne diskutiert.

Apotheken punkten mit Service und Beratung

In der Zwischenzeit versuchen Landapotheker mit Service und Beratung zu punkten. Wenn ein Medikament nicht vorrätig ist, wird es innerhalb weniger Stunden beschafft. Das kann bislang noch kein Online-Händler leisten.

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Bayerns Apotheken unter Druck

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In den letzten zehn Jahren haben in Bayern rund 300 Apotheken aufgegeben. Die Gründe sind vielfältig. Vor allem Online-Apotheken machen es den Apothken auf dem Land schwer - deswegen müssen neue Strategien her.