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Immer weniger Fische in der Donau bei Passau.

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Immer weniger Fische in der Donau bei Passau

Weil der Fischbestand in der Donau bei Passau seit Jahrzehnten abnimmt, werden Fische künstlich eingesetzt. Der einzige Weg, um die Bestände zu halten, sagen die einen. Kritiker sprechen von einer "Bankrotterklärung" und fordern Renaturierung.

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Katharina HäringerKatharina HäringerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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In der Donau bei Passau gibt es immer weniger Fische. Deshalb werden sie nun künstlich eingesetzt. Für den Rückgang des Bestandes gibt es unterschiedliche Gründe und die Meinungen darüber, wie dem zu begegnen ist, gehen weit auseinander.

Fisch-Händler aus Straubing setzt Fische in die Donau

Kaum öffnet der Fisch-Großhändler aus Straubing die großen Boxen auf seinem Anhänger, schon spritzt das Wasser heraus: 200 Kilo Rotaugen und Rotfedern zappeln hin und her. Die Fische stammen aus einer Fischzuchtanlage in Tschechien. Sie wurden in Naturweihern aufgezogen mit dem Ziel, in der Donau bei Passau eingesetzt zu werden.

"So kann es nicht weitergehen"

Mit einem Kescher heben Fischer die Tiere ins Wasser. Denn seit Jahrzehnten nimmt der natürliche Fischbestand in der Donau ab. Zehn von 50 Fischarten werden künstlich eingesetzt, weil sich die Bestände nicht von allein halten können. Etwa fünfmal kommt der Fischhändler nach Passau. "So kann es nicht mehr weitergehen", sagen Fischer und Naturschützer. Doch um vom künstlichen Besatz wegzukommen, müsste sich viel ändern.

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Diese in Tschechien gezüchteten Fische kommen in die Donau

Boomende Schifffahrt: Wellen zerstören Fischbrut

Dass der natürliche Fischbestand in der Donau abnimmt, hat mehrere Gründe. Zum einen unterbrechen die Kraftwerke in Passau und Jochenstein die Fischwanderung. Fischwanderhilfen gibt es nicht, müssen aber bis 2028 kommen - so schreibt es die EU vor.

Zum anderen ist die Donau bei Passau wie eine Autobahn für Schiffe: Die Ufer sind mit Block-Wurf künstlich befestigt. Fische haben dort kaum Möglichkeiten zu Laichen. Und wenn sie einen Platz finden, machen ihnen Kabinenschiffe zu schaffen. Wellen, die von großen Schiffen verursacht werden, zerstören die Fischbrut.

Altwässer führen kein Wasser mehr

Was die Passauer Fischer aber am meisten stört, weil es sich in ihren Augen am einfachsten beheben ließe: Die vier Altwässer entlang der Donau führen kein Wasser mehr. Früher waren sie ruhige Donau-Seitenarme und damit perfekte Laichplätze für Fische. "Dieses Altwasser hier war früher 120 Meter lang und zwei Meter tief", erzählt Hans Stemplinger, zweiter Vorstand des Fischereivereins Passau-Jochenstein. Heute kann er auf dem schlammigen Grund spazieren gehen.

Blockiert die Schifffahrts-Behörde?

"Die Kinderstube der Fische fehlt", beklagt auch Vorstand Clemens Damberger. Seit fast zehn Jahren kämpft der Verein um die Renaturierung. Doch die Zuständigkeiten sind kompliziert. Sowohl Land als auch Bund sind involviert, Gespräche laufen, doch geschehen ist bis heute nichts. "Der große Bremsklotz ist die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, das ist eine Bundesbehörde. Die sagt strikt und einfach nein. Mit welcher Begründung, wissen wir nicht", ärgert sich Stemplinger. Auf BR-Anfrage antwortet die Behörde, dass aktuell ein Management- und Unterhaltungsplan erstellt werde und dass Abstimmungen laufen.

Vorbild Österreich: Renaturierungen seit 30 Jahren

Dass es anders laufen kann, sehen die Passauer Fischer, wenn sie auf das gegenüberliegende Donau-Ufer schauen. In Österreich werden seit 30 Jahren Altwässer und Ufer renaturiert. Fährt man mit dem Boot am Ufer entlang, ist kaum mehr Block-Wurf zu sehen. Stattdessen reiht sich eine Kiesbank an die nächste. In der Mitte des Flusses liegen flache Kiesinseln, auf denen Weiden wachsen. Fisch-Experte Gerald Zauner hat diese Kiesbänke angelegt. Für ihn ist künstlicher Besatz eine Bankrotterklärung.

"Wenn es die Natur nicht einmal in der Donau schafft, wo soll sie es sonst noch schaffen." Gerald Zauner, Fisch-Experte

Grundsätzlich brauche die Donau keinen Fischbesatz, meint Zauner. Die Donau brauche vielmehr Lebensräume, in denen sich Fische selbst fortpflanzen können. Der Mensch müsse wieder etwas gut machen, findet er.

Die Nase ist zurück

Dass die Maßnahmen etwas bringen, zeigen Zählungen. War beispielsweise der Fisch namens Nase in den 80er-Jahren fast ausgestorben, ist er heute in der Donau bei Engelhartszell wieder die dominierende Fischart.

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Die Nase (Chondrostoma nasus)

💡 Ökologisches Potential der Donau

Dass an der Donau etwas verändert werden muss, ist nicht nur eine Forderung von Naturschützern. Die EU schreibt in ihrer Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 vor, dass Länder den Zustand ihrer Gewässer verbessern müssen. Das ökologische Potential der Donau bei Passau wird derzeit als "mäßig" bezeichnet und müsste "gut" werden.

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