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Immer weniger Apotheken: Neue Strategien sind gefragt | BR24

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In den letzten zehn Jahren haben in Bayern rund 300 Apotheken aufgegeben. Die Gründe sind vielfältig. Vor allem Online-Apotheken machen es den Apothken auf dem Land schwer - deswegen müssen neue Strategien her.

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Immer weniger Apotheken: Neue Strategien sind gefragt

In den letzten zehn Jahren haben in Bayern rund 300 Apotheken aufgegeben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Besonders auf dem Land müssen sich Apotheken etwas einfallen lassen. Zum Beispiel Rezept-Briefkästen und mehr Service.

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Sind es die Preise? Die Öffnungszeiten? Oder ist es der Weg zur Apotheke, der zu weit ist? Es gibt viele Gründe, warum immer mehr Apotheken in Bayern schließen müssen. Laut der Bayerischen Landesapothekenkammer gab es im Freistaat noch nie so wenig Apotheken wie momentan. 3.126 Apotheken gibt es in Bayern, stand 2018. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch gut 300 mehr. Online-Apotheken hingegen boomen. Eine Apothekerin in Bruck in der Oberpfalz hat den Versandapotheken jetzt den Kampf angesagt. Nicht mit einem Online-Shop, sondern mit etwas ganz Banalem.

Briefkasten statt Gang zur Apotheke

Es ist kurz nach zwölf Uhr mittags. Ingrid Kellner sperrt den weißen Rezeptsammelkasten auf. Er sieht aus wie ein gewöhnlicher Briefkasten. Angebracht an einem Bushäuschen in der Ortsmitte von Fischbach, im Landkreis Schwandorf. Drinnen liegen meistens 3-6 Rezepte, die Fischbacher mit Bedarf an Pillen, Cremes, Antibiotika und Co. hineingeworfen haben. Wer meint, dass der Briefkasten nur von älteren Menschen benutzt wird, liegt falsch, sagt die Apothekenmitarbeiterin.

"Es sind Ältere, Jüngere, die berufstätig sind, die sagen, jetzt habe ich keine Zeit in die Apotheke zu gehen. Und da schmeißen sie es einfach auch rein in den Briefkasten, dann hole ich es ab und dann wird es Nachmittag ausgeliefert." Ingrid Kellner, Apothekenmitarbeiterin

Mehr Service für Kunden auf dem Land

Anfang Mai hat die Markt-Apotheke in Bruck in der Oberpfalz den Briefkasten angebracht. Apothekerin Christina Stellwag will ihren Kunden auf dem Land so mehr Service bieten.

"Mag vielleicht etwas anachronistisch mit einem Briefkasten heutzutage jetzt anmuten, aber das war eben seinerseits in den 80er Jahren auch schon eine Möglichkeit, dass man eben abgelegene Orte mit Arzneimitteln versorgt. Dass die Leute da eben ihre Rezepte einwerfen. Das Ganze wird geleert zweimal täglich und wenn hier was benötigt wird, dann liefern wir das Ganze eben zu den Patienten direkt nach Hause." Christina Stellwag, Apothekerin

Ingrid Kellner ist mit dem Auto unterwegs: Kundenbesuch. Eine neue Erfahrung für die Apothekenmitarbeiterin. Normalerweise steht sie ja im Geschäft. Vorher kamen die Kunden zu ihr, jetzt fährt sie zu ihnen. Die erste Station ist bei Anna Birk. Sie hat ihr Rezept in den Sammelkasten geworfen und freut sich über die kostenlose Lieferung.

"Ja super, wenn man gerade nicht wegkommt oder man ist abends beim Arzt, dann kannst du in keine Apotheke mehr rein und so brauche ich nicht extra fortfahren wegen dem Medikament." Anna Birk, Kundin

Die Konkurrenz: Online-Apotheken

Die Konkurrenz schläft nicht. Online-Apotheken machen es den hiesigen Apotheken schwer. Die Preise sind oftmals niedriger und der Versand ist meistens kostenlos. Ingrid Kellner kennt die Angebote der Online-Konkurrenz, doch sie sieht sich trotzdem im Vorteil.

"Ja, das ist viel persönlicher natürlich. Man kennt die Leute. Im Internet, da bestellt man, da sieht man nichts, hat keinen Kontakt mit den Leuten und bei uns ist man immer freundlich und nett. Wir machen manchmal einen Plausch zwischendurch. Das ist was ganz anderes." Ingrid Kellner, Apothekenmitarbeiterin

Die nächste Kundin auf der Liste ist Brigitte Heinzel. Der Seniorin macht die Hitze zu schaffen. Bei knapp 30 Grad mit dem Auto zur Apotheke zu fahren: zu belastend für sie.

Die Mittags-Tour ist beendet, es geht für Ingrid Kellner zurück in die Apotheke. Am Abend wird sie noch einmal zur Sammelstelle fahren und den Briefkasten leeren. Jede Woche, so sagt sie, sind mehr Rezepte drin.

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Bayerns Apotheken unter Druck