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In Flüchtlingsunterkünften ist W-Lan nach wie vor nicht selbstverständlich. Die Integration macht das nicht leichter.

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Immer noch rund 2.000 Flüchtlingsheime in Bayern ohne Internet

Nur ein Drittel der Flüchtlingsunterkünfte in Bayern sind bisher mit Internet ausgestattet. Die Staatsregierung wollte für WLAN-Anschlüsse in allen Unterkünften sorgen. Doch bisher geht wenig voran, klagen Flüchtlingsorganisationen.

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Von
  • Ulrike Lefherz

Hashim Yusuf kann im September mit seiner Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. Gerne würde der 24-Jährige aus Äthiopien bis dahin noch sein Deutsch verbessern. Er arbeitet bereits im Altenheim, doch man versteht ihn noch schwer. Am Deutschkurs kann der junge Mann seit Corona nicht mehr teilnehmen. Hashim hat kein Internet.

Flüchtlingsunterkünfte ohne Internet

Der 24-Jährige lebt in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, so wie mehr als 60.000 Menschen in Bayern. 9.500 von ihnen sind schulpflichtig und waren nun monatelang auf Online-Unterricht angewiesen. Doch in nur einem Drittel von etwa 3.000 Unterkünften ist Internet-Anschluss vorhanden. Damit sind Geflüchtete auf teure Mobilverträge angewiesen. Oder müssen öffentliches WLAN an Bahnhöfen oder Hotspots im Freien nutzen, um ihre Mails abzurufen oder sich über die aktuelle Corona-Regeln zu informieren.

Busfahrt zum Internet-Hotspot

Hashim fährt sogar manchmal mit einem Bus bis zur Endstation und zurück, um ins Netz zu können. "Ich muss dafür zwei Bustickets kaufen. Das ist auch nicht gerade günstig. Aber immerhin bin ich dann vom Wetter geschützt", sagt er. Mehrere Jahre schon kämpfen Ehrenamtliche für WLAN in Heimen für Geflüchtete. Ende Dezember gab die Staatsregierung unter dem Eindruck der Corona-Situation nach. Man wolle WLAN ermöglichen, schrieb das Innenministerium an die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit.

Staatliche Stellen sollen Hardware zur Verfügung stellen

Das Ministerium stellte in Aussicht, dass die staatlichen Stellen für die Hardware sorgen. Verträge mit Internet-Anbietern sollten über Vereine, Kirchen oder andere Stellen abgeschlossen werden. Diese wiederum könnten dann von den Nutzern einen Kostenanteil verlangen. Der Grund: Geflüchtete wohnen meistens nur vorübergehend in einer Unterkunft, die Verträge laufen allerdings meistens über zwei Jahre. Soweit der Plan.

Flüchtlingsinitiativen: "Es passiert nichts"

Über die Ankündigungen hinaus ist allerdings wenig passiert. "Wer auf eine Initiative der staatlichen Stellen wartet, kann lange warten", sagt Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat dem Bayerischen Rundfunk. Die Ehrenamtlichen machten im März nochmals Druck: Mehr als 100 Initiativen schrieben einen gemeinsamen Brief an den Innenminister. Mit dem dringenden Appell, das WLAN bitte jetzt schnell zu verwirklichen.

Innenministerium: "Wichtiges Thema"

Das Thema Internetzugang sei in Zeit von Distanzunterricht und Kontaktbeschränkungen ein drängendes und wichtiges Thema, schreibt der Innenminister nach einigen Wochen zurück. Bei fast allen Unterkünften könne ohne große Baumaßnahmen ein Internetzugang eingerichtet werden. Doch der Flüchtlingsrat kritisiert: Es scheitert am Umsetzungswillen.

Warten auf technische Unterstützung

Nicht überall vor Ort kennen sich Menschen aus mit WLAN-Routern, Repeatern und den entsprechenden Geräten, die die Funksignale über meterlange Flure und durch Zimmertüren transportieren. Um die Verwaltungen der Heime beim Besorgen der passenden Hardware zu unterstützen, sei eine Beratung sinnvoll. Ein Dienstleister soll dies übernehmen. "Hierzu läuft das Vergabeverfahren", erklärt das Innenministerium. Bis Ende Mai können Angebote abgegeben werden.

Nürnberger Integrationsverein nimmt Planung in die Hand

Der Nürnberger Integrationsverein "We Integrate" hat für einige Unterkünfte in Nürnberg nun die Initiative ergriffen. Bei einer Begehung vor Ort berieten sie mit dem Hausmeister und der Unterkunfts-Verwalterin über die Möglichkeiten, die 65 Bewohnerinnen und Bewohner zu versorgen. Die Immobilie war bis vor kurzem ein Bürogebäude. Telefonanschlüsse sind im Keller zahlreich vorhanden – doch es gibt andere technische Probleme. Diese lassen sich aber lösen. Vorausgesetzt, es kümmert sich jemand.

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