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Eine Seniorin wird Opfer eines betrügerischen Anrufs
© Polizeipräsidium Niederbayern

Autoren

Kathrin Unverdorben
© Polizeipräsidium Niederbayern

Eine Seniorin wird Opfer eines betrügerischen Anrufs

Von 2017 auf 2018 hat die sich die Zahl der Betrugsanrufe, bei denen sich falsche Polizisten am Telefon melden, verdreifacht. Das teilt das Polizeipräsidium Niederbayern mit. Waren es 2017 noch 204 Anrufe, haben die Betrüger es 2018 an die 600 Mal versucht.

Mehr Anrufe aber weniger Beute

Was laut Polizei jedoch sehr erfreulich ist: Immer weniger Senioren gehen auf die Betrugsmasche ein. Die Betrüger scheitern sogar in 90 Prozent der Fälle, wie die Polizei erklärt. Trotzdem wurden im vergangenen Jahr rund 220.000 Euro erbeutet. 2017 waren es noch 750.000 Euro, die Senioren gutgläubig an die falschen Polizisten ausgehändigt haben.

Anrufer sitzen in Callcentern in der Türkei

Die betrügerischen Anrufe kommen aus Callcentern, die sich im Ausland befinden. Wie Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern sagt, sitzen viele der Anrufer in der Türkei. Sie sprechen perfekt deutsch, sind psychologisch geschult, arbeiten mit Druck und jagen den Senioren Angst ein.

Die Geschichten sind meist hanebüchen: Der falsche Polizist erzählt, in der Nachbarschaft wäre eingebrochen worden und jetzt mache sich die Polizei Sorgen um den Bargeldbestand der oder des Angerufenen. Deshalb werde man zeitnah vorbeikommen und den Bargeldbestand abholen. Die Opfer - meist betagt, alleinstehend und verunsichert - werden dann von einem Boten besucht. Diese Geldboten agierten weltweit, heißt es seitens der Polizei und bekämen einen Prozentsatz der Beute an Lohn.

Beispiel aus dem Landkreis Kelheim

An die Nummern kommen die Betrüger über das Telefonbuch. Sie suchen gezielt nach Namen, die "älter klingen". Erst kürzlich gab es einen solchen Fall in Bad Abbach (Landkreis Kelheim). Ein Mann rief im Haushalt einer 94-Jährigen an und gab sich als Kriminalbeamter aus. Am Telefon war aber nicht die alte Dame, sondern deren Tochter. Der Anrufer sagte, dass in der Nachbarschaft eingebrochen worden wäre und fragte nach Bargeldbeständen. Da die Frau am Telefon nicht darauf einging, wurde das Gespräch beendet.

Tipps der Polizei

Die Polizei bittet alle Senioren, misstrauisch zu sein, wenn jemand am Telefon nach Geld, Vermögen, Schmuck oder Bankdaten fragt. "Im Zweifelsfall einfach unfreundlich sein und auflegen", sagt Günther Tomaschko und auch wenn der Anrufer erfolglos blieb, die Polizei informieren.

Auch Bankangestellte werden geschult

Da sich die betrügerischen Anrufe häufen, gibt es seit Mai 2018 eine bayernweite Arbeitsgruppe gegen den Callcenter-Betrug. Auch Bankangestellte und Mitarbeiter der VdK werden geschult. In der Staatsanwaltschaft Landshut wurde ein neues Referat gegründet, das solche Telefonbetrugsmaschen analysiert. Staatsanwalt Achim Kinsky sagt, es sei sehr sehr mühsam; denn weil die Callcenter im Ausland säßen, brauche es eine enge Zusammenarbeit der europäischen Länder.

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