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Immer mehr sexuelle Gewalt auf der Wiesn | BR24

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Feiern, Trinken, Party machen, dafür ist das Oktoberfest berühmt. Da ja aber Alkohol bekanntlich enthemmt, erfahren vor allem junge Frauen immer mal wieder unangenehmes Begrapschen - wenn nicht Schlimmeres.

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Immer mehr sexuelle Gewalt auf der Wiesn

Am Sonntag wurde eine 29-jährige Touristin aus Norwegen auf dem Heimweg vom Oktoberfest vergewaltigt. Aber auch auf der Wiesn selbst hat es heuer einen Anstieg sexueller Gewalt gegeben, so die Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen".

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25 Sexualdelikte wurden in der ersten Oktoberfestwoche der Polizei gemeldet. Erst am vergangenen Sonntag hat ein 26-Jähriger auf dem Nachhauseweg vom Oktoberfest eine 29 Jahre alte norwegische Touristin vergewaltigt. Die Frau hatte den Mann nach ihrem Wiesnbesuch in einer Gaststätte kennengelernt. Die beiden verließen die Wirtschaft gemeinsam. In einem Hauseingang stieß der 26 -Jährige dann die Frau zu Boden und nahm an ihr "sexuelle Handlungen" vor, so die Polizei. In Richtung Vergewaltigung auf dem Oktoberfestgelände ermittelt die Münchner Polizei derzeit in drei Fällen, sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Meistens wurde aber vor allem Tatschen und Grapschen an Brüsten oder Po angezeigt, was auch kein Kavaliersdelikt ist. Denn auch Grapschen ist strafbar und gilt als sexueller Übergriff.

Sexuelle Gewalt auf der Wiesn: Deutlich mehr Fälle als vor einem Jahr

In der ersten Oktoberfest-Woche haben 14 Mädchen und Frauen Hilfe am Security Point bei den Mitarbeitern der Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" gesucht, nachdem sie auf dem Festgelände sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt hatten. Elfmal handelte es sich dabei um zum Teil schwere sexuelle Gewalt, weitere dreimal um körperliche Gewalt bzw. Partnerschaftsgewalt. Damit stellt die Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" einen deutlichen Anstieg um 75 Prozent der Gewaltfälle fest. Im Vergleich dazu konnte zur Halbzeit 2018 in insgesamt acht ähnlichen Fällen Hilfe geleistet werden.

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Auf der Münchner Theresienwiese wird gefeiert und getrunken. Und weil Alkohol enthemmt, wird die Hand auch mal dahin geführt, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat: Grapschen auf der Wiesn ist aber kein Kavaliersdelikt.

Horror-Erlebnis auf dem Oktoberfest

Sexismus und Gewalt gegen Frauen sind auf der Wiesn immer wieder ein Thema, sagt Anja Bawidamann von der Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen". Ihr zufolge herrscht generell auf Volksfesten oft eine sexualisierte Atmosphäre. Es sei viel Alkohol im Spiel: "Viele Besucher erleben das Oktoberfest als eine Situation, in der sie sich nicht so alltäglich verhalten, weil es ihr Urlaub ist und vielleicht andere Hemmschwellen wegfallen."

Eine Oktoberfest-Besucherin, die anonym bleiben will, schildert dem Bayerischen Rundfunk wie sie vor zwei Jahren von einem Mann am Po begrapscht wurde: "Ich habe ihm zuerst – eigentlich nett – gesagt, dass er das lassen soll. Dann hat er es noch mal gemacht und ich habe ihm eine geschmiert." Der Grapscher reagierte heftig:

"Als ich mich umgedreht habe, hat er mir seinen kompletten Maßkrug über den Kopf gekippt. Ich war von oben bis unten nass. Doch bis ich kapiert hatte, was da passiert war, war er schon abgehauen. Ich habe mich fürchterlich erniedrigt gefühlt..." Anonyme Oktoberfest-Besucherin

Das sollten Frauen und Mädchen im Notfall tun

Anja Bawidamann von der Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" rät Betroffenen zuerst ganz laut "Nein" zu sagen und gezielt um Hilfe zu rufen. Außerdem sei es wichtig, in bedrohlichen Situationen möglichst schnell Hilfe zu organisieren.

Leute in der Nähe, sagt Bawidamann, sollten direkt angesprochen werden. Ihr Tipp: "Sie da, mit dem roten Dirndl, helfen Sie mir bitte, ich werde hier belästigt." Auch Sicherheitsleute oder Bedienungen könnten helfen, um einfach eine Mehrheit gegen den Täter herzustellen. "Das aber," sagt Anja Bawidamann , "sei oft gar nicht so einfach."

"Manchmal sind Menschen sehr überrascht über so eine Situation. In vielen Fällen – das wissen wir aus Fallanalysen und Studien – sind die Täter Leute, die die Mädchen und Frauen gut kennen. Und dann ist man so perplex, dass das jetzt ein Freund, ein Kollege, ein Bekannter - wer auch immer - ist, dass man sich erstmal gar nicht traut, irgendwas zu tun." Anja Bawidamann

Dann ist die beste Möglichkeit laut Bawidamann: Sicherheit suchen in den Räumen der Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen".