BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR / Henry Lai

Polizistinnen und Polizisten werden im Dienst immer häufiger attackiert und dabei teils schwer verletzt. In Bayern ist die Zahl der Übergriffe im vergangenen Jahr erneut stark angestiegen, teilte Innenminister Herrmann mit.

13
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Immer mehr Polizeibeamte werden angegriffen

Schläge, Tritte, Beleidigungen – der Job eines Polizisten ist schwierig, mitunter sogar gefährlich. Und er wird immer gefährlicher. In den vergangenen Jahren ist die Gewalt gegen Polizisten stetig gestiegen. 2020 erreichten die Fälle einen Rekord.

13
Per Mail sharen
Von
  • Henry Lai

Eine Nacht in Nürnberg, im Herbst 2020. Der junge Polizist Marc Hofmann wird mit seiner Kollegin zu einer Spielothek gerufen. Ein betrunkener Mann soll sich dort aggressiv verhalten. Die Mitarbeiter des Betriebs bitten die beiden Beamten um Hilfe. Zunächst bewegen sie den Mann dazu, aus dem Lokal zu gehen. Als sie ihm draußen einen Platzverweis geben wollen, reagiert er giftig. Aber zuerst nur verbal.

Situation eskaliert

Weil er den Anweisungen der beiden Polizisten keine Folge leisten will, soll er in den Gewahrsam kommen. Dann eskaliert es. Der Mann wird handgreiflich, Hofmann ringt den Mann zu Boden. Bei dem Gerangel umgreift der heute 23-jährige Polizist den Kopf des Betrunkenen, um ihn zu halten. Die Kollegin ruft Unterstützung. Dann spürt Hofmann einen stechenden Schmerz im linken Arm. "Dann hab ich geschrien: Er beißt mich, er beißt mich", erinnert sich Hofmann. Erst die heranrückende Unterstützung kann ihn befreien.

Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen

Der junge Polizist Marc Hofmann steht heute am Rednerpult im Polizeipräsidium Mittelfranken. Seine Geschichte hat er gerade einer Gruppe Journalisten erzählt, ebenso Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und dessen Amtskollegen Georg Eisenreich (CSU), der das bayerische Justizministerium leitet. Hofmanns Beispiel soll zeigen: Bayerische Polizeibeamte werden immer öfter angegriffen.

Im vergangenen Jahr gab es 8.587 Gewaltvorfälle gegen Polizisten, erklärte Herrmann bei der Vorstellung der Fallzahlen in Nürnberg. Das sei der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2010. Bei den Angriffen seien rund 2.809 Beamte verletzt worden. 17 wurden dabei schwer verletzt. Sechs Angriffe wurden sogar als versuchte Tötungsdelikte gewertet. Insgesamt habe es einen Anstieg von fast acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben. 2019 wurden 7.959 Angriffe registriert und 2.599 Beamte verletzt worden.

© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration
Bildrechte: Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration

So haben sich die Fallzahlen in Sachen Polizeigewalt entwickelt.

"Unsere Polizistinnen und Polizisten derart brutal und rücksichtslos zu attackieren, ist absolut inakzeptabel und muss hart bestraft werden." Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister

Wegen der Corona-Pandemie hatte die bayerische Polizei auch viel Arbeit bei der Überprüfung der Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen. Laut Innenminister haben die Beamten bayernweit 3,4 Millionen Kontrollen durchgeführt und 165.000 Verstöße angezeigt. Auch dabei kam es immer wieder zu Angriffen, so Herrmann. Die Polizisten seien auf Demonstrationen und Aktionen von Kritikern der Corona-Maßnahmen „erheblichen Gefahren“ ausgesetzt – etwa durch aggressive und gewalttätige Maskenverweigerer.

Freistaat investiert in Schutzausrüstung

Bei der Pressekonferenz erklärte Innenminister Herrmann außerdem, dass der Freistaat weiter in den Schutz seiner Polizisten investiert hat – unter anderem wurden sie mit neuen Dienstwaffen, Schutzausrüstungen und Bodycams ausgerüstet. Laut Herrmann wurden dafür 120 Millionen investiert.

Zum Artikel: Blitzmarathon in Bayern: Weniger Raser wegen Corona?

Aktionsplan für schnellere Bearbeitung von Fällen

Der Freistaat will härter gegen Angriffe auf Polizisten vorgehen. Deshalb haben Justiz- und Innenministerium Ende 2020 den bayernweiten Aktionsplan “Gewalt gegen Einsatzkräfte - Täter verfolgen, Helfer schützen” ins Leben gerufen. Ziel ist, Übergriffe auf Polizei oder andere Einsatzkräfte schneller zu bearbeiten. Dazu gibt es besondere Ansprechpartner bei Polizei und Staatsanwaltschaft, die sich um solche Fälle kümmern.

"Wer sich täglich für uns und unsere Sicherheit einsetzt, verdient den bestmöglichen Schutz." Georg Eisenreich (CSU), bayerischer Justizminister

Keine bleibenden Schäden

Bei der Bissattacke im September 2020 erlitt Marc Hofmann zwei blutunterlaufene Bisswunden. Nach dem Vorfall ließ er sich im Krankenhaus untersuchen und war dann für einige Tage dienstunfähig. Einen bleibenden Eindruck hat der Angriff auf ihn nicht hinterlassen, immerhin werden junge Polizistinnen und Polizisten auf solche Situationen vorbereitet, sagt er. Doch dass man vor so etwas "Respekt" hat, sei normal. Nur: Wenn man sich bei der Polizei bewerbe, dann erwartet man das.

Im Dezember 2020 wurde der Angreifer übrigens im Hauptbahnhof Nürnberg von Kollegen der Bundespolizei aufgegriffen und festgenommen. Im April 2021 wurde er wegen dieser und anderer Taten zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick - kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!