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Immer mehr Kommunen wollen eine Seilbahn | BR24

© Andrea Warnecke/dpa

In Barcelona gibt es sie schon: Eine Seilbahn. In Bayern eruieren derzeit viele Kommunen, ob sie auch eine bekommen könnten.

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Immer mehr Kommunen wollen eine Seilbahn

Nicht nur München, Kempten und Dachau denken über eine Seilbahn im öffentlichen Nahverkehr nach. Denn der Bau ist nicht nur günstig, sondern auch schnell. Nun fordert auch die Germeringer SPD eine Machbarkeitsstudie.

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Die Reise für Pendler aus Germering während der Stoßzeiten mit der S8 wird von den Fahrgästen oft als Höllentrip beschrieben. Besonders voll werden die Züge, wenn mal einer zwischendrin ausfällt. Viele Menschen, so die Beobachtungen in der Germinger SPD, steigen deshalb aufs Auto um. Das müsse verhindert werden. Eine schnelle Lösung, da sind sich die Gemeinde-Politiker einig, kann der Bau einer Stadtseilbahn sein. Zum Beispiel vom S-Bahnhof Harthaus bis nach Pasing.

Seilbahn kann schnell wieder abgebaut werden

Die Vorteile: Die Seilbahn zu bauen dauert nur ein Jahr - und sie wäre um einiges billiger als jedes Verkehrsmittel, das auf Schienen angewiesen ist. Sollte dann doch eine U-Bahn nach Pasing oder Freiham kommen: die Seilbahnstützen könnten schnell abgebaut werden.

Kaum ein Haushalt möchte sich in den Garten schauen lassen

Der Nachteil: man muss die richtigen Strecken für die Gondeln finden – denn kaum ein Privathaushalt möchte sich gerne von oben in den Garten schauen lassen. Jetzt ist der Antrag auf eine Machbarkeitsstudie beim Germeringer Bürgermeister, der ihn dann in den Stadtrat bringen muss.

© BR

Auch die SPD in Germering setzt sich für eine Seilbahn ein.

Immer mehr Kommunen wollen eine Seilbahn

Damit liegt Germering im Trend. Immer mehr Kommunen denken über Seilbahnen nach. In Kempten soll sie vom Bahnhof in die Innenstadt führen. Sie soll dazu dienen, das herkömmliche öffentliche Verkehrsnetz zu entlasten: Es müsse angesichts zunehmender individueller Mobilität in Zukunft noch mehr Kapazitäten bieten, sagte der Tourismusbeauftragte des Stadtrates, Helmut Berchtold. Eine weitere Taktverdichtung sei etwa beim Busverkehr aber kaum noch möglich. Die Stadtverwaltung arbeitet seit Mai 2019 an einem konkreten Konzept.

Gut zehn Kilometer in weniger als einer halben Stunde

Die Stadt Dachau beauftragte im Juni 2019 ein Planungsbüro damit, Details für eine mögliche Seilbahn-Linie auszuarbeiten. Konkret geht es um eine Trasse vom Dachauer Bahnhof zur U-Bahn-Linie 3 in Moosach mit einem Halt in Karlsfeld, auch eine Anbindung der KZ-Gedenkstätte wird geprüft. Die Strecke schnitt bei einer Analyse am besten ab. Die Seilbahn würde für gut zehn Kilometer nicht einmal eine halbe Stunde brauchen.

Etwa 1.300 stündliche Gondelgäste

Das Planungsbüro soll als nächstes eine mögliche Linienführung mit denkbaren Haltestellen ausarbeiten und dabei auch aufzeigen, wo die Linie womöglich über privaten Grund geführt werden müsste. Etwa 1.300 Menschen pro Stunde würden nach Meinung der Experten in die Gondeln steigen - und vermutlich noch mehr, wenn die Busse zwischen Dachau und Moosach wieder mal im Stau feststecken.

© picture alliance/dpa

Konzeptidee der Seilbahn entlang des Frankfurter Rings in München

Umdenken im Gange

Auch in der Stadt München gelten die Seilbahnpläne als eine der spektakulärsten Stadtplanungen. Sie soll im Norden der Stadt eine Ost-West-Verbindung schaffen. Von 2025 an könnten bis zu 8.000 Menschen pro Stunde in 60 Meter Höhe über dem Frankfurter Ring schweben.

Keine Flächenkonkurrenz zu den Autos auf der Straße, größere Beförderungskapazitäten als eine Tram, dazu deutlich billiger als eine U-Bahn würde sie viele Vorzüge in sich vereinen. Es habe ein Umdenken eingesetzt, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk Anfang des Jahres 2019.

"Das ist vor ein paar Jahren noch als absolute Spinnerei abgetan worden." Stadtbaurätin Elisabeth Merk.

Alles nur ein Hype?

Nicht alle sind euphorisch. Der Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland äußerte sich im Mai 2019 skeptisch:

"Wir haben momentan das Gefühl, dass die Seilbahn gehypt und genutzt wird, um den Bau von neuen Straßenbahnen zu behindern, weil die Straßenbahn Platz vom Autoverkehr wegnimmt." Christian Loos, bayerischer Landesvorstand des Verkehrsclubs Deutschland (VCD)

Schattenwurf und rechtliche Bedenken

In Kempten gaben Kritiker zu bedenken, dass eine Seilbahn viele Millionen Euro kosten würde und außerdem Schattenwurf, Geräusche und jede Menge rechtliche Fragen beim "Überfahren" von Privatgrundstücken mit sich brächte. Außerdem befürchten sie, dass Pendler nicht vom Bus in die Seilbahn und wieder in den Bus umsteigen möchten.

Vorbilder im In- und Ausland

Anderorts hat man dieses Bedenken längst aus dem Weg räumen können. In Barcelona, Ankara und vielen anderen Städten sind Seilbahnen bereits in Betrieb.

Im rheinland-pfälzischen Koblenz bringt eine Seilbahn täglich Tausende Besucher zur Festung Ehrenbreitstein, die "einen unvergesslichen Blick auf das Deutsche Eck" bietet. Gebaut wurde sie als Attraktion zur Bundesgartenschau 2011.

35 Cent für ein Ticket

Im bolivianischen La Paz befördert eine Gondel täglich rund 100.000 Menschen über die Stadt. Sie überwindet dabei Höhenunterschiede von bis zu 1.000 Metern. Mit umgerechnet etwa 35 Cent Ticketkosten können sich die meisten Bewohner der Stadt die Gondelfahrt leisten. Egal ob arm oder reich, Einheimischer oder Tourist - Passagiere genießen die Aussicht, Sauberkeit und die Ruhe im "Teleférico", besonders geschätzt wird allerdings seine Schnelligkeit.

© BR

In La Paz in Bolivien stehen Autofahrer jeden Tag stundenlang im Stau. Zum Glück gibt es dort seit 2014 mehrere Seilbahnen. Ein überraschender Anblick: die Gondeln befördern rund 100.000 Personen täglich über die Stadt.