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Immer mehr bayerische Kliniken im Minus | BR24

© Sven Hoppe/dpa

Medizinisches Personal versorgt einen Patienten in einer Münchner Klinik.

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    Immer mehr bayerische Kliniken im Minus

    Die bayerischen Krankenhäuser rutschen nach eigenen Angaben immer tiefer in die roten Zahlen. Eine Ursache seien vor allem Entscheidungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), heißt es von der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

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    Um die finanzielle Situation der Kliniken im Freistaat ist es nicht gut bestellt. Das hat eine Umfrage der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) gezeigt, die am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach gaben 54 Prozent der Krankenhäuser an, im Jahr 2018 finanzielle Verluste gemacht zu haben. Damit setzt sich ein Trend fort, der schon in den vergangenen Jahren abzusehen war: 2017 waren es nur 43 Prozent gewesen, im Jahr 2010 hatte der Anteil der defizitären Kliniken erst bei 19 Prozent gelegen.

    Verluste könnten heuer auf mehr als 60 Prozent steigen

    "Die Stimmung bei Bayerns Krankenhausverantwortlichen ist nachhaltig schlecht", äußert sich der BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein zu den Ergebnissen der Umfrage. Eine Besserung sei nicht in Sicht. In diesem Jahr könnte die Zahl der Kliniken, die Verlust machen, sogar auf mehr als 60 Prozent steigen.

    Für die Entwicklung sind nach Meinung des BKG vor allem Entscheidungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verantwortlich: "Die Anforderungen bei der Personalausstattung oder Qualitätsstandards werden ständig pauschal erhöht", kritisiert Hasenbein. Um die Vorgaben aus Berlin zu erfüllen, reiche die Finanzierung aber oft nicht aus. Mit den steigenden Verlusten steige vor allem bei kleinen Krankenhäusern der Druck, sich mit anderen Standorten zusammenzuschließen oder ganz aufzugeben, hieß es weiter.

    Hasenbein: Planloser Verdrängungswettbewerb unter Kliniken

    "Davon ist Bayern besonders betroffen, weil es hier besonders viele Standorte mit wenigen Betten gibt", so Hasenbein. Es sei zwar notwendig, dass die Kliniklandschaft sich weiter verändert. Seiner Ansicht nach verfolgt die Politik dabei aber eine falsche Strategie: "Man setzt alle gleichermaßen unter Druck und hofft, dass die Richtigen vom Netz gehen", sagt er. Das Ergebnis sei ein planloser Verdrängungswettbewerb unter den Kliniken.

    BKG fordert Zukunftsplan für stationäre Versorgung

    Die Krankenhausgesellschaft fordert vor diesem Hintergrund eine breite Debatte, konkret zum Beispiel in der Form eines bundesweiten Krankenhausgipfel. Politiker aus der Bundesregierung und den Landesregierungen müssten gemeinsam mit den Krankenhäusern einen Zukunftsplan für die stationäre Versorgung entwickeln. "Wir brauchen eine Strukturdiskussion, aber die muss geordnet geschehen", sagte Hasenbein.

    Die Krankenhäuser würden sich nicht dagegen stemmen, wenn die Politik die Weichen stellt, damit in spezialisierten Zentren eine höhere Qualität erbracht werden kann. Gleichzeitig müsse aber auch der Wunsch der Patienten nach einer wohnortnahen Versorgung im Blick bleiben. "Wie wir diesen Spagat hinbekommen, müssen wir gemeinsam besprechen", sagte der BKG-Geschäftsführer.