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In der kommenden Woche sollen die mit Neonicotinoiden gebeizten Zuckerrübensamen auf den Feldern in Franken ausgebracht werden. Doch die Imker haben Bedenken, denn das Insektizid ist auch für Bienen giftig.

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Imker kritisieren Aussaat gebeizter Zuckerrübensamen in Franken

In der kommenden Woche sollen die mit Neonicotinoiden gebeizten Zuckerrübensamen auf den Feldern in Franken ausgebracht werden. Doch die Imker haben Bedenken, denn das Insektizid ist auch für Bienen giftig.

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Von
  • Albrecht Rauh

Für fränkische Zuckerrübenbauern geht es bald wieder mit dem Traktor und der Sämaschine raus aufs Feld: Die Aussaat der Zuckerrübensamen steht an. Im Rahmen einer Notfallzulassung des Bayerischen Landesamts für Landwirtschaft (LfL) dürfen Bauern in Ober-, Mittel- und Unterfranken mit einem Insektizid gebeizte Zuckerrübensamen säen.

Ertragsrisiken für fränkische Zuckerrübenbauern

Die Beize enthält das Neonicotinoid Thiamethoxam. Wie es von Seiten des LfL heißt, sei die Notfallzulassung in Franken notwendig, da "das Vergilbungsvirus regional zu gravierenden Pflanzenschäden und Ertragsverlusten führt". Konkret nennt das LfL Ertragsrisiken zwischen 20 und 45 Prozent. In Bayern seien davon die fränkischen Zuckerrübenanbaugebiete besonders betroffen. Die Zulassung wurde in Franken für eine Fläche von 20.600 Hektar erteilt. Das ist etwa ein Drittel der Anbaugebiete der Südzucker AG.

Neonicotinoide giftig für Bienen

Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) und das Imkernetzwerk Bayern warnen vor der Ausbringung der gebeizten Zuckerrübensamen. Der Wirkstoff von Neonicotinoiden ist für Bienen giftig. Daher gelten strenge Auflagen für die Ausbringung. Imker, die ihre Bienenvölker in einer Entfernung von drei Kilometern zu einem solchen Feld haben, müssten ihre Bienenstöcke in andere Regionen umsiedeln, so DBIB-Präsidentin Annette Seehaus-Arnold aus Burglauer im Landkreis Rhön-Grabfeld. Sollten die Tiere mit dem Insektizid in Berührung kommen, werde der Orientierungssinn der Bienen gestört. Sie finden dann nicht mehr zum Bienenstock zurück.

Hohe Auflagen für die Ausbringung des Saatguts

Dass Neonicotinoide schädlich für Bienen sind, ist bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen worden. Doch nicht nur für Bienen schadet das Insektizid. Auch für Vögel sind die Samenkörner giftig. Deshalb heißt es in der Allgemeinverfügung zur Notfallzulassung, dass die Landwirte das Saatgut vollständig in den Boden einbringen müssen. Die Einhaltung der Vorgaben werde zudem vom bayerischen Pflanzenschutzdienst stichprobenartig überwacht, heißt es vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium.

Zuckerrübenbauer: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"

Der Einsatz des Insektizids sei für die Zuckerrübenbauern alternativlos, sagt Klaus Ziegler vom Verband der Fränkischen Zuckerrübenbauer. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", erklärt er auf Anfrage. Von der Südzucker AG heißt es auf Anfrage: "Zu diesem Wirkstoff gibt es zurzeit keine Alternative. Andere Pflanzenschutzmittel wirken nur ungenügend". Zudem macht das Unternehmen deutlich, dass es keine Gefahren für die Bienen durch die Aussaat des gebeizten Samens sieht. "Der Einsatz von Neonicotinoiden im Zuckerrübenanbau ist für Bienen und andere Bestäuber nicht gefährlich, da diese auf Zuckerrübenfeldern nicht mit Neonicotinoiden in Berührung kommen", heißt es.

Dem widerspricht der Imkerbund. Durch die Guttation, also die Abgabe von Wasser über die Blätter, könnten Bienen durchaus das Insektizid aufnehmen. Das bestätigt auch die Landesanstalt für Wein und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG).

Monitoring soll Auswirkungen analysieren

Die LWG führt deshalb ein Monitoring durch, das Aufschluss darüber geben soll, ob Bienen, die im Einzugsbereich der angesäten Zuckerrüben Nahrung suchen, durch den gebeizten Samen Schaden erleiden. Dazu hat die LWG an drei Standorten im Landkreis Würzburg jeweils sechs Bienenvölker an betreffende Felder verbracht. Die Bienenstöcke sollen dort bis zum Ende der Vegetationszeit stehen bleiben und regelmäßig untersucht werden. Erste Ergebnisse sollen noch während der Wachstumsphase vorliegen.

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In der kommenden Woche sollen die mit Neonicotinoiden gebeizten Zuckerrübensamen auf den Feldern in Franken ausgebracht werden. Doch die Imker haben Bedenken, denn das Insektizid ist auch für Bienen giftig.

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