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Imker fürchten Schaden durch Schwammspinnerbekämpfung | BR24

© BR Studio Franken/Annette Bögelein

Imker inspizieren ihre Bienenvölker.

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    Imker fürchten Schaden durch Schwammspinnerbekämpfung

    In der Nähe des Bio-Lehrbienenstands bei Obernesselbach im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim soll per Hubschrauber ein Insektizid versprüht werden, um den Schwammspinner einzudämmen. Imker und Naturschützer schlagen Alarm.

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    Ralf Straußberger, der Waldexperte beim Bund Naturschutz, stellt den Gifteinsatz in Frage. Die Eichenwälder in Franken würden zu den artenreichsten Wäldern in ganz Bayern gehören. In diesen Wäldern würden hunderte von Schmetterlingsarten auf den Eichen, aber auch auf Hainbuchen, Buchen, auf Gräsern und Sträuchern leben. Sobald die Raupen der Tiere das auf den Blättern befindliche Gift fressen, sterben sie, so Straußenberger.

    "Für die Artenvielfalt ist das ein absoluter Tiefschlag, während man in München über Verbesserungen redet, werden hier in Franken die artenreichsten Wälder vergiftet." Ralf Straußberger, Waldexperte Bund Naturschutz.
    © BR Studio Franken/Annette Bögelein

    Arbeit im Bio-Imkerlehrbienen-Stand

    Imker vor Ort fürchten Schaden an Bienenbrut

    Der Naturschützer ist zu Besuch bei Imkern in Obernesselbau an deren Bio-Lehrbienenstand. Es ist der einzige in Bayern. Diese Imker wurden vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Neustadt/Aisch nicht über den bevorstehenden Gifteinsatz in ihrer Nähe informiert. Offiziell sei das Mittel "Mimic" zwar für ausgewachsene Bienen ungefährlich. Doch die Imker fürchten, dass die Bienen mit den Pollen das Insektizid in den Bienenstock bringen könnten und damit könne es die Bienenlarven schädigen.

    Forstbehörde rechtfertigt moderaten Gift-Einsatz

    Schuld daran ist ein Übeltäter: dem Schwammspinner. Er fühlt sich in den fränkischen Eichenwäldern sehr wohl. Oft sind an einem Baum bis zu 20 Nester des Schädlings zu erkennen. Larven des Schädlings können einen 120 Jahre alten Baum kahlfressen. Da will Forstdirektor Ludwig Albrecht vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten in Neustadt/Aisch nicht einfach zusehen und hat sich für das Ausbringen des Häutungsbeschleunigers per Hubschrauber entschieden.

    Naturschutz wurde streng beachtet

    "Es geht nicht darum, den Schwammspinner auf einer großen Fläche auszurotten, sondern Bestände vor dem Kahlfraß zu schützen. Kahlfraß bedeutet für die Eiche im Laufe von Monaten oder Jahren abzusterben und das ist etwas, was wir in unseren Eichenwäldern nicht zulassen möchten.“ Forstdirektor Ludwig Albrecht aus Neustadt an der Aisch.

    Die Kritik von Imkern und vom Bund Naturschutz kann er nicht nachvollziehen, denn das Insektizid würde sehr gezielt und nur punktuell versprüht. Die Behörde hat zudem viele Waldgebiete aus Naturschutzgründen ausgespart. Von den stark vom Schwammspinner befallenen Waldflächen - insgesamt sind das 1.115 Hektar - werden nur 402 Hektar aus der Luft besprüht.

    "Ein Teil der Eichenwälder wurden herausgenommen, weil dort Jagdgebiete von Fledermäusen sind, weil dort der Uhu oder der Schwarzstorch brütet oder weil dort Gewässer sind, die nicht mit Mimic in Kontakt kommen dürfen," Forstdirektor Ludwig Albrecht vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Neustadt/Aisch.

    Hubschraubereinsatz vorerst gestoppt

    Ralf Straußberger vom Bund Naturschutz reicht das nicht. Er bezweifelt, dass alle Wälder nach seltenen Arten durchsucht wurden und wirft dem Forstamt Schlampigkeit in der Vorbereitung vor. Die Giftausbringung sei gar nicht notwendig. Die Imker am Lehrbienenstand in Obernesselbach haben mittlerweile eine einstweilige Verfügung erwirkt, die derzeit vor Gericht geprüft wird. Sie bangen vor allem auch um das Bio-Zertifikat für ihren Lehrbienenstand.

    Vorbild Italien

    Vor Ort ist auch Annette Seehaus-Arnold vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund. Sie versteht nicht, wie es sein kann, dass in München ein erstes Gesetz verabschiedet wird, in dem steht, dass Wälder ökologischer bewirtschaftet werden und gleichzeitig andernorts noch Gift versprüht wird. Sie schlägt vor, sich ein Beispiel bei den Nachbarn in Italien zu nehmen. Dort wird nicht mehr in den Wald eingegriffen, kein Gift gegen Schädlinge eingesetzt und auf die Regelmechanismen der Natur vertraut.