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Im Schulbus auf Abstand - geht das überhaupt? | BR24

© dpa-Bildfunk

Schulbushaltestelle

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    Im Schulbus auf Abstand - geht das überhaupt?

    Rund eine Viertelmillion Schüler geht in Bayern ab kommender Woche wieder in die Schule. Ein Teil von ihnen braucht für den Schulweg einen Bus. Noch ist aber unklar, was für Regeln dafür gelten – vor allem was den Abstand im Bus angeht.

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    Von
    • Katharina Pfadenhauer

    Am Montag geht für einen Teil der Bayerischen Schüler der Unterricht wieder los – vorerst nur für die Abschlussklassen. Doch wie kommen die Kinder zur Schule, die auf Schulbusse angewiesen sind? Aktuell bereiten sich die bayerischen Busunternehmer auf den ersten Schultag vor, so gut sie können – doch es besteht nach wie vor noch viel Unklarheit in Bezug auf die Corona-Vorschriften.

    Am Montag werden rund 40 Schülerinnen und Schüler in die Busse von Simon Riedl Senior einsteigen. Acht von insgesamt zehn Fahrzeuge wird er dafür zur Verfügung stellen. Um 6.15 Uhr wird der erste Bus den Fuhrpark verlassen. Um ihn "coronasicher" steuern zu können, müssen Riedl und sein Sohn noch einiges erledigen.

    Neue Verhaltensregeln in Bussen

    "Wir hängen ein Schild an die Türen und eines hängen wir an die Scheibe, damit der Fahrgast beim Einsteigen lesen kann: Wir bitten um die Einhaltung der Verhaltensregeln", erzählt der Senior. Und Simon Riedl Junior ergänzt: "Da geht’s darum, dass es eine dringende Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken gibt."

    Aber auch die anderen derzeit geltenden Verhaltensregeln sind wichtig. "In die Armbeuge niesen, Hände waschen, desinfizieren, Gesichtsreinigung. Und: Abstand halten!"

    Abstandsregelung gilt im öffentlichen Raum

    Abstand halten in Bussen - ja oder nein? Das ist derzeit die Frage, die sich die Busunternehmer stellen. Insgesamt gibt es in Bayern rund 1.100 private, mittelständische und meist familiengeführte Busunternehmen. Deren Arbeitgeberverband und politisches Sprachrohr ist der Landesverband bayerischer Omnibusunternehmen, kurz LBO.

    Doch auch LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl weiß derzeit noch nicht, ob die ersten Schulbusse am Montag mit oder ohne tatsächliche Abstandsregelung ausrücken werden. "Es ist momentan explizit vorgesehen, dass diese Abstandsregelung für den öffentlichen Raum von 1,5 Metern nicht für den Schulbus gilt."

    Kapazitäten reichen erstmal aus

    Mit den Abschlussklassen werden am Montag rund 240.000 Schülerinnen und Schüler in die bayerischen Schulen zurückkehren. Soll die Abstandregelung eingehalten werden, müssten viel mehr Schulbusse auf Bayerns Straßen rollen. "Und das ist jetzt momentan eben die Herausforderung, abzusehen, wie viel Kapazitäten wir brauchen werden", ist sich Stephan Rabl unsicher.

    Doch solange es nur die Abschlussklassen sind, werden die Buskapazitäten insgesamt – auch mit Abstandsregelung – wohl noch ausreichen, meint Rabl. Wenn aber ab dem elften Mai weitere Schüler dazukommen, könnte es laut Rabl sein, dass die Busunternehmer deutlich mehr Busse brauchen.

    "Wie groß ist mein Fuhrpark und wer kann zusätzlich aushelfen?"

    Die Busunternehmer machen sich schon jetzt Gedanken: "Die schauen erstens: Wie groß ist mein Fuhrpark, also welche Fahrzeuge könnte ich noch zusätzlich einsetzen oder gibt’s gegebenenfalls einen Kollegen, der aushelfen könnte – immer natürlich eng abgestimmt mit dem jeweiligen Vertragspartner", sagt Stephan Rabl.

    Um die Schultage ab dem 11. Mai bewältigen zu können, bemüht sich der LBO darum, die derzeit stillstehenden Reisebuskapazitäten zu aktivieren. Diese könnten notfalls für Schülerfahrten einspringen. Jedoch geht der Verband davon aus, dass selbst die 1.100 Reisebusse, die man theoretisch zubuchen könnte, nicht ausreichen werden, um allzu strenge Abstandsgebote abzufedern.

    Schüler sollen sich auseinandersetzen

    Weil es derzeit noch nicht klar ist, unter welchen Auflagen die Schüler am Montag transportiert werden müssen, will Busunternehmer Simon Riedl Senior fürs Erste die Vordertüren der Busse sperren, um den Busfahrer zu schützen. Außerdem wird der Zugang zum Busfahrer durch ein Flatterband abgesperrt sein. Die Schüler sollen möglichst weit voneinander weggesetzt werden, sagt Sohn Simon Riedl Junior.

    Das Unternehmen wolle die Schüler aufteilen zwischen den Reihen, also immer eine Reihe frei lassen. Die Schüler sollen dann links und rechts ganz am Fenster sitzen, dann hätten sie eineinhalb Meter Abstand. Und zum Vordermann habe man auch diesen Abstand. Allerdings könne man nicht beeinflussen, ob sich ein Schulkind dorthin setzt, wo es vorgesehen ist, oder doch neben einem anderen Kind Platz nehme. "Weil ich kann den einen Platz nicht absperren oder den Stuhl rausbauen“, erklärt Simon Riedl Junior.

    Plexiglas könnte Fahrer schützen, ist aber schwer zu bekommen

    Zudem würden viele Busunternehmer derzeit versuchen, neben dem Fahrersitz Plexiglasscheiben einzubauen, um die Fahrer zu schützen, sagt LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl. Auch die Riedls haben versucht, solche Plexiglasscheiben zu bekommen – doch die Nachfrage regelt den Markt: Unbezahlbar seien sie derzeit. Und eine Dauerlösung wären sie ohnehin nicht.

    "Solange wir noch keine Scheibe haben, kann man es fast nicht probieren, weil man muss das zuerst hinbauen und schauen, ob es flattert, ob es laut ist, ob es dem Fahrer auch passt." Außerdem brauche es irgendwann eine Abnahme vom TÜV, die man sicher nicht bekommen werde.

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