BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Jürgen Wirth
Bildrechte: BR/Jürgen Wirth

Eberhard Schellenberger wurde jahrelang von der Stasi beschattet. Jetzt schreibt er darüber ein Buch.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Im Blick der Stasi: Wie es sich anfühlt, beschattet zu werden

Vor der Wende waren Teile Unterfrankens noch absolutes Zonengrenzland. Das BR Studio Würzburg berichtete mitunter auch grenzübergreifend. Kein Wunder also, dass die Stasi den ehemaligen Studioleiter Eberhard Schellenberger genau im Blick hatte.

2
Per Mail sharen
Von
  • Carolin Hasenauer
  • BR24 Redaktion

Laut Stasi-Unterlagen-Archiv arbeiteten bis 1989 mehr als 91.000 Menschen hauptamtlich für die Staatssicherheit. Ungefähr weitere 180.000 Menschen berichteten nebenbei als "Inoffizielle Mitarbeiter", sogenannte IM, an die Geheimpolizei. Zumindest ist das die Zahl, die in den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit nachweisbar ist. Dabei beschränkte sich die lange Hand des Stasi-Apparats nicht nur auf die eigenen Leute. Auch Westdeutsche wurden bespitzelt. So etwa Eberhard Schellenberger, der ehemalige Leiter des BR-Studios Würzburg.

Schellenberger wusste, dass er beschattet wird

Auf 400 Seiten haben fünf IMs sämtliche Details dokumentiert. In Suhl etwa oder in Cottbus war Eberhard Schellenberger öfter zu Besuch. Dass er beschattet wird, fiel ihm damals schon auf: "Fast wie in einem Agentenfilm. Da ging ich durch die Suhler Innenstadt, blieb vor einem Schaufenster stehen und vorm nächsten – und ein Mann folgte mir auf Schritt und Tritt." Angst hatte er aber keine. "Als West-Journalist hätten die mich höchstens ausgewiesen, mehr wäre nicht passiert."

Stasi-Deckname "Antenne"

Es war ein irrer personeller Aufwand, den die Stasi da allein bei Schellenberger betrieb, um selbst banale Details zu dokumentieren: Für einen Einsatz als Hörfunkreporter in Suhl war Schellenberger mit vier BR-Mitarbeitern dort unterwegs. Seiner Stasi-Akte entnimmt er später, dass zehn IMs die Gruppe beschattet hatten. "Antenne" war der Deckname, den die Stasi Eberhard Schellenberger gegeben hat. 1993 hat er seine Stasi-Akte erstmals eingesehen. Jetzt tippt er jedes der sogenannten "Beobachtungsprotokolle" ab, um es beim Würzburger Echter-Verlag zu veröffentlichen.

Geplante Bucherscheinung Ende 2022

"Ich tippe das im Wortlaut ab, damit man einfach mal einen Eindruck bekommt, wie die gearbeitet haben. Dann füge ich Infotexte hinzu über meine DDR-Reisen, also etwa wie man über die Grenze gekommen ist, um Verwandte zu besuchen", so Schellenberger. Ende 2022 soll das Buch veröffentlicht werden.

Bundesarchiv ist ab sofort für die Unterlagen zuständig

Nach 30 Jahren werden die Stasi-Unterlagen ab sofort vom Bundesarchiv verwaltet. Auch mit der Überleitung des Stasi-Unterlagen-Archivs ins Bundesarchiv bleiben die Akten weiterhin zugänglich. Die Papiere ziehen auch nicht um ins Bundesarchiv nach Koblenz, sondern bleiben am bisherigen Standort, im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit in Berlin sowie in den Außenstellen in den fünf östlichen Bundesländern.

© BR
Bildrechte: BR

Stasiunterlagen: Behörde wird aufgelöst

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!