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Ilse Aigner: Von der Kronprinzessin zur Präsidentin | BR24

© dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Ilse Aigner (CSU), Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr

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    Ilse Aigner: Von der Kronprinzessin zur Präsidentin

    Lange konkurrierte Ilse Aigner mit Markus Söder in der CSU um die Nachfolge von Horst Seehofer. Das ist vorbei, und wohl auch das Regieren als Ministerin. Demnächst könnte die 53-jährige Oberbayerin mehr repräsentieren – als Landtagspräsidentin.

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    Politik ist für die gelernte Fernsehtechnikerin vor allem Handwerk. Und so hat sich Ilse Aigner Stück für Stück nach oben gearbeitet: Gemeinderätin, Kreisrätin, Landtagsabgeordnete. Und schließlich 1998 der Einzug in den Bundestag.

    Als Bundesministerin in Seehofers Fußstapfen

    Handwerklich geht sie auch an ihre politischen Aufgaben heran. Man sagt ihr nach, sich tief in Themen einzuarbeiten. Den Ritterschlag hat sie vor allem Horst Seehofer zu verdanken. Er machte sie zur Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung, als er beim Machtwechsel 2008 CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident wurde.

    "Die Fußstapfen, in die ich hier trete, sind im wahrsten Sinne des Wortes groß", sagte Aigner über ihren politischen Förderer bei einer Pressekonferenz. Und der schiebt gleich hinterher: "Schuhgröße 46." Als Landwirtschaftsministerin blieb sie der CSU-Tradition treu, vor allem bayerische Interessen zu vertreten. Probleme hatte sie genug zu meistern: etwa die Milchkrise, den Dioxin-Skandal oder Debatten um Gentechnik.

    Stoibers Kritik: Mangelnder Machtinstinkt

    Die Heimatverbundenheit, der Draht zu den Menschen vor Ort, vor allem in Oberbayern, ist eine ihrer großen Stärken. Allerdings gilt sie im politischen Schlagabtausch vielen Kritikern in der Partei als zu defensiv. Edmund Stoiber sagte mal, ihr fehle der Machtinstinkt.

    "Ich gebe zu, dass natürlich Schlagzeilen andere eher machen, leider auch traurige Schlagzeilen. Aber entscheidend wird sein, was die Zukunftsaufstellung für Bayern ist und da ist Bayern sehr, sehr fortschrittlich und das hat auch sehr viel mit mir zu tun" Ilse Aigner

    Selbstbewusst kehrte sie 2013 aus Berlin nach München zurück. Auf Wunsch von Horst Seehofer sollte sie als Wirtschaftsministern die Energiewende managen. Aigner galt als Seehofers Wunschkandidatin für seine Nachfolge in der Staatskanzlei. Mit Markus Söder lieferte sich die Kronprinzessin immer wieder Scharmützel. Beispielsweise kündigte Aigner eine Pressekonferenz an, Söder parallel dazu auch – normalerweise werden Termine von Kollegen respektiert.

    Aigner übernimmt Baustellen der Staatsregierung

    Den Machtkampf ums Ministerpräsidentenamt entschied der Franke Söder gegen die Oberbayerin Aigner. Nach der Kabinetts-Umbildung im Frühjahr dieses Jahres machte Söder sie zur Ministerin für Bauen, Wohnen und Verkehr. Damit übernahm Ilse Aigner zu Beginn des aufziehenden Wahlkampfes einer der größten Baustellen der Staatsregierung: die Wohnungsnot wächst vielerorts im Freistaat.

    Ohne übertriebenen Machthunger führt Aigner den CSU-Bezirksverband Oberbayern – den größten und mächtigsten Bezirksverband. Ihre Worte verhallten nicht ungehört: "Wir müssen Schluss machen mit Schuldzuweisungen, Einigkeit macht uns stark", rief sie Söder und den Delegierten beim Bezirksparteitag im Sommer zu.

    Künftig Landtagspräsidentin?

    Die geforderte Einigkeit beschworenen Söder und Aigner sogleich. Ein speziell für den Wahlkampf in Oberbayern entworfenes Plakat signalisiert: "Ein starkes Team" – Rücken an Rücken posieren Aigner und Söder.

    Dem neuen Kabinett wird Ilse Aigner wohl nicht angehören – Söder hat sie als Nachfolgerin von Barbara Stamm für das Amt der Landtagspräsidentin vorgeschlagen.