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Mit nur sechs Wochen wurden die beiden Malteser-Welpen viel zu früh von ihrer Mutter getrennt.

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    Illegaler Welpenhandel: Kleine Malteser in Nürnberg gerettet

    In Nürnberg hat ein Mann versucht, zwei erst sechs Wochen alte Hundewelpen zu verkaufen. Doch die Polizei machte dem illegalen Handel einen Strich durch die Rechnung. Der entscheidende Tipp kam von Tierschützern. Der Zustand der Tiere ist bedenklich.

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    Von
    • Florian Deglmann

    Die Polizei hat am Freitag zwei kleine Malteserwelpen in Nürnberg gerettet. Ein Mann hatte die erst sechs Wochen alten Hunde auf einer Online-Plattform zum Kauf angeboten.

    Tierschützer locken Hundehändler in die Falle

    Den entscheidenden Tipp hatten die Beamten von der Tierschutzstiftung "Vier Pfoten" erhalten. Diese hatte den Kontakt zu dem Händler aufgebaut und die Polizei verständigt. Als der Verkauf in einer Seitenstraße in der Nürnberger Südstadt stattfinden sollte, kamen Zivilbeamte und mehrere Streifenwagen dazu, um den Verkäufer und seine Begleiter zu schnappen.

    Hundewelpen in besorgniserregendem Zustand

    Die beiden Welpen wurden beschlagnahmt und ins Tierheim Nürnberg gebracht. Dort werden sie jetzt untersucht und aufgepäppelt. Tierärztin Kirsten Tönnies, die bei der Aktion dabei war, sagte dem BR, dass sich die beiden Hunde in einem besorgniserregenden Zustand befinden würden. Die kommenden Tage würden zeigen, welche Krankheiten die Tiere hätten und wie ihre Überlebenschancen seien.

    Verkäufer soll falsche Impfpässe vorgelegt haben

    Laut Birgitt Thiesmann von "Vier Pfoten“ hatte der Verkäufer teilweise gefälschte Impfbücher für die beiden Tiere vorgelegt. Allerdings seien darin auch gültige Impf-Sticker gewesen, aber kein Stempel eines Tierarztes, was darauf hindeute, dass sich der Mann illegal Impfstoff besorgt haben könnte.

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    Tierärztin Kirsten Tönnies (links) und Birgitt Thiesmann mit den Malteserwelpen.

    Online-Handel erleichtert illegales Geschäft mit Tieren

    Da die beiden Malteser so früh von ihrer Mutter getrennt wurden und – vermutlich aus Rumänien – nach Deutschland gebracht wurden, handele es sich hierbei um eine Straftat, so Thiesmann. Gerade der Online-Handel mit Tieren sei ungenügend bis gar nicht reguliert. Noch müssten sich Verkäufer dafür nicht als Tierhändler registrieren und könnten so den illegalen Handel weitestgehend anonym betreiben, so Thiesmann weiter. Die Nachfrage sei gerade in der Corona-Zeit extrem hoch. Für die beiden Welpen hätte der tatverdächtige Mann einen Preis von 850 Euro pro Hund verlangt. "Ein Schnäppchen", wie Birgitt Thiesmann sagt.

    Tiere aus illegalem Welpenhandel häufig krank

    Allerdings seien derart günstige Preis tückisch: Denn da viele Hunde mit Krankheiten und ohne die notwendigen Impfungen nach Deutschland kämen, stehe bereits wenige Tage nach Kauf der erste Tierarztbesuch an. "Den Tieren geht es dann ziemlich schnell sehr schlecht", so Tierärztin Kirsten Tönnies zum BR. "Und dann stehen die Käufer mit den Kosten da. Im schlimmsten Fall ist das Tier schwer krank. Das geht dann in die Tausende. Und man kann auch nicht ausschließen, dass solche Welpen dann auch sterben." Beschlagnahmte Tiere kommen normalerweise zur Erstversorgung ins Tierheim. Dieses kümmert sich um die medizinische Versorgung. "Auf den hohen Kosten bleiben die Heime meist sitzen", erklärt Kirsten Tönnies. Und das könne auf Dauer zu einem großen finanziellen Problem werden.

    Illegale Tiertransporte nehmen zu

    Nach Angaben der globalen Stiftung für Tierschutz "Vier Pfoten" wurden von Januar bis Mai 2021 bereits insgesamt 959 Tiere aus 123 illegalen Transporten und illegalen Zuchten beschlagnahmt. Laut der Stiftung handelt es sich dabei um eine alarmierende Entwicklung, da die Zahlen bereits jetzt die Gesamtzahl des Vorjahres überschreiten. 2020 wurden laut "Vier Pfoten" nämlich "nur" 771 Tiere aus insgesamt 86 illegalen Transporten beschlagnahmt.

    Eine aktuelle Studie habe ergeben, dass sich jeder sechste Deutsche während der Pandemie einen Hund gekauft hat. Laut der Umfrageergebnisse haben dabei 14 Prozent ihren Hund über das Internet, also über Kleinanzeigen-Portale oder in den sozialen Medien gefunden. Knapp 50 Prozent der Tiere hätten nach Angaben der Befragten ein auffälliges Verhalten gezeigt, ein deutlicher Hinweis auf illegalen Welpenhandel.

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