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Illegaler Handel mit exotischen Wildtieren nimmt zu | BR24

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Exotische (Haus-) Tiere wie Chinchillas, Weißbauchigel und andere Säugetiere sowie Vögel, Zierfische, Amphibien und Reptilien liegen im Trend. Dies gilt auch für Wildtiere. Für die Tiere bedeutet das großes Leid - und es fördert mafiöse Strukturen.

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Illegaler Handel mit exotischen Wildtieren nimmt zu

Zur Weihnachtszeit nimmt der illegale Tierhandel wieder zu. Dabei werden immer öfter auch Wildtiere geschmuggelt: Erst waren es Waschbären, nun sind Polarfüchse Trend. Als Haustiere sind alle diese exotischen Tiere aber völlig ungeeignet.

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320 Tiere in einem einzigen Kleintransporter gequetscht. Dieses Bild bot sich Schleierfahndern im Mai 2019, als sie bei Waidhaus einen Kleintransporter aus Ungarn stoppten. Dieser illegale Transport war einer der schlimmsten der letzten Jahre, sagt der Tierschutzbund Bayern. Immer häufiger werden exotische Tiere und Wildtiere geschmuggelt. Und jetzt zur Weihnachtszeit nimmt auch der illegale Handel mit Hundewelpen und Katzenbabies zu.

Auffangstationen nehmen Tiere in Obhut

Der Inhalt des illegalen Tiertransports von Waidhaus überraschte selbst die erfahrenen Mitarbeiter des Tierschutzbundes Bayern: über 20 Hundewelpen, dutzende Singvögel – zum Teil aus Afrika, mehrere Schwäne, drei Weißwedelhirsche und ein streng geschützter Lisztaffe waren in den Transporter gequetscht. Der Lisztaffe und die Hirsche sind bis heute in der Obhut der Auffangstation für Reptilien in München.

Seit 20 Jahren leitet Tierarzt Markus Baur die Reptilien-Auffangstation, die längst nicht mehr nur Reptilien aufnimmt, sondern auch viele exotische Tiere und Wildtiere.

"Für meine Begriffe war das eine Lieferung nach Bestellung. Da waren sehr rare Wildhühner dabei. Da waren diese Hirsche dabei, die in Europa super selten sind. Da ist ein hochpreisiges, sehr seltenes Äffchen dabei gewesen. Ich persönlich bin der Meinung, dass der reine Verkaufswert dieser Tiere, ein kleines Vermögen dargestellt hätte. Wenn man sie nicht erwischt hätte. Also da ist auch richtig Geld damit zu machen." Dr. Markus Baur, Leiter Auffangstation für Reptilien München e.V.

Exotische Tiere können nicht zuhause in der Wohnung gehalten werden

Die artgerechte Unterbringung beschlagnahmter Tiere stellt Tierheime und Auffangstationen vor immer größere Herausforderungen. Für den wenige Monate alten Lisztaffen hat Tierarzt Markus Baur einen gekachelten Raum in eine Waldlandschaft mit tropischem Klima umfunktioniert: "Dieses Tier muss mehrmals am Tag gefüttert werden. Es braucht lebende Insekten. Es braucht Baumsaft, um zu überleben. Das kann man nicht in einem Vogelkäfig realisieren. So ein Tier daheim in der Wohnung halten zu wollen, ist Irrsinn. Für das Tier und für die Menschen, die ganz schnell keine Freude mehr an dem Tier haben."

Keine Freude mehr am Tier. Dieses Schicksal hat auch ein junger Polarfuchs, der seit diesem Sommer in der Auffangstation lebt. Ein junges Pärchen hatte das Tier als Hundeersatz erworben. Gekauft haben sie den Fuchs an einer bayerischen Autobahnraststätte. Doch Wildtiere wie dieser Fuchs werden weder stubenrein, noch lassen sie sich anleinen. Als Haustier sind sie gänzlich ungeeignet und dennoch im Trend, sagt Markus Baur. Vor einigen Jahren waren es die Waschbären und Stinktiere. Jetzt schwappen die Polarfüchse aus Russland zu uns nach Europa.

Manche Gesetze begünstigen mafiöse Strukturen

Der Handel mit zu jungen, ungeimpften oder geschützten Tieren verstößt in Deutschland gegen das Tierschutz- und Tierseuchenrecht. Deshalb mussten die Tiere aus dem "Waidhaus-Transport" in verschiedenen Tierheimen und der Münchner Reptilien-Auffangstation untergebracht werden.

Dabei war Deutschland vermutlich nur Transitland. Die Fahrer des "Waidhaus-Transports" wollten weiter nach Belgien. Hier hat der Staat zum Schutz von Tieren eine sogenannte Positivliste erlassen. Sie regelt, welche Tiere als Haustiere gehalten werden dürfen. Durch das gut gemeinte Gesetzt jedoch werden viele Tiere illegal und somit zur lukrativen Schmuggelware.

In Bayern werden die meisten illegalen Transporte gestoppt

Drei Viertel aller illegalen Tiertransporte bundesweit werden in Bayern gestoppt. Ob ihre Zahl zu- oder abnimmt, können weder der Deutsche Tierschutzbund noch das Umweltministerium mit Zahlen belegen. Denn: Es wird nicht gezielt nach illegalen Tiertransporten gesucht. Sie sind Beifang am Flughafen Zoll oder bei der Schleierfahndung der Bundespolizei. Was allerdings feststeht: Es sind immer häufiger exotische Tiere dabei.

Hundewelpen aus Osteuropa als Billigware

Jetzt zur Weihnachtszeit werden auch wieder vermehrt Transporter mit Hundewelpen und Katzenbabies entdeckt. Vor wenigen Tagen stoppten Schleierfahnder der Bundespolizei bei Bad Reichenhall einen Transporter aus Rumänien. Sein Inhalt: Drei Hundewelpen, maximal sechs bis acht Wochen alt. Also viel zu jung für den Handel und ohne gesetzlich vorgeschriebene Tollwut-Impfung. Die drei Welpen sind jetzt in der Quarantänestation des Tierheims Quellenhof-Passbrunn bei Dingolfing untergebracht. Mindestens zwei Monate lang müssen sie hier isoliert leben, bis ihre Tollwut-Impfung greift.

Tierheimleiterin Ilona Wojahn vermutet, dass die Welpen als Weihnachtsgeschenke im Internet bestellt wurden. Wojahn ist auch Vorsitzende des Tierschutzbundes Bayern. Auf Kleinanzeigen-Portalen im Internet findet sie derzeit laufend Hundewelpen, die viel zu billig, für wenige Hundert Euro, angeboten werden. Von seriösen Züchtern können diese Angebote nicht stammen. Gerade in der Weihnachtszeit gebe es vermehrt Hundewelpen, die für weniger als Tausend Euro angeboten werden, so Wojahn.

Das Haustier per Mausklick. "Jeder Mensch der Tiere wie Billigware im Netz kauft, macht sich schuldig an diesem Thema", sagt Tierarzt Markus Baur.

Enorme Kosten für die Landratsämter

Die Täter des illegalen Tierhandels sitzen meist im Ausland – beispielsweise in Ungarn, Rumänien, Bulgarien. Und müssen kaum eine Strafe befürchten, da EU-weite Abkommen fehlen. Die Kosten für die Versorgung der Tiere bleibt an den Landratsämtern hängen, in deren Bereich die Tiere aufgegriffen wurden. Im Fall des Transports von Waidhaus ist es der Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Auf BR-Anfrage teilt das Landratsamt mit:

"Ganz grob kostet ein Quarantänewelpe den Landkreis 1.200,- bis 1.500,- Euro. Derzeit liegen Rechnungen aus der Auffangstation München über 41.000 Euro vor. Die Rechnung für die 26 Welpen von anderen Einrichtungen stehen noch aus."

Wer es ernst meint mit seinem Haustier, sollte ihm genau die Lebensbedingungen bieten können, die es braucht, sagt Tierarzt Markus Baur. Und am Ende auch begreifen, dass es Tiere gibt, die sich nie zum Haustier eignen werden.