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#ihrmachtunsnackt: Protest eines Tätowierers findet Nachahmer | BR24

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Stiller Protest: Dawid Hilgers-Lehner will auf die Situation Solo-Selbständiger aufmerksam machen

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#ihrmachtunsnackt: Protest eines Tätowierers findet Nachahmer

Nackt und mit einem Schild hat ein Bayreuther Tätowierer auf die Situation vieler Solo-Selbständiger in der Corona-Krise hingewiesen. Innerhalb weniger Tage hat die Aktion unter dem Hashtag #ihrmachtunsnackt schon viele Nachahmer gefunden.

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Von
  • Kristina Kreutzer
  • Thorsten Gütling

Der Protest eines Bayreuther Tätowierers geht viral. "Es ist Zeit zu protestieren, wenn Existenzen, die über Jahre mit Leidenschaft aufgebaut wurden, zu Grunde gerichtet werden und man nicht mehr weiß, wie man seinen Lebensunterhalt bestreiten soll. Es ist Zeit zu protestieren, wenn Kunst und Kultur kurz vor dem Aussterben sind", schreibt Dawid Hilgers-Lehner auf der Facebook-Seite seines Bayreuth Tattoo-Studios.

Hilferuf: "Wir sind auch noch da"

Er ist gelernter Intensivpfleger und hat selbst acht Jahre auf einer Intensivstation gearbeitet, erzählt er im BR-Gespräch. Wie wichtig entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie seien, sei ihm durchaus bewusst. Er wisse, dass das für alle eine große Herausforderung sei. Dennoch wolle er mit seiner Aktion auf die Solo-Selbstständigen aufmerksam machen, die seit Monaten auf ihre Soforthilfen warten. "Wir sind auch noch da", so Hilger-Lehner.

Fehlende Novemberhilfe bricht vielen das Genick

Seine Kritik: Immer wieder werde kommuniziert, dass Gewerbetreibenden schnell und unbürokratisch geholfen werde. "Das ist definitiv nicht der Fall. Ich stehe in regem Austausch mit Freunden und Bekannten. Viele haben die angekündigten Novemberhilfen noch nicht bekommen – oder nur Abschlagszahlungen, also 50 Prozent davon", so der Bayreuther. Das monatelange Warten breche vielen das Genick.

Kommunikation mangelhaft

"Wir sitzen alle im selben Boot", so Hilgers-Lehner. Ihm gehe es nicht darum, nur für Tätowierer zu sprechen, sondern für alle Solo-Selbstständigen. Es fehle an einer besseren Kommunikation zwischen Regierung und Bevölkerung. Es sei nicht nachvollziehbar, warum im März die Soforthilfen gekommen seien – wenn auch nicht unbürokratisch – nun im zweiten Durchgang nicht. Es sei nicht nachvollziehbar, warum es sich so verzögere.

Stiller Protest soll Aufmerksamkeit bringen

Er sei durchaus dankbar, dass es überhaupt die Möglichkeiten der Hilfen gebe. Auch deshalb wolle er mit einem eher stillen Protest etwas bewirken und Aufmerksamkeit generieren. Zu viele hetzerische und reißerische Texte, die die Grenzen sprengten, seien im Umlauf. "Davon will ich komplett Abstand nehmen. Deshalb habe ich mich für den stillen, aber visuell lauten Protest entschieden. Mit dem etwas gewagten Bild. Mir war klar, dass das Aufmerksamkeit bringt und ich habe gehofft, dass es viral geht."

#ihrmachtunsnackt: Zahlreiche Nachahmer im Netz

Das ist gelungen: Die von ihm gestartete Protestaktion hat in den sozialen Netzwerken bereits große Aufmerksamkeit gefunden. "Mit meinem Post habe ich allein schon 230.000 Menschen erreicht und die Rückmeldungen sind enorm", so der Bayreuther. Immer mehr Selbstständige machen es ihm nun nach und posten ebenfalls ein nacktes Bild von sich mit dem entsprechenden Schild "#ihrmachtunsnackt". Alleine auf Instagram wurde der Hashtag bereits 135 Mal verwendet.

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