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Was tun für Klimaschutz? Ihre Tipps und Ideen - Teil 2 | BR24

© BR24-Leserin Gabriela Schimmer-Göresz.

Gemüse aus dem Garten von Gabriela Schimmer-Göresz.

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Was tun für Klimaschutz? Ihre Tipps und Ideen - Teil 2

Gemüse aus dem Garten, ein persönliches Tempolimit im Auto, Einkauf mit dem Lastenrad, eine Warmwasser-Solaranlage auf dem Hausdach, "Ferien dahoam": BR24-Leser haben uns eine Fülle von Ideen für Klimaschutz im Alltag geschickt.

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Die Ansichten der BR24-Leser gehen weit auseinander. Rudolf Gutbrot aus Atting verkündet: "Für den Klimaschutz mache ich gar nichts." Er zweifelt einen von Menschen gemachten Klimawandel an, spricht von Hysterie und Propaganda. Dagegen ist Georg Ludwig aus Herrsching überzeugt: "Wenn man will, kann man für die Umwelt selbst einiges tun." Auch Johannes Wolffhardt aus Fuchstal betont: "Jeder einzelne muss seine Handlungen am Klimaschutz orientieren."

Eine Ansicht, die viele Menschen in Bayern teilen, wie die Einsendungen von BR24-Lesern auf unseren Aufruf hin zeigen. Nach einer ersten Auswahl der Einsendungen hier weitere Tipps und Ideen:

Zwei statt vier Räder

Viele Leser berichten, dass sie der Umwelt zuliebe auf Autofahrten verzichten. Richard Hofmann aus Freising beispielsweise hat seit fünf Jahren kein Auto mehr und lebt "im Wesentlichen ganz glücklich ohne". Kurzstrecken legte er mit dem Fahrrad zurück, "und Bier hol' ich mit dem Anhänger". Zur Arbeit nimmt er seit mehr als 30 Jahren den Zug. "Und für 2020 oder 2021 plane ich ein vierrädriges E-Fahrrad mit Kabine, sodass ich auch bei Eis und Schnee fahren kann." Michael Dehner aus Augsburg fährt jetzt schon jeden Tag mit dem Fahrrad zum Büro, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten - 16 km am Tag.

Marcel Hoffmann aus Bietigheim-Bissingen betont, dass gerade kurze Fahrten bis fünf Kilometer problemlos mit dem Lastenrad statt mit dem Auto absolviert werden könnten. "Was in Dänemark und Holland funktioniert, muss auch in Bayern möglich sein." Auch Luisa Scheck aus Regensburg erledigt ihre Einkäufe per Fahrrad mit Lastenanhänger - obwohl der nächste Supermarkt fünf Kilometer entfernt ist. Siegfried Glotz aus Höchstadt an der Aisch wohnt an einem steilen Hang und hat sich für Einkäufe daher ein E-Bike angeschafft, um das Auto öfter stehenlassen zu können. "Wir haben schon 150 km eingespart."

© BR24-Leser Marcel Hoffmann.

Mit dem Lastenrad Autofahrten vermeiden.

Überzeugter Radfahrer ist auch Klaus Richter aus Kirchheim, er beklagt allerdings, dass München nicht gerade fahrradfreundlich sei, insbesondere bei den öffentlichen Verkehrsmitteln: "Gerade zu den Stoßzeiten sollte die Mitnahme von Fahrrädern gefördert werden und nicht verboten sein", verlangt er. "Als ich neulich eine Fahrradpanne hatte, wollte ich in einen (fast leeren) MVG-Bus steigen - hier ist die Mitnahme aber grundsätzlich verboten und ich musste zwei Kilometer schieben. Das ist mir völlig unbegreiflich."

Auch Sebastian E. aus Bayreuth meistert seinen Alltag ohne Auto - ist aber unzufrieden mit dem Angebot der Bahn: "Leider ist der Zugverkehr hier in Oberfranken noch größtenteils Diesel betrieben." Während viele kleine Strecken mit Stromleitung ausgestattet seien, sei dies auf der Trasse Nürnberg-Bayreuth-Hof nicht der Fall.

© Klaus Richter

Trotz Fahrradpanne durfte Klaus Richter nicht in den Bus steigen.

Das Tempo drosseln

Klaus H. aus München ist zwar weiterhin mit dem Auto unterwegs, versucht dabei aber, möglichst umweltschonend zu fahren. Dafür hat er sich selbst ein Tempolimit auferlegt: "Ich fahre mit dem Auto auf Autobahnen höchstens 100 km/h und auf Landstraßen höchstens 80 km/h, das spart Sprit und Abgase und bringt eine entspanntere, ruhigere Fahrweise mit sich." An jeder roten Ampel schaltet er außerdem den Motor kurz aus - "für etwas bessere Luft und weniger Lärm".

Georg Ludwig aus Herrsching sieht hier die Politik gefordert: "Wieso kann unsere Regierung nicht Geschwindigkeitsbeschränkung auf 130 Km/h auf Autobahnen vorschreiben wie in anderen Ländern?" Micaela Netzer aus Gilching plädiert für ein "Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen".

Schluss mit Formel 1 und Kreuzfahrten

Netzter ist darüber hinaus der "weltweite Formel 1-Zirkus" ein Dorn im Auge. Er diene im Grunde "der heute nicht mehr vertretbaren Verherrlichung des Fetisches 'Auto'".

Matthias Marquardt richtet auf Facebook den Blick auf die Meere: "Ich warte darauf, dass endlich Luxus-Kreuzfahrschiffe und andere Ozeanriesen in Deutschland und Europa verboten werden. Die stoßen mehr CO2 aus als alle Fahrzeuge der Erde zusammen."

Am Boden bleiben

Eine Reihe BR24-Leser bemüht sich, klimaschonend zu reisen. "Ich verzichte seit 2007 auf Flugreisen", schreibt zum Beispiel Michael Richter aus Hof. Ähnliches berichtet Georg Ludwig aus Herrsching: "Wir machen keine großen Urlaubsreisen mehr, besonders keine Flugreisen. Man sollte sich das Obst, besonders Äpfel, in den Einflugschneisen ansehen: Die Schale haben einen grauen Film darauf. Unsere schönsten Urlaube waren zu Fuß oder mit dem Fahrrad."

Unmittelbar zu spüren bekommt die Folgen des regen Flugverkehrs die Familie Helm aus Fahrenzhausen im Kreis Freising. "Man zweifelt oder verzweifelt, wenn man täglich von 5 Uhr morgens bis 24 Uhr abends im Minutentakt Flugzeuge über dem Haus und Garten hat", schreibt Eileen Helm. "Ich frage mich für mich, meinen zweijährigen Sohn und alle anderen, die hier leben: Wer schützt uns?" Und Johann Helm schildert: "Lärm und Abgase ohne Ende. Wenn jeden Tag Millionen Liter Kerosin verbrannt werden, kann das kein Umweltbewusstsein sein. Wir haben uns bei der Politik beschwert, aber die tut nichts. "

"Ferien dahoam"

Um den Flugverkehr zu beschränken, wünscht sich Sönke Remmert aus Bayreuth von der Staats- oder der Bundesregierung "massive Förderprogramme unter dem Motto 'Urlaub zu Hause' oder 'Ferien dahoam'." Das wäre ihrer Ansicht nach ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. "Landesregierungen und Kommunen sollten sich in jeder Region überlegen, wie man den Urlaub zu Hause attraktiv macht. Naherholungsgebiete vor der eigenen Haustür sind dabei ebenso wichtig wie Parks, Baggerseen, kulturelle Einrichtungen wie Museen, Konzerte jeglicher Couleur sowie Theater."

© BR24-Leser Michael Richter.

Papierflieger von BR24-Leser Michael Richter.

Selbst Energie erzeugen

Herbert Forkl aus Lauterhofen setzt auf selbst erzeugte Energie: Er hat eine Warmwasser-Solaranlage am Dach. Mit einem Nachbarn teilt er sich außerdem eine Holzhackschnitzel-Heizung. Georg Ludwig aus Herrsching schreibt: "In unserem Einfamilienhaus haben wir bereits seit 1991 eine Solaranlage für Warmwasser und einen Grundofen eingebaut sowie große Flachheizkörper, dahinter spezielle Isolierung."

Demonstrieren gehen

Sonja Schuhmacher aus Weiden appelliert an die Menschen, die Politik unter Druck zu setzen - zum Beispiel durch die Teilnahme an den "Fridays for Future"-Demonstrationen. "Meine erwachsenen Kinder und ich leben weitgehend vegan, wir verzichten auf Flugreisen, ich habe eine Fotovoltaik auf dem Dach - aber all dies führt nicht zum Sinken der CO2-Emissionen, solange die Regierenden in München und Berlin jede sinnvolle Klimaschutzpolitik blockieren."

Michael Brack aus Urspringen plädiert für eine Art ökologisches Punktekonto: "Am Anfang muss ein international anerkanntes Wissenschaftsforum den Schlüssel für Plus- und Minuspunkte festlegen. Diese Info wird an alle Haushalte verteilt. Dokumentiert wird auf USB-Stick, den jeder Bürger wie einen Personalausweis erhält. Mit dem Steuerausgleich erfolgt die Erstattung." Pluspunkte könne es zum Beispiel für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder das Mitnehmen eines Anhalters geben, für das Ausschalten des Handys in der Nacht, für Solarzellen am Haus.

Müll vermeiden

Martin Schrembs aus Pegnitz empfiehlt, sich für den Kaffee Zeit zu nehmen - und ihn im Café aus der Tasse, statt unterwegs aus dem Pappbecher zu trinken. Auch Aluminium und Plastik als Verpackungsmaterial für Essen zum Mitnehmen gelte es zu vermeiden. "Stattdessen ins Restaurant oder selber kochen." Sebastian E. aus Bayreuth verzichtet auf abgepackte Brot- und Fleischwaren im Supermarkt und kauft stattdessen beim Bäcker und Metzger ein.

Noch einen Schritt weiter geht Luisa Scheck aus Regensburg: "Wir kaufen plastikfrei ein." Zum Einkauf auf dem Wochenmarkt nimmt sie ihre eigenen Schüsseln und Beutel mit, für ihr Kind nutzt sie Secondhand-Kleidung. Und Alexandra Hessler berichtet: "Ich habe seit fast drei Jahren so gut wie nichts neu Produziertes mehr gekauft: Kleidung, Geschirr, Bücher... - alles 'pre-loved' und re-used :-). Macht Spaß!"

Klimaschutz auf dem Teller

Mika Brunner rät auf Facebook zu einer Ernährungsumstellung: "Wer wirklich etwas für das Klima tun möchte, der muss auf pflanzliche Milch umstellen und sämtliche Tierprodukte wie Fleisch und Eier weglassen. Klimaschutz beginnt auf dem eigenen Teller."

Selber anbauen

Barbara Völpel aus Thalham kritisiert, "dass man bei uns acht Monate fast nur Zwiebeln aus Neuseeland und Australien in den Supermärkten kaufen kann. Wenn ein Kilo Zwiebel für 49 Cent auch noch um die halbe Welt reisen kann und billiger ist als eine hier gewachsene Zwiebel, stimmt etwas nicht mehr."

Gabriela Schimmer-Göresz aus Weiler hat für sich eine Lösung gefunden: "Wir nutzen unseren Garten für die Selbstversorgung bei Obst und Gemüse. Dazu gibt es selbstgemachte Fruchtweine, Essig, Marmeladen, Eingemachtes und Eingefrorenes für das ganze Jahr. Alles in Bio-Qualität ohne Chemie und Transport-CO2."

"Jede Blume zählt"

Viel Zeit in ihren Garten investiert auch Claudia Däubler-Hauschke aus Coburg: "Farbenfrohe Blüten locken Insekten an, diese bestäuben die Obstbäume, die wiederum Schatten spenden. Jeder kann etwas für das Mikroklima und die Biodiversität in seinem Umfeld tun. Jeder Baum, jede Blume zählt!"

Birgit Bensinger aus Tegernheim hat ein Carport-Dach mit "extensiver Dachbegrünung" angelegt: "Die Kosten für den Dachaufbau und die Pflanzen sind nicht unerheblich, aber der Blick aus meinem Küchenfenster zeigt, dass es sich auf alle Fälle gelohnt hat." Sie wünscht sich, dass solche Begrünungen zum Standard werden.

© Claudia Däubler-Hauschke.

Farbenfrohe Blüten im Garten von Claudia Däubler-Hauschke.

Herzlichen Dank allen, die mitgemacht haben - auch denen, die wir aufgrund der vielen Einsendungen nicht berücksichtigen konnten!

© BR

Vieles, was dem Klima gut tut, tut auch uns Menschen gut. Im Kleinen: dem ganz alltäglichen Leben.