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Corona und Schule

"Ihr sads genial!": Rottal-Inn hält in der Krise zusammen | BR24

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Der Landkreis Rottal-Inn ist einer derjenigen in Bayern, der von der Corona-Pandemie besonders stark getroffen wurden. Umso schöner ist es, dass sich gerade jetzt, in dieser schweren Zeit, ein Zusammenhalt in der Gesellschaft bemerkbar macht.

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"Ihr sads genial!": Rottal-Inn hält in der Krise zusammen

Der Landkreis Rottal-Inn ist einer der Landkreise in Bayern, den es hinsichtlich der Infektionsrate mit dem Coronavirus besonders schwer getroffen hat. Umso schöner ist es, dass sich dort nun solidarischer Zusammenhalt bemerkbar macht.

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"Danke, ihr sads genial!" - Der niederbayerische Kabarettist Woife Berger alias "Der Fälscher" hat ein Lied für alle stillen Helden der Coronakrise geschrieben. Es geht um Zusammenhalt. Denn seinen Heimat-Landkreis Rottal-Inn hat das Virus besonders hart getroffen.

Ein Lied für alle Menschen, die Großartiges leisten

Vor einigen Wochen schrieb der Kabarettist aus Wittibreut das Lied für alle Menschen, die sich besonders in dieser Zeit aufopfern, um anderen zu helfen.

"Ich hatte die Fotos gesehen, auf denen eine italienische Krankenschwester vor Erschöpfung zusammengebrochen ist und da habe ich mir gesagt: Da muss etwas gemacht werden. Da schreibe ich ein Lied." Wolfgang "Woife" Berger, Kabarettist und Liedermacher

Kabarettist Berger kennt die Pflegebranche

Berger kommt selbst aus der Pflege und kennt daher die täglichen Herausforderungen. Jetzt, als Künstler, hat der Kabarettist zu kämpfen: Auftritte sind abgesagt, Einnahmen fallen weg. "Ab wann können wir Kleinkünstler, mit einem Publikum von vielleicht gerade mal 100 Menschen, wieder auf die Bühne gehen?", fragt er. Bei ihm sowie seinen Kolleginnen und Kollegen würde es mittlerweile an die Existenz gehen. Dennoch lässt er sich seine Kreativität nicht nehmen.

Das Musikstück für alle helfenden Hände während dieser Zeit heißt "Danke, ihr sads genial". Jedoch blieb es nicht bei der Ursprungs-Variante: "Im Laufe dieser Wochen habe ich bemerkt, dass es eben nicht nur die Pflege- und die Ärzteschaft ist, die so genial ist", sagt Berger. Es seien eben auch viele andere Menschen im Landkreis, die "das Ganze am Laufen halten". Und dafür gibt es im Landkreis Rottal-Inn zahlreiche Beispiele:

Eggenfelden: Lieferservice und gemeinnützige Organisationen

Seit 2015 gibt es das Restaurant Lubil am Stadtplatz von Eggenfelden. Seit den Ausgangsbeschränkungen dürfen keine Gäste mehr kommen, das Restaurant stellte auf Lieferservice um. Trotz der finanziellen Herausforderung geht Koch Maximilian Fumy weiter gerne in die Arbeit: "Es ist immer noch gutes Essen, auch wenn es jetzt halt in Pappschachteln kommt", sagt der Koch. Seit etwa fünf Jahren arbeitet er im Luibl. Das Restaurant arbeitet aktuell auch mit gemeinnützigen Organisationen zusammen, unterstützt diejenigen, die besonders jetzt Hilfe - auch in Form von Lebensmitteln - brauchen.

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Das Restaurant Lubil am Stadtplatz von Eggenfelden bietet Lieferservice an

Besonders die Rückmeldungen der Kunden geben dem Lubil-Koch Max Fumy neuen Antrieb. Er genießt die vielen Posts auf Instagram oder Facebook. Seine Motivation: "Die Leute geben uns auch jetzt ein super Feedback. Und das ist das, was antreibt, was Spaß macht."

Hebertsfelden: Über 10.000 Masken durch "Nähen gegen Corona"

Der Wunsch zu helfen - damit hat es angefangen. Mittlerweile sind über 100 Näherinnen dabei - und über 10.000 Masken angefertigt. "Nähen gegen Corona" heißt das Projekt, das Petra Fuchs vom gemeinnützigen Verein "Spielcafé der Generationen" ins Leben gerufen hat. "Es ist mir ein sehr großes Bedürfnis, zu helfen", sagt Fuchs, während sie auf die bunten Masken blickt, die an einer roten Leine an ihrem Gartenzaun hängen. Jeder, der eine Maske benötigt, kann sich hier eine nehmen. Wer möchte, kann eine Spende in den Briefkasten einwerfen, aber auch Stoffe und Gummibänder beisteuern. Oder sich dem Projekt anschließen.

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Petra Fuchs vom gemeinnützigen Verein "Spielcafé der Generationen" neben dem Zaun, an dem die selbstgenähten bunten Masken hängen

Die handgemachten Masken sollen denjenigen helfen, die sie dringend brauchen. Jeder kann sich am Projekt beteiligen. Petra Fuchs strahlt, wenn sie die Masken - lila, mit weißen Blümchen oder blau-weiß-gestreift - betrachtet. Ihre Motivation: "Wir wollen etwas Gutes tun. Wir nähen Mundmasken für Einrichtungen, für soziale Träger, aber auch für VerkäuferInnen und eigentlich für jeden, der eine braucht."

Zeilarn: Regionale Produkte stärken

"Bleibts gesund!" - Diese Worte zieren eine schwarze Kreidetafel, die neben dem Brotsortiment in Michaela Hölzlwimmers Dorfladen hängt. Mit einem Lächeln begrüßt die Geschäftsinhaberin jeden Kunden, selbst wenn die aktuelle Lage es ihr oftmals erschwert. Dennoch habe die Krise einen positiven Nebeneffekt, sagt Michael Hölzlwimmer. "Es gibt täglich Kunden, die den Dorfladen neu entdecken. Und die stellen dann fest: ´Hey, im Dorfladen gibt es alles, was ich brauche`". Die Geschäftsführerin hofft, dass die Menschen vielleicht jetzt regionale Produkte und Anbieter ein wenig mehr schätzen werden. Ihre Motivation: "Jeden Tag den Zusammenhalt in der Gemeinde zu sehen und die gute Laune der Kunden."

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Der Dorfladen in Zeilarn

Pfarrkirchen: Büchertaxi bringt Lesestoff nachhause

Die silberne Glitzerschuppe des Regenbogenfischs schimmert im Sonnenschein. Schaut man genau hin, strahlt sie ganz leicht durch die Kofferraumscheibe von Jürgen Seibolds Auto. Der Regenbogenfisch ist ein beliebtes Kinderbuch, das jetzt in Form einer ozeanblauen Papiertüte im besagten Kofferraum liegt. Genauso wie eine graue Plastikbox, gefüllt mit Romanen, Sach- und zahlreichen Kinderbüchern. "Im Moment bin ich halb Buchhändler, halb Postbote", sagt Jürgen Seibold, der für die Buchhandlung Böhm in Pfarrkirchen arbeitet. Während die Menschen zuhause bleiben sollen, versorgt Seibold sie mit Lesestoff. Dafür fährt er durch den Landkreis und lässt sich mit den Kunden etwas Kreatives für die Übergabe einfallen: Oftmals hilft der Gartenzaun aus, an den Seibold die begehrte Ware in einer Tüte hängt. Aber auch Gartenbänke dienen zum sicheren Austausch. Seine Motivation: "Es sind ganz viele Kinderbücher, die bestellt werden. Wenn man dann die lachenden Gesichter am Gartenzaun sieht, das tut gut." (Anm. d. Red.: Mittlerweile hat der Bücherladen Böhm wieder geöffnet)

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Jürgen Seibold von der Buchhandlung Böhm in Pfarrkirchen vor seinem Kofferraum, in dem er Bücher hat, die er ausfährt