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Eine ifo-Studie stellt dem Distanzunterricht ein schlechtes Zeugnis aus.

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    Ifo-Studie: Schlechtes Zeugnis für Distanzunterricht

    Die coronabedingten Schulschließungen Anfang des Jahres haben bei den Schülern Spuren hinterlassen. Wie eine Untersuchung des Münchner ifo-Instituts zeigt, gingen pro Tag durchschnittlich mehr als drei Stunden Lernzeit verloren.

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    Von
    • Adrian Dittrich

    Nach einem Jahr Pandemie stand für die meisten Schulkinder in Deutschland Anfang des Jahres wieder Distanzunterricht auf dem Stundenplan. Das Münchner Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ifo hat jetzt in einer deutschlandweiten Umfrage gezeigt, wie sich der Schulalltag der Kinder in dieser Zeit im Vergleich zu den ersten Schulschließungen im Frühjahr 2020 verändert hat. Dabei wurden insgesamt 2.122 Eltern jeweils nach der Schulsituation ihres jüngsten Kindes befragt.

    Drei Stunden weniger Lernzeit als vor Corona

    Das Ergebnis: Anfang 2021 haben die Schulkinder in Deutschland am Tag 4,3 Stunden mit schulischen Aufgaben verbracht. Das ist zwar eine Dreiviertelstunde mehr als noch im ersten Lockdown 2020, insgesamt aber immer noch ganze drei Stunden weniger als in Zeiten vor Corona. Und auch beim Online-Unterricht gibt es nach einem Jahr Pandemie laut der Umfrage nur geringe Fortschritte.

    "Es ist so, dass mittlerweile schon etwa ein Viertel der Schüler täglich gemeinsam Online-Unterricht hat. Das sind deutlich mehr als im ersten Lockdown. Es ist aber andererseits auch so, dass zwei von fünf Schülern weiterhin nur höchstens einmal in der Woche gemeinsam Online-Unterricht haben. Für die ist der Alltag, dass man Arbeitsblätter zugesendet bekommt und diese bearbeiten muss", sagt Prof. Dr. Ludger Wößmann, Bildungsökonom am ifo-Institut.

    Kinder mit mehr Zeit am Smartphone, Fernseher oder an der Konsole

    Im Vergleich zu ihrer schulischen Aktivität verbringen die Kinder zu Hause dagegen deutlich mehr Zeit an ihren Smartphones, vor dem Fernseher oder beim Computer-Spielen - laut der Umfrage des ifo-Instituts ganze 4,6 Stunden am Tag. Henrike Paede, die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands, hat allerdings Verständnis dafür, dass Jugendliche in dieser Ausnahmezeit die sozialen Medien stark nutzen.

    "Auf der anderen Seite müssen die Sozialkontakte irgendwie stattfinden. Das ist gerade im Schüleralter besonders wichtig. Das trägt ja einfach zur Entwicklung bei. Und da haben wir sogar auch vorsichtig dafür plädiert, den Kindern zusätzliche Medienzeit für die Sozialkontakte einzuräumen", so Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands

    Körperliche und psychische Folgen

    Die Lockdown-Zeit zu Hause vor den digitalen Bildschirmen hat allerdings auch gesundheitliche Folgen für die Kinder. So gibt ein Drittel der befragten Eltern an, dass ihr Kind aufgrund der fehlenden Bewegung deutlich an Körpergewicht zugenommen hat. Wegen der fehlenden Möglichkeiten, sich draußen beim Mannschaftssport zu beweisen oder mit mehreren Freunden zu treffen, leidet außerdem das psychische Wohlbefinden der Kinder – und das deutlich mehr als noch im ersten Lockdown. Eben das wirkt sich im Umkehrschluss auch auf die schulischen Leistungen aus, glaubt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen Verbands (BBLV).

    "Ich hatte oft Schüler, gerade in der Mittelstufe, die waren am Wochenende total erfolgreich beim Fußballspiel und haben zwei Tore geschossen. Auf einmal war der in Mathe besser. Aber wir wissen, was da zusammenhängt. Dieses Gefühl von 'ich bin gut, ich wurde gelobt, ich wurde gesehen, andere finden mich cool, ich hatte außerschulisch Erfolg' schwappt eins zu eins in die Schule", so Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV.

    Kinder aus nicht-akademischen Haushalten mit deutlichen Nachteilen

    Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Kinder, die schon vor Corona mit Leistungsschwächen zu kämpfen hatten, lernen auch im Distanzunterricht deutlich weniger konzentriert und effektiv. Das trifft vor allem auch auf Schulkinder aus nicht akademischen Haushalten zu, da dort eine individuelle Förderung von den Eltern meist nicht möglich ist. Doch immerhin hat ein Großteil der Kinder 2021 unabhängig von der sozialen Herkunft nun einen Zugang zu Computer und Internet für den Distanzunterricht.

    Laut der Umfrage hat das auch zur Folge, dass die Fähigkeiten der Schulkinder im Umgang mit digitalen Technologien noch einmal deutliche gewachsen sind. Auch beim eigenständigen Erarbeiten von Unterrichtsstoff hat die "Schulgeneration Corona" gezwungenermaßen deutlich zugelegt. Qualifikationen, die die Schülerinnen und Schüler im späteren Berufsleben gut gebrauchen können.

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