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Idee in Corona-Zeiten: Online-Schulung für die Jugendfeuerwehr | BR24

© Jugendfeuerwehr Unterpleichfeld

Ein Mitglied der Unterpleichfelder Jugendfeuerwehr übt einen Rettungsknoten im Online-Unterricht

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    Idee in Corona-Zeiten: Online-Schulung für die Jugendfeuerwehr

    Corona und Kontaktbeschränkungen machen den Jugendfeuerwehren das Vereinsleben schwer. Gemeinsame Treffen für die Grundlagenkurse sind nicht mehr möglich. Die Feuerwehr im unterfränkischen Unterpleichfeld setzt deshalb auf ein Homeschooling-Modell.

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    Von
    • Jochen Wobser

    Nachwuchsprobleme hat die Freiwillige Feuerwehr in Unterpleichfeld nördlich von Würzburg nicht. Immerhin 16 Kinder und Jugendliche sind in den zwei Jugendgruppen aktiv. Das sei schon ganz ordentlich, meint Jugendwart Sven Hoveling. Da hätten es andere Feuerwehren in Bayern schwerer, junge Menschen für Rettungsknoten und Fahrzeugkunde zu begeistern.

    Aber die Unterpleichfelder haben ein Problem, das alle Jugendfeuerwehren eint. Wegen der Corona-Pandemie sind Treffen für die wichtigen Schulungen nicht mehr möglich. Was also tun? Sven Hoveling ist erfinderisch geworden und hat ein Homeschooling-Modell für den Feuerwehr-Nachwuchs entwickelt.

    Feuerwehr-Schulung 2.0: Rettungsknoten im Handyvideo

    Die entscheidenden Gedanken kamen Sven Hoveling bei der Heimfahrt von seinem Nachtdienst in der Integrierten Leitstelle Schweinfurt: Wie könnte das funktionieren, seinen Jüngsten auch ohne persönliche Treffen die Grundlagen beizubringen? Mit Lehrfilmen im Netz vielleicht? Per Videokonferenz? Der Jugendwart wollte es einfach mal ausprobieren.

    Im Feuerwehrhaus demonstrierte und erklärte er mit einem Seil den "gestochenen Mastwurf", sein Sohn filmte mit dem Handy. Fertig war das erste Lehrvideo zum Thema "Knoten und Stiche". Am nächsten Tag brachte der Jugendwart jedem ein drei Meter langes Seil als Übungsmaterial nach Hause. Die erste Online-Schulung konnte beginnen.

    Skepsis bei den Kollegen, Offenheit bei der Jugend

    Zumindest bei einigen altgedienten Feuerwehr-Kollegen kam die Idee aber erstmal nicht so gut an, sagt Sven Hoveling. "Da kamen dann so Sprüche: Wie soll das denn gehen, Knoten als Online-Schulung? Das wird doch nix." Bei den Kindern und Jugendlichen habe das anders ausgesehen. Der zwölfjährige Nils Krönert zum Beispiel war gleich begeistert: "Ich hab mir gedacht: Endlich kommen wir wieder voran, endlich ist wieder Feuerwehr." Zwar nur im Netz und ohne persönlichen Kontakt. Aber besser als nichts.

    © BR/Jochen Wobser

    Jugendwart Sven Hoveling (vorne) mit einigen Aktiven der Jugendfeuerwehr Unterpleichfeld

    Bei seinen Online-Schulungen setzt Sven Hoveling auf eine Mischung aus Lehrvideos und Videokonferenz. Der neue Youtube-Kanal mit den Handyvideos ist mittlerweile recht rege besucht. Offenbar üben inzwischen nicht nur die Unterpleichfelder anhand der Lehrfilme. Und bei den Schulungseinheiten per Videokonferenz ist dann auch direktes Feedback möglich. "Wir haben zuhause auch eine Webcam am Computer", erzählt Nico Krönert, der Zwillingsbruder von Nils. "Da können wir den Sven auch mal fragen, ob er er uns zum Beispiel einen Knoten nochmal vormacht. Das klappt echt gut."

    Auch der Kreisbrandmeister ist angetan

    Besonders für den Theorieunterricht sei das Online-Format gut geeignet, erzählt Jugendwart Sven Hoveling. Davon profitiere auch der etwas ältere Nachwuchs zwischen 14 und 18 Jahren. Bei ihnen geht es darum, den Stoff für die "Truppmannausbildung" kennenzulernen. Und gerade hier macht die Unterpleichfelder Idee inzwischen Schule.

    Denn mittlerweile ist auch der Kreisbrandmeister Markus Fleder begeistert und die Feuerwehrschule Würzburg stellt Wissenstests und andere Lehrmaterialien online zur Verfügung. Fast 50 jugendliche Feuerwehrleute haben vor kurzem bei einer Online-Schulung nach dem Modell von Sven Hoveling teilgenommen. "Mal schauen, wo das noch hinführt", sagt der 39-Jährige und schmunzelt.

    Online-Unterricht als Beitrag zum Umweltschutz

    Ideen hat Sven Hoveling noch so einige. Demnächst will er die Begehung eines Feuerwehrautos im Netz übertragen. Oder mal Spezialfahrzeuge der Feuerwehrschule live im Internet erläutern. Und der Jugendwart kann sich gut vorstellen, dass die jetzt so langsam ins Rollen kommende Digitalisierung der Nachwuchs-Ausbildung auch in der Zeit nach der Corona-Pandemie hilfreich sein könnte. "Für den Theorieunterricht könnte das für die Ausbilder wirklich eine Option sein", so Hoveling. "Man müsste dann nicht alle Feuerwehren im Landkreis nacheinander abkaspern. Das wäre auch ein Beitrag zum Umweltschutz."

    Hoffen auf eine Ende der Kontaktbeschränkungen

    Aber bei allen positiven Erfahrungen, die der Online-Unterricht in Corona-Zeiten mit sich bringt: Natürlich hoffen auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Unterpleichfeld alle, dass die echten Kontakte bald wieder möglich sind. "Man sieht sich halt nur auf dem Monitor", sagt Nico Krönert. "Da fehlt schon viel. Ich wünsche mir einfach, dass Corona bald vorbei ist und ich mich wieder mit meinen Freunden treffen kann."

    © Jugendfeuerwehr Unterpleichfeld

    Screenshot einer Online-Schulung bei der Jugendfeuerwehr Unterpleichfeld

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