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Hupe statt Rauchmelder: Brandschutz in Kirchen oft mangelhaft | BR24

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Adventskonzerte, Messen im Kerzenschein, viele Menschen – in den Kirchen ist zurzeit Hochsaison. Was wenige wissen: Viele Gotteshäuser in Bayern haben keine Rauchmelder, sondern setzen auf Hupen, Anwohner und Glück. Feuerwehren fordern Nachrüstung.

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Hupe statt Rauchmelder: Brandschutz in Kirchen oft mangelhaft

Adventskonzerte, Messen im Kerzenschein, viele Menschen – in den Kirchen ist zurzeit Hochsaison. Was wenige wissen: Viele Gotteshäuser in Bayern haben keine Rauchmelder, sondern setzen auf Hupen, Anwohner und Glück. Feuerwehren fordern Nachrüstung.

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Nicht nur in der Kathedrale Notre Dame in Paris hat es gebrannt. Auch in der Reformations-Gedächtnis-Kirche und in St. Martha in Nürnberg. In St. Nikolaus im Allgäu. Im Kloster Maria Medingen bei Dillingen. Im Ingolstädter Münster. In Wörth im Landkreis Erding.

Brennende Kirchen: Todesopfer sind selten

Blitzschlag, veraltete Elektroinstallationen, vergessene Kerzen, Bauarbeiten – die Brandursachen sind ganz unterschiedlich. Menschen gerieten bei den meisten Bränden nicht in unmittelbare Gefahr. Wie groß das Risiko aber generell ist, hat der Sakristeibrand im Kloster Maria Medingen auf dramatische Weise gezeigt: Hier kam eine Nonne ums Leben.

In Wörth im Landkreis Erding waren es Friedhofsbesucher, die als erste den Rauch bemerkten. Nachbarn alarmierten sofort die Feuerwehr. Trotzdem: Die Kirche St. Peter wurde durch das Feuer am Ostersonntagabend 2016 stark beschädigt, Kirchenpfleger Stefan Schletter erinnert sich mit Schrecken daran.

"Der Hochaltar, die Gemälde wurden zerstört, die Kirche war schwarz. Alles war schwarz. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt." Stefan Schletter, Kirchenpfleger in Wörth

Wegen Religionsfreiheit: Keine Rauchmelderpflicht in Kirchen

Es passiert also gar nicht so selten, dass Kirchen brennen. Und doch gibt es keine pauschale Pflicht zum Einbau von Rauchmeldern. Weder vom Staat noch von Bistümern oder Landeskirchen.

Das liegt daran, dass die Kirchen – genauso wie die Museen, Synagogen und Moscheen – nicht zu Versammlungsstätten zählen, für die der Gesetzgeber Vorschriften in punkto vorbeugendem Brandschutz macht. Peter Bachmeier von der Münchner Feuerwehr weiß auch, warum das so ist:

"Man möchte verhindern, dass durch baurechtliche Regelung einer Versammlungsstättenverordnung die Anforderungen für Kirchen so streng werden, dass die sogar geschlossen werden müssen und die Glaubensfreiheit dadurch eingeschränkt wird." Peter Bachmeier, Brandschutzexperte der Feuerwehr München

Teure Anlagen: Nur besondere Gotteshäuser geschützt

Spezielle Rauchmeldesysteme für Kirchenräume gibt es zwar. Die sind aber teuer, bis zu 80.000 Euro pro Kirche. Flächendeckend unbezahlbar.

Allein in der Diözese Augsburg gibt es nach Auskunft des Bistums mehr als 2.000 Kapellen und Kirchen. Nur besondere Gotteshäuser mit wertvollem Kulturgut - wie der Münchner Liebfrauendom - haben eine Brandmeldeanlage.

Kirchen: Feuerwehr fordert Nachbesserungen

Auch wenn bei Kirchenbränden sehr selten Personen zu Schaden kommen, rät Brandschutz-Experte Peter Bachmeier den Gemeinden zur Prävention. Da Kirchen in der Regel ebenerdig sind und viele Türen haben, reichen nach Meinung der Feuerwehr oft auch kostengünstigere Lösungen. Die Türe offen stehen zu lassen, koste gar nichts - Feuerlöscher hinzuhängen koste fast nichts:

"Und ein Notlicht hinhängen kostet auch nicht die Welt. Da sind wir in ganz anderen Dimensionen und das fordern wir auch." Peter Bachmeier, Brandschutzexperte der Feuerwehr München

Hupe für St. Peter: "Da steht ganz Wörth"

Die Gemeinde St. Martha in Nürnberg, die 2014 bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, will auf Nummer sicher gehen. Sie hat sich jetzt von Spezialisten eine moderne Brandmeldeanlage vom Feinsten einbauen lassen: mit Aufschaltung zur Feuerwehr.

Stefan Schletter, Kirchenpfleger in Wörth, hat nach einem Kompromiss zwischen Sicherheit und Kostenaufwand gesucht für seine kleine katholische Gemeinde St. Peter. Eine Aufschaltung zur Feuerwehr war nicht drin. Nur ein internes System, das eine große Hupe auslöst und die Anwohner alarmiert. Die sollen dann die Feuerwehr rufen. "Wenn da eine laute Hupe losgeht, da steht ganz Wörth!", ist sich Stefan Schletter sicher.