BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Hunderte gedenken der Opfer des OEZ-Attentats in München | BR24

© BR / Sandra Demmelhuber

Die Polizei spricht von 400 Teilnehmern bei der Gedenkfeier am Olympia-Einkaufszentrum in München

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hunderte gedenken der Opfer des OEZ-Attentats in München

Etwa 400 Menschen haben vier Jahre nach dem Attentat am Olympia-Einkaufszentrum in München an die Opfer erinnert. Redner betonten, man solle die Tat klar als rassistisch benennen. Das Mahnmal wurde entsprechend umbenannt.

Per Mail sharen

Vier Jahre nach dem Attentat am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), bei dem am 22. Juli 2016 neun Menschen durch Schüsse getötet worden waren, haben am Mittwochabend hunderte, vor allem junge Menschen an die Opfer erinnert. Laut Polizei waren rund 400 Teilnehmer bei der Gedenkfeier am Denkmal gegenüber dem Einkaufszentrum.

Neben Familienmitgliedern der Opfer und Kirchenvertretern zählte unter anderem auch der Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle (CSU) zu den Rednern. Er betonte, dass Rassismus in der Gesellschaft keinen Platz habe. Leider sei das "Nie wieder" aber immer wieder durchbrochen worden, unter anderem bei dem rassistischen Anschlag am OEZ vor vier Jahren.

"Tiefer Schnitt in das Herz der Stadt"

Das Attentat sei ein "tiefer Schnitt in das Herz der Stadt" gewesen, sagte Afrim Nura, der Generalkonsul von Kosovo. Mehrere Opfer stammten aus Familien aus dem Kosovo. Bei der Gedenkveranstaltung waren auch zahlreiche Bekannte der Opfer - wie etwa Selim Kilenc, der nach eigenen Angaben fünf Freunde durch das Attentat verloren hatte. Er sagte:

"Es ist jetzt nicht so, dass ich jeden Tag am Weinen bin, aber hin und wieder denkt man halt daran und man hat Schmerzen, aber man kommt langsam darüber hinweg – aber man vergisst es natürlich nicht." Selim Kilenc
© BR

Selim Kilenc, der nach eigenen Angaben fünf Freunde durch das Attentat verloren hatte.

Symbolische Umbenennung des Denkmals am OEZ

Vor der Kranz- und Blumenniederlegung, dem Abschluss der Gedenkfeier, wurde das Denkmal symbolisch unbenannt: München hatte zuvor in enger Abstimmung mit den Angehörigen beschlossen, dass die Inschrift künftig lauten soll: "In Erinnerung an alle Opfer des rassistischen Attentats vom 22. Juli 2016".

Zunächst war die Tat als "Amoklauf" bezeichnet worden - in der Öffentlichkeit und auch auf der Inschrift des Denkmals. Inzwischen gilt die Tat auch offiziell als rassistisch motiviertes Verbrechen.

Auch die Politikerin Claudia Stamm (mut-Partei) verwies in ihrer Rede bei der Gedenkfeier darauf, wie wichtig es sei, die Tat nun als das zu benennen, was sie war: ein "rassistisches, rechtsextremes Attentat". Die neue Inschrift soll im Herbst eingefügt werden.

Heftige Kritik an der ursprünglichen Bewertung des Attentats

Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige Schütze David S. am OEZ neun Menschen und sich selbst erschossen. Es gab mehrere Verletzte. Die meisten der neun Todesopfer hatten einen Migrationshintergrund. Der rechtsextreme David S. litt an psychischen Problemen.

Die Ermittler hatten die Tat lange nicht als politisch motiviert, sondern als Racheakt eingestuft, obwohl es an der rechtsradikalen und rassistischen Gesinnung des Schützen keine Zweifel gab. An dieser Bewertung gab es heftige Kritik. Mehr als drei Jahre nach der Tat ordnete sie das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) dann doch als politisch motiviert ein.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!