Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Hunderte bei Friedensgebeten vor Synagogen in Bayern | BR24

© BR / Julia Mumelter

Jüdische Gemeinden in ganz Bayern solidarisieren sich mit Halle. Vor den Synagogen im Freistaat gibt es am Tag nach dem mutmaßlich antisemitischen Angriff erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und Mahnwachen.

14
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Hunderte bei Friedensgebeten vor Synagogen in Bayern

Menschen aller Religionen in ganz Bayern solidarisieren sich mit den Opfern und der jüdischen Gemeinde in Halle. Vor den Synagogen in München und Regensburg sind am Abend Hunderte Menschen zu Friedensgebeten und Mahnwachen zusammengekommen.

14
Per Mail sharen
Teilen

Die Bestürzung über den Anschlag in Halle ist auch in Bayern nach wie vor groß. Am Abend versammelten sich vor der Münchner Synagoge rund 300 Menschen. Das interreligiöse Friedensgebet am St.-Jakobs-Platz war schon lange geplant, nach dem rechtsextremen Anschlag in Halle bekam es aber eine besondere Bedeutung.

Die Teilnehmer hatten Kerzen in ihren Händen und hielten eine Schweigeminute ab. Es waren Gläubige aller Religionen dabei - solidarisch mit den jüdischen Gemeinden. "Das sei der Unterschied zu den 30er Jahren", sagte Rabbi Langnas. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass diese Gewalt und dieser Hass uns alle angehen", erklärte der katholische Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg.

Anteilnahme auch in Regensburg

Auch in Regensburg versammelten sich am Abend rund 250 Menschen zu einer Mahnwache vor der jüdischen Gemeinde. "Wir möchten unsere Anteilnahme und Solidarität gegenüber den Opfern des schrecklichen Anschlags in Halle ausdrücken und uns gemeinsam schützend vor die Regensburger Synagoge stellen", sagte Stefan Christoph, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gemeinschaft Regensburg-Oberpfalz.

Sorge um die Sicherheit in der Augsburger Synagoge

Neben Trauer und Anteilnahme ist auch die Frage nach der Sicherheit Thema. "Es hätte auch uns treffen können", sagt Josef Strzegowski von der Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg am Tag nach dem mutmaßlich antisemitischen Anschlag in Halle. Gestern war Jom Kippur, der Versöhnungstag, der als höchster jüdischer Feiertag gilt. Und auch in der Augsburger Synagoge fand ein Gottesdienst statt.

Die internen Sicherheitsvorkehrungen in der Synagoge seien gut, sagt Strzegowski im Interview mit dem BR, aber außerhalb müssten sie von den Behörden deutlich verbessert werden. Die israelitische Kultusgemeinde sei sehr in Sorge, so Strzegowski weiter.

Das Polizeipräsidium Schwaben-Nord entgegnet, dass man sensible Orte wie die Synagoge immer im Auge habe. Die Sicherheitsvorkehrungen passten die Beamten immer der jeweils aktuellen Lage an und überprüften diese dann konstant, so ein Polizeisprecher.

Amberger Rabbiner fühlt sich im Stich gelassen

Auch vor anderen Synagogen in Bayern wurden die Sicherheitsmaßnahmen angepasst und die Einsatzkräfte sensibilisiert. Der Amberger Rabbiner Elias Dray fühlt sich dennoch von der Politik im Stich gelassen. Jüdische Gemeinden würden zu wenig von der Polizei bewacht, kritisierte er im Interview mit dem BR. Es gebe für die jüdische Gemeinde in Amberg und die Synagoge die Abmachung mit der Polizei, während der Gottesdienste eine Polizeiwache vor der Tür zu haben. Das sei wiederholt nicht der Fall gewesen, bemängelt der Rabbiner.

Auch vorgestern, am Tag vor Jom Kippur, dem höchsten Feiertag der Juden, habe er die Polizei angerufen und gefragt, warum keine Streife da sei und darum gebeten, dass diese zumindest zu den Feiertags-Feierlichkeiten am Mittwoch präsent sei. Erst am Nachmittag seien die Beamten dann gekommen, nach dem Anschlag in Halle. "Wir sagen seit Jahren, man muss die Sicherheit nicht abbauen, jüdische Gemeinden müssen weiter bewacht werden", so der Rabbiner weiter.

Florian Beck vom Polizeipräsidium Oberpfalz unterstrich im BR-Interview, dass man ein gutes und enges Verhältnis zur Israelitischen Kultusgemeinde in Amberg habe. Zu dem konkreten Vorwurf, dass während des gestrigen Gottesdiensts die Polizei nicht, wie vom Rabbiner gewünscht, vor der Synagoge war, wollte Beck nicht Stellung nehmen. Man werde das nun nachprüfen.

© BR

Mehr als 500 Menschen haben in Bayern nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale der Opfer gedacht. In München kamen mehr als 300 Menschen zu einem Friedensgebet an der Synagoge zusammen.