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Pudel beim Hundefriseur

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    Hundefriseure kämpfen um Öffnung der Hundesalons

    Beim Hundefriseur geht es oft um das Tierwohl: Viele Rassen müssen regelmäßig geschnitten werden, damit das Fell nicht verfilzt. Ein Hundesalon in Sonthofen und einer in Dillingen dürfen öffnen. Aber das sind gerichtliche Einzelfallentscheidungen.

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    Von
    • Chris Baumann

    Den Hundesalons in Bayern ist die Möglichkeit, sich um das Wohl der Vierbeiner zu kümmern, nach der derzeit gültigen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nicht erlaubt – außer bei "unaufschiebbarem Bedarf". Das ist anders als in den anderen Bundesländern, dort dürfen inzwischen alle Hundefriseure unter der Vorlage und Einhaltung der entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmen arbeiten.

    Was "unaufschiebbarer Bedarf" bedeutet

    Ein unaufschiebbarer Bedarf ist nach Auskunft des zuständigen bayerischen Gesundheitsministeriums unter anderem "das Kürzen von überlangen Krallen oder Krallen, die einzuwachsen drohen, das Rasieren von verfilztem Fell, wenn weiteres Zuwarten mit der Gefahr der Hautentzündung verbunden wäre (auf tierärztliche Empfehlung) oder erforderliche medizinische Bäder (gegen Parasiten, Hautpilz) bei Tieren, die sich von ihrem Besitzer nur unter Gefahr der Verletzung für Tier und Mensch baden lassen.

    Hierbei ist aber zu bedenken, dass ein verfilztes Fell schon Tierleid bedeutet. Hundefriseurin Verena Löffler vom Hundesalon Traumfell aus Dillingen sagt, zum Beispiel "bei Pudeln ist ein regelmäßiger Besuch beim Hundefriseur nötig, weil diese Rasse schneller zu Verfilzungen neigt". Auch andere Rassen, wie Havaneser, Bolonka, Malteser und alle Doodle-Kreuzungen müssen regelmäßig zur Fellpflege, zum Teil, weil auch die Besitzer Schwierigkeiten haben, diese Kreuzungen mit Unterwollfell und möglicherweise filzigem Deckhaar zu pflegen. Trimmhunde wie Foxterrier, bei denen das Fell gezupft wird, müssen ebenfalls regelmäßig beim Hundefriseur vorbeikommen, da es sonst zu Hautirritationen und Juckreiz kommen kann.

    Eine Branche mit Zukunftsängsten

    Die Corona-bedingte Schließung hat bei vielen Hundefriseuren zu Zukunftsängsten geführt. Auch bei Verena Löffler, die seit acht Jahren selbstständig ist.

    "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie solche Gefühle gehabt. Diese Existenzängste und zuzuschauen, wie dein Geschäft, das du über Jahre erfolgreich aufgebaut hast, einfach kaputt gemacht wird." Hundefriseurin Verena Löffler

    Gerade erst ist sie in neue Räumlichkeiten gezogen. Ein wirtschaftliches Überleben wäre aktuell ohne die Unterstützung ihres Freundes nicht möglich. Ohne das für die 38-Jährige positive Gerichtsurteil "wäre es jetzt schwierig geworden, dann hätte ich meine Rente auf Eis legen müssen, das wäre ganz schön eng geworden mit den Fixkosten, die man hat".

    Gerichtsentscheidung für zwei Hundesalons

    In Dillingen, für den Salon von Verena Löffler, ist jetzt genauso wie für einen Salon in Sonthofen vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht in Augsburg die Öffnung dieser Hundesalons erstritten worden.

    Die Anwältin Astrid Miller-Jung aus Friedberg sagt: "Es ist eine Einzelfallentscheidung." Somit hat es keine rechtliche Wirkung für ganz Bayern. Im Prinzip muss jeder Hundefriseur mit seinem Salon beim Landratsamt vorstellig werden und bei Ablehnung der Öffnung vor Gericht ziehen, um eine Öffnung zu erwirken. Bei den beiden Verfahren ist das Verwaltungsgericht Augsburg unter anderem dem Vergleich mit der Öffnung einer Fahrrad- oder Autowerkstatt gefolgt. Dort stellt der Kunde das Auto oder Fahrrad vor oder in der Werkstatt ab, damit es repariert werden kann, auch beim Hundefriseur gibt der Kunde den Hund vor dem Salon ab.

    Voraussetzung ist ein entsprechendes Hygienekonzept, bei dem kein direkter Kontakt mit dem Kunden (Menschen) entsteht, weder bei der Übergabe noch dem Bezahlvorgang und bei dem der Hund im Salon, direkt vor der Behandlung, gebadet wird. Zudem sollten sich die Kunden im Übergabebereich nicht begegnen, also sollte auf gestaffelte Termine geachtet werden.

    Staatsregierung prüft "weiteren Handlungsbedarf"

    Immer mehr Hundefriseure kämpfen jetzt auf ihr Recht zu arbeiten und zu überleben. Inzwischen ist dies teilweise mit oder auch ohne Gerichtsverfahren unter anderem im Landkreis Günzburg, Neumarkt in der Oberpfalz, Aichach-Friedberg oder Augsburg der Fall. Laufende Anfragen gibt es unter anderem in Landshut, Fürstenfeldbruck, Pfaffenhofen an der Ilm und im Landkreis Nürnberger Land.

    Auf die Entscheidungen in Dillingen und Sonthofen erklärt das zuständige Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auf BR-Nachfrage: "Das Verwaltungsgericht Augsburg hat hinsichtlich der beiden Hundesalons in Sonthofen und Dillingen in zwei Einzelfällen entschieden, die keine allgemeine Wirkung für die bayerische Vollzugspraxis entfalten. Die Staatsregierung prüft derzeit, ob aufgrund der Entscheidungen weiterer Handlungsbedarf besteht."

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