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Hunde aus dem Ausland – Tierschutz oder Geldmacherei? | BR24

© BR/Judith Zacher

"Hunde in Not" oder "Wir suchen ein Zuhause" - bei solchen Überschriften und den Augen eines Welpen werden viele Tierliebhaber schwach. Die Vorsitzende des Nördlinger Tierheims hat sich die hilfsbedürftigen Hunde gesucht.

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Hunde aus dem Ausland – Tierschutz oder Geldmacherei?

"Hunde in Not" oder "Wir suchen ein Zuhause" – bei solchen Überschriften und dem Bild eines Welpen werden Viele schwach. Die Vorsitzende eines Nördlinger Tierheims hat sich auf die Suche gemacht nach den Hunden. Und eine Überraschung erlebt.

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Manuela Kaußen kennt viele Fälle, wie den von Benny: Der Rüde ist aus Osteuropa, ein Augsburger Tierheim vermittelte ihn an Besitzer in Deutschland. Nur damit er kurze Zeit später wieder im Tierheim landete, diesmal in Nördlingen. Denn Benny ist wie viele Hunde, die angeblich von deutschen Tierliebhabern gerettet werden müssen.

Kontakt mit ungarischen Tierschützern aufgenommen

Auf dem Foto im Internet sehen sie süß aus, doch in der Realität sind sie schwierig und unerzogen. Dass die neuen Besitzer nicht mit ihm zurechtkommen, merken sie oft zu spät, so dass die Hunde in deutschen Tierheimen landen. Doch woher kommen diese Hunde wirklich? Manuela Kaußen und Katrin Schwindig vom Nördlinger Tierheim wollten das selbst herausfinden und haben deshalb mit ungarischen Tierschützern aus Pecs Kontakt aufgenommen.

Keine Straßenhunde und saubere Tierheime

Schon auf dem Weg nach Pecs erlebten sie die erste Überraschung: Von den zahlreichen verwahrlosten Straßenhunden, die sie erwartet hatten, war nichts zu sehen. Und auch die Tierheime, die sie auf ihrer Reise sahen, entsprachen nicht ihren Erwartungen. "Die Zwinger waren sehr sauber und groß, alle Hunde waren in einem super Zustand", so Manuela Kaußen nach der Reise. Statt der erwarteten schlechten Zustände begegneten den beiden Frauen viele Tierschützer, die mit Herzblut versuchen, in ihrem Land ein Zuhause für die Tiere zu schaffen.

Rassehunde für unter 100 Euro

Doch Manuela Kaußen und Katrin Schwindig sahen auch die andere Seite des Tierschutzes im Ausland. Jeden Sonntag werden in Pecs hunderte von Welpen zum Verkauf angeboten. Einen Jack Russel Terrier, der in Deutschland um die 500 Euro kostet, bekommt man dort schon für 80 Euro. Listenhunde werden zum günstigen Preis an jeden Käufer abgegeben. Auch Manuela Kaußen und Katrin Schwindig hatten da das Bedürfnis, den ein oder anderen Hund mitzunehmen, doch ihnen war klar: "300 Welpen nehmen wir mit und am Sonntag drauf stehen da wieder 300 Welpen. Das ist nicht die Lösung des Problems."

Ausgewachsene Hunde landen wieder im Tierheim

Denn es bleibt die Frage, was mit den Hunden geschieht, die nicht verkauft werden und heranwachsen. Sie müssen irgendwann wieder süßen Welpen Platz machen – und landen dann, so die Vermutung, erst auf der Straße, dann im ungarischen Tierheim und nicht selten danach auch in Deutschland.

Spenden an seriöse Organisationen

Das Fazit der beiden Nördlingerinnen deshalb: Spenden ja, aber um die Situation vor Ort zu verbessern. Denn auch im Ausland gibt es viele seriöse Vereine, die gute Arbeit leisten. Aber: "Wenn man sieht, dass es einen Verein gibt, der massenweise Hunde her karrt, dann sollte man hellhörig werden", so Manuela Kaußen.

Nördlingerinnen wollen nach Rumänien reisen

Mit ihrer Reise wollen Manuela Kaußen und Katrin Schwindig auch aufklären. Nächstes Jahr wollen die beiden Frauen deshalb nach Rumänien reisen, denn auch von dort kommen zahlreiche Hunde nach Deutschland.

© BR

In deutschen Tierheimen landen viele Hunde aus dem Ausland - vor allem aus Osteuropa. Woher kommen diese Tiere? Alles Straßentiere und vom Tode bedroht? Welche Rolle spielen Hundehändler? Zwei Tierheim-Mitarbeiterinnen auf Spurensuche.