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Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender der Freien Wähler

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    Das Zugpferd der Freien Wähler: Hubert Aiwanger

    Er ist Bayerns Wirtschaftsminister und Parteichef der Freien Wähler. Jetzt plant Hubert Aiwanger mit seiner Partei bei der Bundestagswahl 2021 den Sprung nach Berlin. Er will in die Bundesregierung - "nach bayerischem Erfolgsmodell". Ein Porträt.

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    Von
    • Vera Cornette

    Auf der Bühne stehen, vor Publikum sprechen – da ist Hubert Aiwanger in seinem Element: Er ist bekannt für seine scharfe Rhetorik, bekannt dafür, auch lange Reden ohne Manuskript zu halten. Egal, ob im Landtag, beim Politischen Aschermittwoch oder eben im Fußballstadion.

    Mitte Mai kommen etwa 280 Freie Wähler zusammen zur Landesversammlung in ein Fußballstadion südlich von München. Die Tribüne ist coronabedingt eher luftig besetzt. Normalerweise trägt hier die SpVgg Unterhaching ihre Heimspiele aus. Dritte Liga - nicht Bundes-, aber auch nicht Regionalliga. Irgendwo dazwischen.

    Mit Aiwanger wächst die Bedeutung der Freien Wähler

    So wie Aiwangers Freie Wähler (FW): Unter seiner Führung sind sie bei der Landtagswahl 2008 in den bayerischen Landtag eingezogen, seit zweieinhalb Jahren sind sie an der Staatsregierung beteiligt, seit diesem Jahr sind sie im Landtag von Rheinland-Pfalz vertreten.

    Inzwischen hat es auch oberhalb der Landesebene geklappt, die FW sind im Europaparlament, aber so richtig in der Bundesliga spielen sie bisher nicht mit: Bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017 konnten sie nicht die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, gerade mal ein Prozent der Stimmen erreichten sie jeweils.

    Bundestagswahl 2021: Neue Wege für die Freien Wähler

    Dieses Mal soll alles anders werden: "Auf nach Berlin, wir kommen", ruft Aiwanger den Anhängern im Hachinger Stadion zu. Er will die Freien Wähler nicht nur in den Bundestag, sondern gleich in die Regierung führen: Eine Koalition der Mitte, "nach bayerischem Erfolgsmodell", sagt der Landes- und Bundesvorsitzende.

    Bevorzugt arbeitet er sich an den Grünen ab: "Wir Freien Wähler wollen verhindern, dass Frau Baerbock Bundeskanzlerin wird." Auch inhaltlich greift er sie immer wieder frontal an: Wenn die Grünen die Sinnhaftigkeit von Eigenheimen anzweifeln, zieht Aiwanger vom Leder: "Wir stehen zum Eigentum, wir wollen, dass Leute wieder Häuser bauen."

    Gern garniert mit einer Prise Populismus: Annalena Baerbock, oder SPD-Bundestagskandidat Kevin Kühnert, das sind für ihn Leute, die "noch nie einen Finger gekrümmt haben."

    Zupackend, hart arbeitend, mit Dreck unter den Fingernägeln, Bäume pflanzend, statt nur darüber zu reden: Das alles beansprucht der 50-jährige Aiwanger für sich. Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof im niederbayerischen Rahstorf, im Landkreis Landshut.

    Nach dem Abitur und dem Landwirtschaftsstudium schloss er sich mit Anfang 30 den Freien Wählern an. Nicht einmal fünf Jahre später wurde er in einer Stichwahl mit knapper Mehrheit zum Landeschef der Partei bestimmt.

    Aiwanger ist "die Freien Wähler", die Freien Wähler sind Aiwanger

    Als bayerischer Vize-Ministerpräsident, Bundes- und bayerischer Landesvorsitzender sowie in zehn Jahren als Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag hat er die FW geprägt wie kein anderer, nicht einmal wie Armin Grein, der die Freien Wähler mitbegründet hat und fast 30 Jahre lang ihr Vorsitzender war.

    Denn unter Aiwangers Führung kamen die Erfolge – von der kommunalpolitisch engagierten Vereinigung zur Regierungspartei in Bayern. Aiwangers bundespolitische Ambitionen werden allerdings nicht von jedem FW-Politiker vorbehaltlos mitgetragen. Für Aiwanger dagegen ist es nur logisch: "Das ist die letzte Rettung, sonst geht’s in den Graben rein mit dieser Politik", meint er mit Blick auf die Große Koalition. Bürgerliche Wähler, von der Union enttäuschte und Protestwähler, die sich von der AfD abwenden: Sie hofft Aiwanger zu überzeugen.

    Kommunal und Bundesebene – das ergänze sich nur zu gut: Aiwanger findet, dass gerade in der Pandemie für mehr kommunale Selbstbestimmung gekämpft werden muss. Aus seiner Sicht dürfte nicht etwa in Berlin entschieden werden, wann die Freibäder aufmachen, sondern das müssten die Bürgermeister vor Ort bestimmen.

    Falls die Freien Wähler in den Bundestag kommen, will Aiwanger nach eigenem Bekunden nach Berlin wechseln.

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