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Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger
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Ronja Dittrich
Ralf Fischer
BR24 Redaktion
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Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger

Am Ende eines Monats kann er meistens auf 100 Termine zurückschauen. "Das ist in der Politik ähnlich, wie wenn du gegen einen Strom schwimmst, und es kommt ständig Wasser auf dich zu, und du musst ständig rudern", schildert Hubert Aiwanger. "Wenn du aufhörst zu rudern, wirst du abgetrieben. Und wenn du viel ruderst, ist das noch kein Beweis, dass du vorwärts kommst – aber du kommst zumindest nicht so schnell rückwärts", sagt er und lacht.

Aiwangers Ziel: Minister werden

Aiwanger ist - nicht nur als Spitzenkandidat im Landtagswahlkampf - das Gesicht der Freien Wähler. Sein politischer Stil: präsent sein, neue Themen finden. Ob die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, die Abschaffung der Studiengebühren oder der Straßenausbaubeiträge - Aiwanger hat mehrfach die Staatsregierung mit Volksbegehren traktiert. Im Herbst will er nun selbst Minister werden.

Aiwanger: "Käme mit Söder gut aus"

2001 trat Aiwanger den Freien Wählern bei, 2006 wurde der Landwirt aus Niederbayern ihr Landesvorsitzender. Vor zehn Jahren schafften die Freien Wähler erstmals den Sprung in den Landtag, und Aiwanger wurde ihr Fraktionschef, 2010 folgte die Wahl zum Bundesvorsitzenden. Jetzt ist er auch noch Spitzenkandidat - und will nach der Landtagswahl am 14. Oktober mitregieren. Seit Monaten schon bringt er sich und seine Freien Wähler als möglichen Koalitionspartner der CSU in Stellung.

Berührungsängste mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Aiwanger keine. "Ich glaube, dass ich mit Söder erstaunlich gut auskäme", betont Aiwanger. "Ich kann ihn einschätzen und er mich wahrscheinlich auch."

Gabriele Pauli blieb nicht lange

Ganz nach oben will er - und trotzdem ist er bodenständig. Regelmäßig steht der Niederbayer auf großen und kleinen Bühnen, in Bierzelten und Fußgängerzonen, um für sich und seine Gruppierung zu werben. In Bayern ist er eine Instanz, im Bundestagswahlkampf sollte er nur eine Fußnote bleiben. Aiwanger probierte es trotzdem.

Immer wieder erhofft er sich Aufschwung durch Promis. So bot er vorübergehend Ex-CSU-Rebellin Gabriele Pauli und Adenauer-Enkel Stephan Wehrhahn eine politische Heimat. Doch lange geblieben sind sie nicht. Als sie gingen, blieb der Vorwurf: Aiwanger führe die Partei undemokratisch, lasse keine anderen Meinungen zu.

Unterstützung von TV-Richter Alexander Hold

Mittlerweile ist ein weiterer Promi an seiner Seite: Fernsehrichter Alexander Hold. Ihn wollte Aiwanger zum Bundespräsidenten machen, jetzt soll es zumindest mit dem Einzug in den Landtag klappen. Aiwanger und Hold können miteinander.

"Der Hubert ist ein sehr intelligenter und schlauer Mensch, der entwickelt sich vielleicht sogar schneller als sich es manche wünschen würden", sagt Hold über den Freie-Wähler-Chef. "Ich glaube, dass der Hubert auf einem guten Weg ist, noch mehr Teamplayer zu sein, als er es vor zehn Jahren war." Bisher folgen die Freien Wähler ihrem Multifunktionär - möglicherweise sogar in eine Regierung. Als Minister wird der Politiker Hubert Aiwanger sich noch einmal neu erfinden müssen.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger